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Neues Renten-Ranking: So schwach ist Deutschlands Rente

Archivbild: Stadtansicht von Leiden in den Niederlanden.
Archivfoto: Stadtansicht von Leiden in den Niederlanden. -  Copyright  Canva/All rights reserved
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Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Ein neues Ranking von 55 Alterssicherungssystemen zeigt, wie Europas Rentensysteme im Vergleich abschneiden. Zugleich weckt der Bericht Sorgen um die langfristige Tragfähigkeit der Leistungen in mehreren großen Volkswirtschaften des Kontinents.

Die Niederlande verfügen laut dem Marsh CFA Institute Global Pension Index (MCGPI) über das beste Rentensystem der Welt.

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Der Spitzenreiter kommt auf 85,8 von 100 Punkten. Dahinter folgen Dänemark mit 84,1 und Island mit 84,0. Sie sind die einzigen europäischen Systeme mit der Bestnote. Singapur, Israel und Australien komplettieren die Spitzengruppe der weltweit besten Rentensysteme.

Deutschland liegt abgeschlagen weit hinter den Spitzenreitern. Der Index vergleicht 55 Alterssicherungssysteme und deckt damit 66 Prozent der Weltbevölkerung ab.

Bewertet werden die Systeme nach drei zentralen Teilindizes: Sie prüfen, ob die Leistungen im Alter ausreichen, ob die Systeme langfristig tragfähig sind und wie stark ihre Aufsicht und Schutzmechanismen sind.

Je nach Schwerpunkt verschieben sich die Platzierungen deutlich: Kuwait erzielt die höchste Punktzahl bei der Angemessenheit, Dänemark führt beim Thema Nachhaltigkeit, Finnland liegt beim Integritäts-Index vorn.

An der Spitze des Gesamtklassements stehen Systeme, die gute Leistungen mit langfristiger Finanzierbarkeit und hoher Integrität verbinden.

Diese Kombination sichert den Niederlanden auch 2026 bereits im vierten Jahr in Folge den ersten Platz.

Der Bericht bezeichnet das niederländische Modell als „robustes Alterssicherungssystem“. Die staatliche Rente legt ein verlässliches Mindesteinkommen fest. Zusätzliche Betriebsrenten erreichen den Großteil der Beschäftigten. Ein großer Bestand investierter Vorsorgevermögen trägt dazu bei, künftige Zahlungen abzusichern. Strenge Regulierung, gute Governance und starker Mitgliederschutz stärken das Vertrauen, heißt es in dem Bericht.

Die Niederlande reformieren ihr Rentensystem derzeit grundlegend. Künftig sollen nicht mehr fest zugesagte Leistungen im Mittelpunkt stehen, die meist an Lohn und Berufsjahre gekoppelt sind, sondern individuelle Vorsorgekonten, die direkter von Beiträgen und Anlageerträgen abhängen.

Auslöser der Reform sind unter anderem niedrige Zinsen, die zugesagte Leistungen schwerer finanzierbar machen. Zudem haben Finanzierungsvorschriften zeitweise Rentenerhöhungen verzögert, die mit der Inflation Schritt halten sollten. Klassische Betriebsrenten passten auch weniger zu Menschen, die häufig den Job wechseln oder sich selbstständig machen.

Der Übergang soll bis 2028 abgeschlossen sein.

Europäische Rentensysteme im Vergleich

Im Index werden 19 europäische Staaten berücksichtigt, darunter die Türkei.

Hinter den Niederlanden, Dänemark und Island schneiden Schweden, Finnland und Norwegen am besten ab. Danach folgen die Schweiz, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Irland, Belgien, Deutschland, Portugal und Kroatien. Sie erhalten die Noten B+ oder B. Das steht für solide Systeme mit vielen Stärken, aber auch mit erkennbarem Verbesserungsbedarf.

Zur nächsten Gruppe mit den Bewertungen C+ und C zählen Spanien, Polen, Italien und Österreich. Ihre Systeme haben einzelne positive Merkmale, weisen aber erhebliche Risiken oder Schwächen auf, die Wirksamkeit oder Nachhaltigkeit gefährden können. In diese Kategorien fallen auch die USA und das chinesische Festland, die beiden größten Volkswirtschaften der Welt.

Mehrere große europäische Rentensysteme bieten zwar hohe Leistungen, stehen aber vor erheblichen Finanzierungsproblemen auf lange Sicht.

Zu den Ländern mit den größten Langfrist-Risiken zählen Österreich, Italien und Spanien.

Besonders deutlich zeigt sich der Gegensatz in Spanien. Die viertgrößte Volkswirtschaft der EU erreicht beim Kriterium Angemessenheit 83 Punkte und bietet damit vergleichsweise starke Altersleistungen und Ressourcen. Beim Thema Nachhaltigkeit kommt sie jedoch nur auf 33 Punkte.

Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU, erzielt 85 Punkte bei der Angemessenheit, aber lediglich 49,3 Punkte bei der Nachhaltigkeit.

In Europa liegt die Türkei im Gesamtranking ganz am Ende. Sie erzielt unter den bewerteten europäischen Staaten die niedrigsten Werte bei Ressourcen und Finanzierung. Auch ihr Nachhaltigkeits-Score gehört zu den schwächsten.

