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Paradox des Fortschritts: Wie der Ökostrom-Boom Emissionen wirklich senken kann

Das Ravenswood-Kraftwerk im New Yorker Stadtteil Queens, 27. August 2025.
Das Kraftwerk Ravenswood im New Yorker Stadtbezirk Queens, 27. August 2025. Copyright  P Photo/Ted Shaffrey
Copyright P Photo/Ted Shaffrey
Von Angela Symons
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Neuer UN-Bericht warnt vor Folgen eines Überschreitens von eins Komma fünf Grad Erwärmung und zeigt Wege, die Risiken zu begrenzen.

Die globale Erwärmung lässt sich nicht mehr auf unter 1,5 Grad Celsius begrenzen. Ein neuer Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zeigt aber einen möglichen Ausweg.

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„Overshoot, Peak and Decline“ – also überschießen, Höchststand und Rückgang – gilt dem Bericht zufolge inzwischen als beste Strategie. So soll die Erwärmung wieder unter die im Pariser Klimaabkommen festgelegte Schwelle fallen, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise zu vermeiden.

Der Bericht rechnet im günstigsten Fall mit 1,8 Grad Erwärmung und in anderen Szenarien mit mehr als 2 Grad. Sobald die Marke von 1,5 Grad überschritten ist, nehmen Klimaschäden und das Risiko von Kipppunkten mit jedem Zehntelgrad zu.

Damit die Menschheit eine Zukunft hat, muss dieses Überschießen so „klein und kurz wie möglich“ ausfallen, sagt UN‑Generalsekretär António Guterres.

Erneuerbare Energien sind ein zentraler Teil der Lösung.

Ein frisch veröffentlichter Bericht der internationalen Denkfabrik Energy Transitions Commission (ETC) beschreibt jedoch ein „Paradox des Fortschritts“ im Energiesektor. Der stark steigende Bedarf von KI‑Rechenzentren und für Kühlung sowie überlastete Stromnetze fressen die Gewinne des Rekordausbaus bei erneuerbaren Energien wieder auf.

Trotz Rekordniveau bei Ökostrom: Emissionen sinken nicht

Jährlich fließen inzwischen Rekordinvestitionen von 1,9 Billionen Euro in saubere Energien. Das sorgt für rasantes Wachstum, deckt aber nur 40 Prozent des zusätzlichen Energiebedarfs.

Hitzewellen lassen den Bedarf an stromhungrigen Klimaanlagen steigen. Gleichzeitig belastet der KI‑Boom die Stromsysteme zusätzlich.

Der Energieverbrauch von Rechenzentren ist 2025 um 17 Prozent gestiegen und liegt laut Internationaler Energieagentur (IEA) inzwischen bei rund 1,5 bis 2 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Bis 2030 dürfte sich dieser Anteil verdoppeln.

Rechenzentren konkurrieren zudem um Kapazitäten in überlasteten Stromnetzen – von den USA bis zum Vereinigten Königreich. Dort müssen neue Anschlüsse teils bis zu zehn Jahre warten, und hohe Vorausgebühren stehen im Raum, um sich einen Platz in der Warteschlange zu sichern. Einige Betreiber setzen deshalb auf eigene Stromquellen wie Solaranlagen und Gas‑Mikronetze vor Ort.

Parallel dazu führen veraltete Stromnetze dazu, dass enorme Mengen grüner Energie ungenutzt bleiben. Allein in Europa warten 375 Gigawatt an erneuerbaren Kapazitäten auf einen Netzanschluss, in den USA stecken 2.300 Gigawatt in Warteschlangen fest.

Die globalen Emissionen stagnieren daher, statt zu sinken. Nach Einschätzung der ETC steuert die Welt auf etwa 2,5 Grad Erwärmung zu.

Strom macht zudem nur etwa ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs aus. Deshalb ist es ebenso wichtig, Heizung, Industrie und Verkehr zu dekarbonisieren.

Temperatur‑Überschuss begrenzen: Wie die Welt Kurs halten kann

Beide Berichte skizzieren kurzfristige Lösungen – zuerst beim Umgang mit Methan.

Dieses starke Treibhausgas ist deutlich wirksamer als Kohlendioxid und für rund 0,5 Grad globaler Erwärmung verantwortlich. Gleichzeitig bleibt es im Vergleich weniger lange in der Atmosphäre.

Frühe Minderungen – vor allem im Öl‑ und Gassektor sowie bei Lebensmittelverschwendung und Deponien – können die Temperaturen deshalb deutlich drücken.

Staaten sollten Investitionen zudem aus alter, emissionsintensiver Infrastruktur wie fossilen Kraftwerken, Verkehrssystemen und Industrieanlagen in saubere Alternativen wie erneuerbare Energien umlenken.

2025 stammten fast 34 Prozent des weltweiten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Eine Steigerung auf 60 bis 70 Prozent bis 2030 würde nach dem UNEP‑Bericht helfen, die Erwärmung nur begrenzt überschießen zu lassen.

Das entspricht der auf COP28 vereinbarten Zusage, die weltweite Kapazität erneuerbarer Energien bis Ende des Jahrzehnts zu verdreifachen. Im Mittelpunkt sollten Speicher, flexible Nachfrage und der Ausbau der Netze stehen. Die Energy Transitions Commission weist darauf hin, dass bereits mehr finanzierte saubere Erzeugung auf einen Netzanschluss wartet, als die gesamte jährliche Lücke von 900 Gigawatt, die bis 2030 geschlossen werden müsste.

Je schneller Emissionen sinken, desto weniger stark muss die Welt sich auf unsichere Zukunftstechnologien wie Entnahme von Kohlendioxid (Carbon Dioxide Removal, CDR) stützen, heißt es in dem UNEP‑Bericht. Gleichzeitig betont er, dass ein verantwortungsvoller Einsatz, eine genaue Überwachung und ein kontrolliertes Hochskalieren von CDR langfristig wichtig bleiben.

Ein weiterer entscheidender Hebel ist die Senkung des Energiebedarfs. Dazu zählen kostengünstige Maßnahmen wie mehr Energieeffizienz, die Elektrifizierung von Heizung und Kühlung sowie ein anderes Verhalten bei Mobilität und Ernährung. Solche Veränderungen hängen nach Einschätzung des UNEP vor allem von politischer Steuerung ab – nicht allein von individuellen Entscheidungen.

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