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Stundenlang ohne Strom: Alltag in einer der heißesten Städte der Welt mit 48 Grad

Eine Frau kühlt sich während einer Hitzewelle in Banda im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh mit einem Kühlpack ab, Sonntag, 21. Juni 2026.
Eine Frau kühlt sich am Sonntag, 21. Juni 2026, während einer Hitzewelle in Banda im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh mit einem Kühlpack ab. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Liam Gilliver
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Bewohner in einigen der heißesten Regionen der Erde berichten, wie die durch fossile Brennstoffe angeheizte Hitze ihren Alltag zur Qual macht.

Glutheiße Temperaturen haben weite Teile der Welt erfasst, auch Europa. Wissenschaftler warnen, dass die aufeinanderfolgenden Hitzewellen im Juni ohne den Klimawandel „praktisch unmöglich“ gewesen wären.

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Juni 2026 war nach Angaben des Copernicus-Klimadienstes der EU der heißeste jemals gemessene Monat in Westeuropa und weltweit der zweitwärmste – mit 1,39 °C über dem geschätzten vorindustriellen Durchschnitt.

Über Europas Hitze wird viel berichtet. Kaum Beachtung finden dagegen Länder, in denen die Extremtemperaturen noch höher liegen.

Heißeste Stadt der Welt

Im Mai kletterten die Temperaturen in der nordindischen Stadt Banda auf glühende 48,2 °C. Es war eines von mehreren Ereignissen in diesem Jahr, in denen die Stadt die landesweit höchste Temperatur verzeichnete.

Tatsächlich galt Banda in diesem Jahr bereits siebenmal als heißester Ort der Erde, berichtet der Klimatologe und Wetterhistoriker Maximiliano Herrera, der weltweite Wetterextreme dokumentiert.

Seither sind die Temperaturen etwas gefallen, doch die Hitze bleibt drückend – erst recht, seit die saisonalen Regenfälle die Luftfeuchtigkeit steigen lassen.

Extreme Hitze belastet Marktarbeiter

Ein Arbeiter trägt in den frühen Morgenstunden während einer Hitzewelle in Banda Gemüse über den Markt.
Ein Arbeiter trägt in den frühen Morgenstunden während einer Hitzewelle in Banda Gemüse über den Markt. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.

Munni Devi und ihre vier Söhne beginnen mit dem Be- und Entladen von Gemüse, wenn der Großteil der Stadt noch schläft. Es ist erst vier Uhr morgens, doch das Thermometer zeigt bereits 30 Grad.

Auf dem Gemüsemarkt von Banda laden Arbeiter Tomaten, Jackfrüchte und anderes Gemüse ab und verladen es in kleinere Fahrzeuge, die die Ware in die Läden der Viertel bringen.

Die siebzigjährige Devi sagt, die Hitze werde von Jahr zu Jahr intensiver, und dieses Jahr sei besonders schlimm. Die Arbeit ist bei jedem Wetter körperlich anstrengend. Während einer Hitzewelle wird sie brutal. Dennoch, sagt Devi, könne sich die Familie keinen einzigen Ausfalltag leisten.

Alle leiden unter der Hitze, aber wegen unserer Lebensumstände müssen wir sie ertragen.
Munni Devi
Marktarbeiterin in Banda

Auf dem Markt schieben junge Männer Handkarren durch enge Gassen. Frauen sortieren Gemüse auf der Straße. Viele Käuferinnen und Käufer kommen früh, erzählt Devi, in der Hoffnung, ihre Einkäufe zu erledigen, bevor die Temperaturen in die Höhe schießen.

Devi und ihre Söhne arbeiten vom frühen Morgen bis zur Mittagszeit, dann gehen sie nach Hause, um sich zu erholen. Doch der Strom fällt dort häufig aus, erzählt sie, wirklich kühl wird es nie. Die Enkelkinder werden jeden Tag mit einem Wasserschlauch abgespritzt, um die Hitze etwas zu ertragen.

„Wenn es keinen Strom gibt, laufen nicht einmal die Deckenventilatoren. Manchmal bleibt der Strom stundenlang weg“, sagt sie.

Natur schützen vor Gluthitze

Vogelschützer Shobharam Kashyap hält hölzerne Nistkästen für Spatzen, die er während einer Hitzewelle in Banda gebaut hat.
Vogelschützer Shobharam Kashyap hält hölzerne Nistkästen für Spatzen, die er während einer Hitzewelle in Banda gebaut hat. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.

Wenn die Nachmittagssonne die Straßen von Banda aufheizt, bleiben diejenigen, die es sich leisten können, in ihren Häusern. Einige Gemüsehändler und Autorikscha-Fahrer bleiben dennoch draußen – in der Hoffnung auf ein paar zusätzliche Kundinnen und Kunden.

Der siebzigjährige Tierfreund Shobharam Kashyap arbeitet derweil in seiner Werkstatt zu Hause an hölzernen Nistkästen. Kashyap erzählt, dass er zusammen mit anderen Freiwilligen bereits mehr als 15.000 dieser Kästen in der Stadt angebracht hat, damit Vögel Schutz vor der zunehmend harschen Umwelt finden.

Kashyaps bunt bemalte Nistkästen – viele davon grün, weil Vögel diese Farbe offenbar bevorzugen, wie er sagt – hängen an Bäumen und Hauswänden in ganz Banda. Außerdem stellt er Tonschalen mit Wasser in und um sein Haus, damit die Vögel darin baden oder trinken können.

Kashyap sieht sich in der Tradition, auch andere Tiere zu versorgen.