Der Bericht stellt fest, dass die Alterssicherungssysteme weltweit unter wachsendem Druck stehen. Menschen werden im Schnitt älter. Gleichzeitig sinken die Geburtenraten, sodass weniger Erwerbstätige nachrücken, die die Renten finanzieren können.

Graham Pearce, globaler Leiter des Segments Leistungszusagen bei Marsh, sagte Euronews Business: „Eine der zentralen Herausforderungen für nicht vorfinanzierte Rentensysteme ist, dass das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen wird.“

In solchen Systemen finanzieren die Beiträge der heutigen Beschäftigten die Renten der heutigen Ruheständler, statt für die eigenen späteren Ansprüche angelegt zu werden.

Auch Spitzenvertreter der europäischen Zentralbanken warnen vor den langfristigen Perspektiven der Rentensysteme in den großen Volkswirtschaften Europas.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel sagte im Mai 2026 dem „Handelsblatt“, eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung nach 2031 könne helfen. Die neue private Zusatzrente, die Anfang 2027 starten soll, nannte er „einen wichtigen Schritt hin zu einer stärkeren kapitalgedeckten Säule“. Zugleich warnte er, dies reiche nicht aus, um die langfristigen Nachhaltigkeitsprobleme zu lösen.

François Villeroy de Galhau, damals Gouverneur der Banque de France, warnte im selben Monat in „Le Figaro“, dass eine Finanzierung der Staatsausgaben über Defizite die Kosten auf jüngere Generationen verlagere. „Wir übertragen die Last von Schulden und Renten auf unsere Kinder“, sagte er.

Im September 2026 forderte die Europäische Kommission zusätzliche private Vorsorge parallel zu den staatlichen Renten. Sie warnte vor wachsendem Druck auf die öffentlichen Haushalte und dem Risiko, dass „zu viele Menschen beim Übergang in den Ruhestand einen starken Einkommensrückgang erleben werden“.

Systeme an längere, flexiblere Ruhestände anpassen

Damit Rentensysteme – auch in Europa – zukunftsfest werden, ohne das Rentenalter anzuheben oder Leistungen zu kürzen, müssen die Staaten zusätzliche Einnahmen erschließen. Nur so lassen sich künftig mehr Rentnerinnen und Rentner finanzieren.

Pearce erläuterte: „Das kann über höhere Steuern oder Sozialbeiträge geschehen oder dadurch, dass Menschen, die länger arbeiten wollen und können, dazu ermutigt und in die Lage versetzt werden. Auch das würde zusätzliche Steuereinnahmen bringen.“

Der Bericht prognostiziert, dass jene Systeme künftig zur Spitzengruppe gehören können, die ihre Ziele klar definieren, ihre Finanzierung stärken und schon heute mehr Flexibilität einbauen.

Nach Einschätzung der Autoren steigt die Nachhaltigkeit, wenn mehr Beschäftigte und Selbstständige private Vorsorge aufbauen, die Steuerung und Transparenz privater Pläne verbessert wird, das Rentenalter stärker an eine längere gesunde Lebenszeit angepasst wird und mehr Menschen im höheren Alter arbeiten können, um zusätzliche Rücklagen für den Ruhestand zu bilden.

Empfohlen werden außerdem Anreize für höhere private Sparleistungen und Maßnahmen, um die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen sowie Benachteiligungen von Minderheiten zu verringern.

Jüngere Beschäftigte sollten nach Ansicht von Pearce nicht automatisch mit deutlich niedrigeren staatlichen Renten in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren rechnen. Zugleich betonte er, dass zusätzlich aufgebaute, investierte Altersersparnisse neben der gesetzlichen Rente nötig seien, um die Systeme insgesamt tragfähiger zu machen.

Er rechnet mit einer stärkeren Nutzung von automatischen Beitrittsmodellen zur Ergänzung der staatlichen Renten. Beschäftigte werden dabei standardmäßig in ein Vorsorgesystem aufgenommen und können meist auf Wunsch austreten. Die Beiträge werden direkt vom Lohn abgezogen, oft ergänzt um einen Arbeitgeberanteil, und investiert, um später zusätzlich zur gesetzlichen Rente Einkommen zu bieten.

Mit Blick auf Länder wie Frankreich und Spanien, die hohe Werte bei der Angemessenheit, aber schwache Nachhaltigkeits-Scores aufweisen, warnte Pearce: „Ohne Maßnahmen zur Stärkung der Nachhaltigkeit der öffentlichen Rentensysteme, etwa eine Anhebung des Rentenalters oder eine frühzeitige Teil-Vorfinanzierung, könnten Regierungen langfristig vor schwierigen Entscheidungen stehen, wenn die bestehenden Arrangements unbezahlbar werden.“

Zu diesen Entscheidungen könnte auch eine Kürzung von Rentenleistungen gehören, fügte er hinzu. „Wer jetzt handelt, kann die Alterssicherungserwartungen der heutigen Beschäftigten besser schützen und zugleich verhindern, dass künftige Generationen eine übermäßige finanzielle Last tragen müssen.“

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