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Wissen und Medien stellen Vorurteile über den Islam infrage

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Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Internationalen Medienforums posieren vor dem Zentrum der islamischen Zivilisation in Taschkent, Usbekistan, fürs Gruppenfoto.
Teilnehmende des Internationalen Medienforums posieren vor dem Zentrum für islamische Zivilisation in Taschkent, Usbekistan, für ein Gruppenfoto. Copyright  Centre of Islamic Civilisation
Copyright Centre of Islamic Civilisation
Von Akis Tatsis
Zuerst veröffentlicht am
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Das vom Zentrum für islamische Zivilisation in Usbekistan organisierte Forum brachte fast 300 Teilnehmer aus rund 50 Ländern zusammen. Debattiert wurden Verzerrungen des Islambildes, journalistische Unabhängigkeit und Europas stärkere Annäherung an Zentralasien.

Das Internationale Medienforum „Islamische Zivilisation: neue Perspektive - neue Entdeckungen“, organisiert vom Zentrum für Islamische Zivilisation in Usbekistan, brachte nach Taschkent eine Reihe von Debatten. Deren Wirkung reicht weit über die Veranstaltung selbst hinaus.

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Knapp 300 Medienprofis, Wissenschaftler, Verleger, Filmschaffende und Technologiespezialisten aus rund 50 Ländern diskutierten, wie Geschichte und Erbe islamischer Gesellschaften dargestellt werden. Sie sprachen darüber, wie sich Klischees aufbrechen lassen und wie alte Quellen für neue Zielgruppen relevant bleiben können.

Die Organisatoren knüpften den weitergehenden Anspruch des Forums an die Rede von Präsident Schawkat Mirziyoyev vor der UN-Generalversammlung im Jahr 2017. Damals wies er Versuche zurück, den Islam mit Gewalt und Blutvergießen gleichzusetzen, und brachte eine Resolution zu „Aufklärung und religiöser Toleranz“ ein, die im folgenden Jahr verabschiedet wurde.

Auf dem Forum wurde diese Leitidee in konkrete Debatten über Medien, Fakten, Technologie und den Umgang mit Geschichte übersetzt.

Islamfeindlichkeit, Wissen und Verantwortung

Zentrumsdirektor Firdavs Abdukhalikov betonte, Missverständnisse über den Islam müsse man mit Wissen und Erklärung begegnen, nicht mit Konfrontation.

„Im medialen Raum sollten wir nicht reden, um zu streiten, sondern um zu erklären“, sagte er. „Die wirksamste Antwort auf Islamfeindlichkeit ist Aufklärung. Die stärkste Antwort auf Fehlvorstellungen ist Wahrheit. Die effektivste Waffe gegen Unwissenheit ist Wissen.“

Abdukhalikov rückte zudem die wissenschaftliche und kulturelle Geschichte islamischer Gesellschaften in den Mittelpunkt. Sie müsse breiter vermittelt werden – und zwar auf Grundlage von Forschung und belastbaren Belegen.

Hasanbey Kondu, Leiter des türkischen Verlags Mega Basım, setzte einen weiteren Akzent. Verzerrte Wahrnehmungen ließen sich nicht allein Europa oder dem modernen Westen anlasten, erklärte er.

„Der Islam wird falsch verstanden und falsch dargestellt, bewusst oder unbewusst – und damit meine ich auch Muslime selbst“, sagte Kondu. „Es reicht nicht, Europäer oder die moderne Welt zu beschuldigen. Wie präsentieren wir Muslime den Islam? Wie haben wir ihn selbst verstanden? Vielleicht müssen wir zuerst auf unsere eigenen Defizite schauen.“

Berichterstattung über eine von Europa lange übersehene Region

Die Frage der Darstellung betraf auch Usbekistan und ganz Zentralasien.

Präsidentensprecher Scherzos Asadow machte ausländischen Journalistinnen und Journalisten deutlich, dass von ihnen kein rein positives Bild des Landes verlangt werde.

„Wir laden Sie ein, sich alles mit eigenen Augen anzusehen, mit den Menschen zu sprechen, Fragen zu stellen und sich dann Ihr eigenes Bild zu machen“, sagte er.

