Rekordtemperaturen und ausbleibender Regen lassen Böden und Flüsse austrocknen. Die EU will mit einer neuen Strategie gegensteuern, doch von mehr als 50 Maßnahmen sind erst drei umgesetzt.
Rekordtemperaturen erfassen Spanien und reichen bis nach Finnland. Über weite Teile Europas breitet sich in diesem Sommer eine Dürre aus. Zahlreiche Länder reagieren mit strikten Wasserrationierungen und verbieten vorübergehend jeden nicht unbedingt notwendigen Wasserverbrauch.
Die Initiative World Weather Attribution führt die aktuelle Trockenheit auf mehrere Monate mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen sowie extremer Hitze zwischen April und Juni zurück. Allein im Jahr 2026 treten Defizite bei der Bodenfeuchte fünf- bis elfmal häufiger auf als üblich. Die Folgen sind bereits jetzt spürbar: Frankreich verzeichnet die schwächste Maisernte seit 50 Jahren, Rumänien verliert mehr als eine Million Hektar Ackerfläche. Sinkende Wasserstände in Flüssen und Seen setzen zudem Tourismus und Schifffahrt zu – auch der Donau, die so niedrig steht wie zuletzt 1996.
Die extreme Trockenheit befeuert außerdem Wald- und Flächenbrände. Bislang haben Feuer in der EU 500.852 Hektar zerstört – deutlich mehr als die 381.444 Hektar im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Der Kampf gegen die Dürre fällt der Europäischen Union schwer. Jahrzehntelange Übernutzung, Verschmutzung und schlechte Bewirtschaftung haben die Wasserressourcen des Kontinents stark geschwächt.
Abhilfe soll die Wasserresilienz-Strategie aus dem Jahr 2025 schaffen. Sie soll die langfristige Wasserversorgung Europas sichern und die EU bis 2030 fit für die Folgen des Klimawandels machen. Dafür will die Union ihre Wassernutzung um mindestens zehn Prozent effizienter gestalten. Der Fahrplan umfasst mehr als 50 Maßnahmen, 30 davon gelten als besonders wichtig. Umgesetzt sind bislang erst drei.
Die Strategie stützt sich auf drei Säulen. Erstens sollen Qualität und Menge der verfügbaren Wasservorräte wiederhergestellt und geschützt werden – durch weniger Verschmutzung und geringere Entnahme. Zweitens will die EU mithilfe der Digitalisierung eine wassersparende Wirtschaft aufbauen, die den Verbrauch besser erfasst, steuert und Verschwendung reduziert. Drittens soll jeder Zugang zu sauberem und bezahlbarem Wasser behalten – zugleich will die Union einen sparsamen Umgang und effiziente Produkte fördern.