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Nach Erfolg in der Schweiz: Italien plant erste Solarbahnstrecke

Schweiz testet Solarmodule auf befahrener Bahnstrecke
Schweiz: Solarmodule auf aktiver Bahnstrecke Copyright  Sun-Ways
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In Europa könnten Solarbahnen bald zum Alltag gehören. Ein erfolgreicher Versuch in der Schweiz gibt dafür Rückenwind.

Europas Infrastruktur stellt sich auf den Boom der erneuerbaren Energien ein. Ein Unternehmen will die Bahnstrecken des Kontinents in kleine Solarfarmen verwandeln.

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Im vergangenen Jahr hat das Schweizer Start-up Sun-Ways die weltweit erste Solar-Bahnstrecke vorgestellt. Dafür ließ das Unternehmen 100 Meter Photovoltaikmodule zwischen befahrenen Gleisen in Buttes verlegen, einem Dorf im Bezirk Val-de-Travers.

Ursprünglich war lediglich ein Versuch über drei Jahre geplant. Auf der Strecke wurden 48 speziell entwickelte Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 18 kWp montiert.

Die positiven Ergebnisse schon nach einem Jahr lassen jedoch erwarten, dass entlang der Gleise ein dauerhaftes System entsteht, wie Euronews Earth erfuhr.

Wie effizient sind Solarbahnen?

Solarmodule werden häufig in einem bestimmten Neigungswinkel montiert, damit sie über das Jahr möglichst viel Sonnenlicht aufnehmen.

In Spanien liegt der optimale Winkel zum Beispiel zwischen 30 und 35 Grad. Laut einer Studie aus dem Jahr 2022, veröffentlicht auf ScienceDirect, führt eine Neigung von 34 Grad bei Solarmodulen auf der Iberischen Halbinsel zu jährlichen Produktionsverlusten von weniger als ein Prozent.

Geneigte Hausdächer eignen sich deshalb besonders gut für die Installation von Modulen. Gartenzäune, Balkone und Flachdächer liefern im Vergleich weniger Energie.

Sun-Ways schätzt, dass der Produktionsverlust durch die fehlende Neigung der Bahnmodule nur bei rund 10 Prozent liegt. Trotzdem hat das Projekt in einem Jahr etwa 16.000 kWh Strom erzeugt.

Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr dem Jahresverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts im Vereinigten Königreich, in dem Heizung, Warmwasser, Beleuchtung und Geräte komplett mit Strom betrieben werden.

Theoretisch ließen sich entlang des gesamten Schweizer Bahnnetzes mit seiner Länge von 5.317 Kilometern Solarmodule verlegen. Die Fläche entspräche rund 760 Fußballfeldern und wäre mehr als 50.000-mal so groß wie die Pilotanlage.

Sun-Ways geht davon aus, dass sich damit pro Jahr etwa eine Terawattstunde (TWh) Strom erzeugen ließe. Das entspräche rund zwei Prozent des gesamten Energieverbrauchs des Landes.

Sind Solarbahnen sicher?

Bahngleise in Knotenpunkte für erneuerbare Energien zu verwandeln, ist kein leichtes Unterfangen und bringt ganz eigene Herausforderungen mit sich.

Eine der größten Sorgen, die zuvor auch die Internationale Eisenbahnunion geäußert hat, ist das Risiko von Mikrorissen in den Modulen. Sie könnten die Brandgefahr erhöhen und das Zugpersonal durch Spiegelungen ablenken.

Sun-Ways begegnet diesen Risiken mit besonders widerstandsfähigen Modulen, robuster als typische Dachanlagen, und mit einer Antireflex-Beschichtung.

Eingebaute Sensoren überwachen zudem den Betrieb. Bürsten, die am Ende der Züge angebracht sind, wischen Schmutz von der Oberfläche der Module.

Auf die Frage nach Problemen im ersten Betriebsjahr erklärte Sun-Ways gegenüber Euronews Earth, die Anlage habe „einwandfrei funktioniert“ und es sei keine „besondere Wartung“ nötig gewesen.

„Bei diesem ersten Pilotprojekt wird der erzeugte Strom direkt ins Netz eingespeist“, so das Unternehmen weiter. „Wir arbeiten aber bereits daran, Strom aus Sun-Ways-Anlagen direkt in die Bahnstrom-Unterwerke oder in die Fahrleitung einzuspeisen.“

Werden Solarbahnen europaweit zum Standard?

Nach dem erfolgreichen Versuch in Schweiz hat Sun-Ways einen Kooperationsvertrag mit einem italienischen Geschäftspartner unterzeichnet, der Kontakt zur nationalen Bahninfrastruktur Rete Ferroviaria Italiana hat.

Pläne für ein Pilotprojekt in den kommenden Monaten sollen demnächst vorgestellt werden.

Sun-Ways hat zudem die Genehmigung der Regierung erhalten, eine weitere Solarbahnstrecke in Südkorea zu bauen. Parallel laufen Gespräche mit Unternehmen aus den Niederlanden, China, Indien und Singapur.

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