Xi Jinpings Rückkehr nach Kairo fällt in eine Phase, in der Ägypten und China ihre Beziehungen von Bauprojekten und Handel auf Technologie, Rüstung und Strategie ausweiten.
Chinas Präsident Xi Jinping ist am Dienstag zu seinem ersten Besuch seit 2016 in Ägypten eingetroffen. Beide Staaten begehen das siebzigjährige Jubiläum ihrer diplomatischen Beziehungen und wollen ihre Partnerschaft, die Peking als „umfassende strategische Partnerschaft“ bezeichnet, in neue Bereiche ausweiten.
Seit seinem letzten Besuch sind einige von Pekings Megaprojekten fester Bestandteil der ägyptischen Landschaft geworden.
Chinesische Unternehmen haben das zentrale Geschäftsviertel der neuen ägyptischen Verwaltungshauptstadt mit aufgebaut. Federführend war die China State Construction Engineering Corporation; das Viertel umfasst 20 Wolkenkratzer.
Im Zentrum steht der 385,8 Meter hohe Iconic Tower, das höchste Gebäude Afrikas.
Eine mit chinesischer Beteiligung gebaute Stadtbahn verbindet die östlichen Randgebiete Kairos mit neuen Stadtzentren. In der chinesisch-ägyptischen Industriezone nahe des Suezkanals sind inzwischen mehr als 200 Unternehmen angesiedelt.
Nach chinesischen Angaben hat die Zone mehr als 10.000 direkte Arbeitsplätze geschaffen. Die gesamten Investitionen belaufen sich demnach auf mehr als 4,7 Milliarden Dollar (4,05 Milliarden Euro).
Nun erweitert sich der Rahmen der Zusammenarbeit.
Immer stärker rücken Themen wie Künstliche Intelligenz, Hightech-Fertigung und Technologietransfer auf die wirtschaftliche Agenda. Parallel dazu trainieren chinesische und ägyptische Kampfjets im zweiten gemeinsamen Luftwaffenmanöver beider Länder.
Handel wächst, Ungleichgewicht auch
Nach Angaben des ägyptischen Statistikamts erreichte der bilaterale Handel in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 ein Volumen von 11,3 Milliarden Dollar (9,75 Milliarden Euro). Das entspricht einem Plus von 21,5 Prozent im Jahresvergleich.
Die ägyptischen Exporte nach China haben sich auf 840,8 Millionen Dollar (725,4 Millionen Euro) nahezu verdreifacht. Hauptposten sind Brennstoffe, Mineralöle, Obst, Gemüse und Baumwolle.
Im selben Zeitraum stiegen jedoch die Einfuhren aus China auf 10,4 Milliarden Dollar (8,97 Milliarden Euro). Allein Maschinen und Elektrogeräte machten 4,1 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) aus, gefolgt von Fahrzeugen, Eisen und Stahl, Kunststoffen und Chemikalien.
Ägypten will zwar chinesische Investitionen und Technologie, drängt aber zugleich darauf, dass mehr chinesische Firmen im Land selbst produzieren und ägyptische Waren besseren Zugang zum chinesischen Markt erhalten.
Ein für die Jahre 2024 bis 2028 vereinbartes Fünfjahresprogramm setzt auf lokale Produktion und Technologietransfer bei Elektrofahrzeugen, Elektronik, Solarmodulen, Chemikalien und moderner Agrartechnik. Künstliche Intelligenz steht ebenfalls weit oben auf der Prioritätenliste.
Präsident Abdel Fattah al-Sisi erklärte vor dem Besuch, Ägypten wolle chinesische Investitionen in Elektrofahrzeuge, Batteriespeicher, erneuerbare Energien und Schiffbau anziehen. Gleichzeitig solle der Technologietransfer in den Bereichen Telekommunikation, Künstliche Intelligenz und Weltraumforschung ausgeweitet werden.
Militärische Zusammenarbeit rückt in den Fokus
Auch die Verteidigungsbeziehungen treten stärker zutage. China und Ägypten veranstalten derzeit die zweite Auflage ihres gemeinsamen Luftwaffenmanövers „Eagles of Civilisation“ (Quelle auf Englisch), das von Mitte August bis Anfang September auf ägyptischen Luftwaffenstützpunkten läuft. Die Premiere hatte erst im vergangenen Jahr stattgefunden.
Nach Angaben chinesischer Offizieller umfassen die Übungen 2026 Luftkampftaktiken, Operationen zur Erlangung der Lufthoheit, Such- und Rettungsmissionen im Gefecht sowie den Einsatz gemeinsamer Verbände.
Die USA bleiben Kairos wichtigster und langjähriger Sicherheitspartner. Sie leisten umfangreiche Militärhilfe und liefern einen bedeutenden Teil der vielfältig beschafften Rüstungsgüter Ägyptens.
Washington hat sich zu den chinesischen Manövern bislang nicht öffentlich geäußert. Das Pentagon hatte jedoch bereits früher seine Sorge über das militärische Engagement Chinas bei US-Partnern im Nahen Osten und in Afrika betont.
Die Übungen passen zu Ägyptens breiterer Strategie, seine Verteidigungspartnerschaften zu diversifizieren. Dieser bewusst angelegte Balanceakt umfasst auch die Mitarbeit in BRICS, der Neuen Entwicklungsbank und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit – bei gleichzeitig anhaltender Abhängigkeit von westlicher Wirtschafts- und Sicherheitsunterstützung.
Nächste Phase der Beziehungen entscheidend
Vor seiner Reise bezeichnete Xi Ägypten als wichtiges Bindeglied zwischen der arabischen Welt und Afrika und warb für eine vertiefte China-Arabien- und China-Afrika-Zusammenarbeit über das Land.
Für China verbindet Ägypten einen Markt von mehr als 100 Millionen Menschen mit einer strategischen Lage am Suezkanal und politischem Gewicht in der arabischen Welt und in Afrika.
Beide Regierungen vertreten bei mehreren regionalen Fragen ähnliche Positionen, etwa in ihrer Unterstützung für einen palästinensischen Staat. Ägypten hält zugleich an der Ein-China-Politik fest.
Ägypten war 1956 das erste arabische und afrikanische Land, das diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China aufnahm.
Seit seinem Amtsantritt 2014 ist al-Sisi bereits achtmal nach China gereist, zuletzt im Mai 2024.
Von den während Xis Besuch angekündigten Abkommen erwarten Beobachter, dass sie die neuen Kooperationsfelder konkreter fassen – vor allem Technologietransfer und Hightech-Industrie. Gerade hier drängt Ägypten darauf, über das Bau- und Infrastrukturmodell hinauszukommen, das die erste Dekade der Beziehungen geprägt hat.