„Unsere Kultur ermutigt seit Langem dazu, Vögel zu füttern“, sagt er der Nachrichtenagentur AP. „Frauen, die Tempel besuchen, bringen traditionell Reis dar. Weder der Priester noch die Gottheit essen ihn – die Vögel tun es.“

Banda: Krankenhäuser überfüllt

Dr. Abhishek Pranayami untersucht in einem staatlichen Bezirkskrankenhaus in Banda einen Patienten mit einer hitzebedingten Erkrankung.
Dr. Abhishek Pranayami untersucht in einem staatlichen Bezirkskrankenhaus in Banda einen Patienten mit einer hitzebedingten Erkrankung. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.

Die immer heißeren Tage bringen mehr Menschen ins Krankenhaus von Banda, eines der größeren medizinischen Zentren der Region. Patientinnen und Patienten mit hitzebedingten Beschwerden – von Ohnmacht bis Hitzschlag – kommen vor allem am Nachmittag und Abend und füllen Flure und Stationen.

Die Kranken sitzen Schulter an Schulter auf den Bänken. Angehörige fächern ihnen mit Papierblättern Luft zu. Das Personal eilt mit Infusionen von Bett zu Bett.

Chefarzt Dr. Abhishek Pranayami berichtet, das Krankenhaus erlebe jeden Sommer einen Ansturm „und die Zahl der Patientinnen und Patienten steigt von Jahr zu Jahr“.

Man behandle viele Menschen mit Dehydrierung, Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen, sagt er. Solche Erkrankungen nähmen mit steigenden Temperaturen zu. Manche Patientinnen und Patienten erholen sich innerhalb weniger Tage. Andere brauchen deutlich länger.

„Der Druck auf uns und das Personal ist sehr groß“, sagt er.

Schlafen im Freien, um der Hitze zu entkommen

Kinder versammeln sich um ein Mobiltelefon, während Anwohner am Bahnhof von Banda im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh rasten, um der Hitze zu entgehen, Samstag, 20. Juni 2026
Kinder versammeln sich um ein Mobiltelefon, während Anwohner am Bahnhof von Banda im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh rasten, um der Hitze zu entgehen, Samstag, 20. Juni 2026 Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.

Auch nach Sonnenuntergang bleibt es in Banda heiß. Wenn Jungen Cricket spielen, wickeln sie ihre Wasserflaschen in zerrissene Stoffreste, damit das Wasser länger kühl bleibt.

Am Bahnhof der Stadt versammeln sich Familien oft bis spät in die Nacht. Sie hoffen, dass die offenen Bahnsteige und gelegentlichen Luftzüge erträglicher sind als die engen Wohnungen, die sich den ganzen Tag über aufgeheizt haben.

In einer dieser Nächte schlafen Dutzende Menschen im Bahnhof, um der Hitze zu entgehen. An einer Stelle liegen mehrere Kinder und Erwachsene auf Decken, die auf dem Steinboden direkt neben abgestellten Waggons ausgebreitet sind. Einige nutzen Taschen als Kopfkissen. Ein Haufen Flip-Flops steht wenige Zentimeter von ihren bloßen Füßen entfernt. Ein anderer Mann hat sich auf einer Bank ausgestreckt und legt den Kopf auf seinen Rucksack.

In der Nähe versuchen mehrere Männer und Frauen, auf Decken neben den Fahrkartenschaltern zu schlafen – trotz des grellen Lichts. Zwischen ihnen liegen Hunde auf dem Boden, die ebenfalls Abkühlung suchen.

Tagelöhner, deren Wohnungen zu klein und zu heiß zum Schlafen sind, breiten ihre Decken vor dem Eingang des Bahnhofs aus. Sie versuchen, in der heißen Nacht wenigstens etwas Schlaf zu finden.

Trotz des Lärms von Fahrzeugen und Reisenden, die den Bahnhof betreten und verlassen, liegen Arbeiter und Anwohner auf Handtüchern und manchmal direkt auf dem Schotter. Die relativ offenen, luftigen Straßen und Gehwege rund um den Bahnhof bieten ihnen die beste Chance auf etwas Schlaf.

Für Eltern mit kleinen Kindern ist die Hitze in der Nacht zu belastend zum Schlafen, also warten sie im Bahnhof und drängen sich um ein Smartphone.

„Klimawandel verschiebt die Normalwerte“

Der Kampf um Abkühlung und Ruhe prägt inzwischen den Sommer in Städten wie Banda.

Der Klimawandel verschiebt die Durchschnittswerte“, sagt Abhiyant Tiwari, Klima- und Gesundheitsexperte bei NRDC India in Neu-Delhi.

„Banda war immer für heiße Sommer bekannt. Doch jetzt verändern sich Intensität und Dauer der Hitze – und die Zahl der Menschen, die gefährlichen Temperaturen ausgesetzt sind.“

Besonders beunruhigend seien hohe Nachttemperaturen, erklärt er, weil sich die Menschen dann von der Hitze des Tages körperlich kaum erholen können.

Der ranghöchste Regierungsvertreter in Banda berichtet, die Behörden hätten Kühlzentren eingerichtet, Hunderttausende Beutel mit oralen Rehydrierungslösungen verteilt und die Krankenhäuser während Hitzewarnungen besonders eng überwacht.

Amit Aasery, Bezirksmagistrat von Banda, sagt, Fachleute untersuchten Grundwasserstände, Bodenfeuchte und Vegetationsverluste und arbeiteten gleichzeitig daran, die Wasserversorgung und die Aufklärung der Bevölkerung zu verbessern. Doch es gebe Grenzen dessen, was vor Ort möglich sei.

„Was hier passiert, ist ein globales Phänomen“, sagt er. „Es ist eine Folge des Klimawandels. Wir bekommen die Auswirkungen zu spüren.“

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