Im selben Beitrag ging Asadow auch auf die Folgen künstlicher Intelligenz für den Journalismus ein. KI könne die Möglichkeiten von Reporterinnen und Reportern erweitern, sie aber nicht ersetzen, betonte er. Unabhängig davon, wie sich die Technik ändere, müssten Wahrheit, Unparteilichkeit, Gewissen und die Interessen der Menschen im Zentrum stehen.

Euronews-Chef Claus Strunz ordnete die Debatte in einen breiteren europäischen Kontext ein. Er erinnerte daran, dass Zentralasien in der europäischen Öffentlichkeit lange kaum vorkam – abgesehen von Berichten über Katastrophen oder romantisierenden Geschichten über die Seidenstraße.

„Das war damals arrogant und blind“, sagte er.

In den vergangenen Jahren haben sich die institutionellen Beziehungen vertieft. Im April 2025 fand in Samarkand der erste EU-Zentralasien-Gipfel statt, bei dem beide Seiten ihre Beziehungen zu einer strategischen Partnerschaft ausbauten.

Für Strunz spiegelt dieser Wandel die wachsende wirtschaftliche, politische und kulturelle Bedeutung Zentralasiens für Europa wider. „Es ist an der Zeit, wieder nach Osten zu schauen“, sagte er.

Die stärkere Aufmerksamkeit müsse jedoch auf unabhängiger Berichterstattung beruhen, so Strunz. Journalistinnen und Journalisten sollten vor Ort sein, schildern, was sie sehen, und ihrem Publikum genügend Informationen an die Hand geben, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

„Wir sind nicht hier, um sie zu belehren. Wir sind hier, um sie zu informieren.“

Europa und Zentralasien: Verbindungen mit jahrhundertealter Geschichte

Das Forum stellte die aktuelle Annäherung zudem in den Kontext einer viel längeren Geschichte des Austauschs zwischen Europa, Zentralasien und der weiteren Welt der Seidenstraße.

Der italienische Forscher Dr. Mario Taddei, Spezialist für Leonardo da Vincis Manuskripte und Erfindungen, sprach von einer „Knowledge Silk Road“. So nennt er die Wanderung wissenschaftlicher Ideen von China über den Nahen Osten bis ins Europa der Renaissance.

Mit Blick auf westliche Vorstellungen von Wissenschaftsgeschichte sagte Taddei: „Wir glauben, dass wir alles erfunden haben, aber das stimmt nicht.“

Als Beispiele nannte er die mittelalterlichen Ingenieure Al-Muradi und Al-Jazari, die zu einer viel breiteren Geschichte des technischen und wissenschaftlichen Austauschs gehören.

Eine andere Verbindung brachte Verlegerin Charlotte Kramer ein. Der spanische Gesandte Ruy González de Clavijo wurde von König Heinrich III. von Kastilien zu Timur entsandt und erreichte 1404 Samarkand; von dieser Reise hinterließ er einen ausführlichen Bericht. Kramer stellte ein Verlagsprojekt vor, das auf dieser historischen Quelle aufbaut.

„Wir sehen bereits heute eine sehr starke Verbindung von Europa nach Zentralasien“, sagte sie und verwies sowohl auf die Seidenstraße als auch auf den diplomatischen Austausch.

Das Forum lotete zudem aus, wie solche Inhalte heute ihr Publikum erreichen können. Präsentiert wurden Bücher, Dokumentarfilme, digitale Avatare, immersive Plattformen und andere neue Formate, um historische Persönlichkeiten und Quellen erlebbar zu machen.

Der ungarische Medienmanager Alpar Kato fasste diesen Ansatz so zusammen: Man verbinde „etwas Modernes mit einer alten, traditionellen Geschichte“.

Auch der Veranstaltungsort spiegelte vieles davon wider. Das Forum fand im Zentrum in Taschkent statt, wo historische Forschung, Verlagsarbeit und neue Medienprojekte nebeneinander präsentiert wurden.

Zentrumsdirektor Firdavs Abdukhalikov brachte diesen Anspruch in seiner Rede auf den Punkt: „Geschichte soll sprechen. Kulturelles Erbe soll mit den Menschen in Dialog treten. Die Vergangenheit soll die heutige Generation zu neuen Entdeckungen inspirieren.“

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