Wegen des Teilausfalls des einzigen Atomkraftwerks baten die Behörden die Bevölkerung, abends auf Klimaanlagen und stromfressende Geräte zu verzichten. Für Freitag sind in Ungarn Regen und Gewitter gemeldet, die das Stromnetz deutlich entlasten könnten.
Der Ministerpräsident erklärte in den sozialen Medien, die Energiesicherheit des Landes sei wiederhergestellt. "Wir haben es gemeinsam geschafft, wir haben die Energiesicherheit unseres Landes verteidigt! (…) Ab morgen ist keine freiwillige Senkung des Verbrauchs mehr nötig", schrieb der ungarische Regierungschef auf seiner Profilseite.
Für zusätzlichen Optimismus sorgt die Wetterlage. Trotz Quellwolken rechnen Meteorologinnen und Meteorologen heute mit viel Sonnenschein. Gleichzeitig sagen sie örtlich plötzlich einsetzende Unwetter voraus. Am Nachmittag zieht der Himmel vielerorts zu. Entlang der Donau und östlich davon können sich vereinzelt Schauer und Gewitter bilden.
Rund 40 Prozent des ungarischen Stromverbrauchs deckt das in den 1980er-Jahren errichtete Kernkraftwerk Paks mit einer Leistung von 2000 MW. Wegen des niedrigen Pegels der Donau, deren Wasser zur Kühlung genutzt wird, mussten nacheinander drei Blöcke vom Netz genommen werden. Der Ministerpräsident hatte mehrfach in Aussicht gestellt, auch den vierten Block abzuschalten. Dies konnte er nach eigenen Angaben jedoch verhindern.
In einem weiteren Beitrag warf der Regierungschef dem früheren Kabinett vor: "Orbán Viktor und seine Regierung wussten bereits 2022, dass das ungarische Energiesystem seine letzten Tage erlebt und am Rand des Zusammenbruchs steht. Trotzdem unternahmen sie nichts. Ihrem eigenen Regierungsentwurf aus dem Jahr 2022 zufolge lag die Ursache des Problems darin, dass die damalige Regierung das System mit einem zusätzlichen Strombedarf belastete, der der Leistung eines gesamten Kernkraftwerks in Paks entsprach, um Großinvestoren zu versorgen.
Sie waren sich dessen vollkommen bewusst: Ihre eigenen Berechnungen zeigten, dass sie für großindustrielle Projekte – insbesondere Investitionen in die Batterieproduktion – mehr Strom zugesagt hatten, als das ungarische Energiesystem zuverlässig liefern konnte. Orbán und sein Team wussten alles. Sie kannten die Risiken für die Energiesicherheit Ungarns, taten aber dennoch nichts.
Bis 2022 war seit mehr als einem Jahrzehnt keine bedeutende neue Stromerzeugungskapazität gebaut worden, die jederzeit hätte einspringen können. Der Austausch und die Modernisierung alternder Kraftwerke wurden vernachlässigt. Der schnelle Ausbau der Solarenergie wurde nicht von den notwendigen Investitionen in das Stromnetz, Reservekapazitäten und Energiespeicher begleitet. Den Bau von Windkraftanlagen blockierten sie.“
Energieversorgung: Wie geht es weiter?
Nach Angaben von HungaroMet werden die Gewitter am Freitag von stürmischen Böen mit Geschwindigkeiten von 80 bis 90 Kilometern pro Stunde, Hagel und kräftigem Regen begleitet. Im nördlichen Mittelgebirge und in der Region Nord-Alföld kann es zudem zu wolkenbruchartigen Niederschlägen kommen.
Die Hitze hält jedoch an. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 30 und 35 Grad, im Südosten kann es noch heißer werden. Im Süden und in der Landesmitte liegt die tägliche Durchschnittstemperatur weiterhin bei rund 27 Grad.
Für die Wiederinbetriebnahme der drei abgeschalteten Reaktoren in Paks gibt es bislang keine konkreten Pläne oder Termine. Fachleute betonen, dass die Rückkehr ans Netz ein langwieriger, komplexer und schrittweiser Prozess sei, der nicht in einem einzigen Schritt abgeschlossen werden könne. Daher bleibt offen, wann der Beitrag von Paks zum ungarischen Energiemix wieder das übliche Niveau erreicht. Stromsparen und die fortlaufende Beobachtung der Importmärkte bleiben deshalb wichtig.