Die derzeitige Kombination aus Wärme und Feuchtigkeit schafft in Deutschland ideale Bedingungen für Stechmücken. Davon profitieren vor allem die heimische Gemeine Hausmücke und die sich zunehmend ausbreitende Asiatische Tigermücke.
"Feuchtes und warmes Wetter bedeutet optimale Bedingungen – die Mücke schreit hurra", warnt die Mückenexpertin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF).
Während die heimische Hausmücke vor allem stehende Wasseransammlungen wie Regentonnen oder Pfützen zur Eiablage nutzt, zeigt sich die invasive Tigermücke deutlich anpassungsfähiger: Bereits kleinste Wasserreste in Blumentopfuntersetzern oder Gießkannen reichen ihr als Brutstätte. Damit kann sie sich auch in dicht besiedelten städtischen Räumen schnell ausbreiten.
Die Biologin weist darauf hin, dass die feucht-warme Wetterlage die Entwicklung mehrerer Mückengenerationen pro Sommer ermöglicht. Ende August ist die Population am größten – das zeigt sich an den deutlich häufigeren Anflügen, die die Mücken dann unternehmen.
Extreme Trockenheit dagegen kann die Populationen begrenzen, weil Brutgewässer dann fehlen.
Besonders die Asiatische Tigermücke wird von der Forschung derzeit genau untersucht, weil sie ursprünglich aus den Tropen stammt und sich in Europa zunehmend etabliert. Sie ist nicht nur tagaktiv und aggressiv, sondern kann theoretisch auch Krankheitserreger wie Dengue- oder Chikungunya-Viren übertragen – bislang jedoch nicht durch heimische Übertragungsketten in Deutschland.
Das Chikungunya-Fieber verläuft selten tödlich, kann aber lange Beschwerden verursachen. Typische Symptome sind hohes Fieber, starke Gelenkschmerzen, Muskel- und Kopfschmerzen und Hautausschlag. Dengue-Fieber äußert sich typischerweise durch hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen sowie Hautausschlag. In schweren Fällen kann die Erkrankung zu Blutungen und lebensbedrohlichen Komplikationen führen.
Nach Angaben von NTV kommt die Asiatische Tigermücke bislang vor allem im Südwesten Deutschlands vor. Experten rechnen jedoch damit, dass sie sich künftig weiter nach Norden ausbreitet und auch dort dauerhaft ansiedelt.
So sieht die Asiatische Tigermücke aus
Die Asiatische Tigermücke wird nur bis zu 0,9 Zentimeter groß und ist damit vergleichsweise klein. Von heimischen Stechmücken unterscheidet sie sich vor allem durch ihre markante schwarz-weiße Zeichnung. Nach Angaben des Umweltbundesamts sind insbesondere Hinterleib und Hinterbeine auffällig schwarz-weiß gemustert. Charakteristisch ist zudem ein weißer Streifen, der am Hinterkopf beginnt und bis zum Ansatz der Flügel verläuft.
In vielen Kommunen kann die Sichtung der Tigermücke über offizielle Online-Portale gemeldet werden.
In Städten wie Freiburg im Breisgau können Sichtungen der Asiatischen Tigermücke über die Webseite der Stadt bzw. des Gesundheitsamts gemeldet werden. Auch in Heidelberg gibt es ein Online-Meldeformular für Tigermückenfunde im Rahmen lokaler Bekämpfungsmaßnahmen.
In Karlsruhe und der Region Mittlerer Oberrhein ist ebenfalls eine Beteiligung am Tigermücken-Monitoring etabliert, wobei Meldungen häufig über kommunale Gesundheits- oder Umweltämter erfolgen. In Mannheim können Bürger entsprechende Funde in der Regel ebenfalls über das Gesundheitsamt oder Umweltportale melden.
Heimische Stechmücke verbreitet u.a. das West-Nil-Virus
Das West-Nil-Virus, das von heimischen Stechmücken auf den Menschen übertragen wird, ist inzwischen in Teilen Deutschlands verbreitet. Einer Studie der Charité zufolge hat es sich in Berlin bereits dauerhaft etabliert.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurden deutschlandweit im Jahr 2025 insgesamt 14 West-Nil-Fälle registriert. 2024 waren es 49, im Jahr 2023 wurden 16 Fälle gemeldet – jeweils einschließlich infizierter Reiserückkehrer. Fachleute gehen jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus, da viele Infektionen ohne Symptome verlaufen. Treten Beschwerden auf, äußern sie sich meist durch grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost oder Erbrechen. In seltenen Fällen kann eine Infektion einen schweren Verlauf nehmen und tödlich enden.
Herzwurmerkrankungen bei Tieren
Sowohl die Gemeine Stechmücke als auch die invasive Asiatische Tigermücke können zudem als sogenannte Vektoren dienen, also Larven von Fadenwürmern aufnehmen und weitergeben.
Dirofilaria immitis und Dirofilaria repens sind parasitäre Fadenwürmer, die vor allem Tiere, in seltenen Fällen auch Menschen befallen können. Dirofilaria immitis verursacht die sogenannte Herzwurmerkrankung, bei der sich die Parasiten in den Herz- und Lungenarterien ansiedeln und insbesondere bei Hunden schwere Herz- und Lungenschäden auslösen können.
Dirofilaria repens hingegen befällt das Unterhautgewebe und führt dort meist zu knotigen oder wandernden Schwellungen, auch beim Menschen als Zufallswirt.
Übrigens: Kokosöl wird häufig als natürlicher Mückenschutz genannt, weil es Laurinsäure enthält, die auf Stechmücken abschreckend wirken kann. Ob es auch gegen die Asiatische Tigermücke helfen könnte, ist bisher nicht bekannt. Fachleute empfehlen grundsätzlich Repellents mit nachgewiesenem Wirkstoff.