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Millionen frieren in Europas Häusern: Wo ist Energiearmut am schlimmsten?

Nach jüngstem Schneefall lässt die Kälte ein Dach gefrieren. Eiszapfen hängen vom Dach. Roncesvalles, Nordspanien. 28. Feb. 2023.
Eiszapfen hängen an einem Dach. Nach Neuschnee und tiefen Temperaturen ist es vereist. Roncesvalles, Nordspanien. 28. Feb. 2023. Copyright  AP/Alvaro Barrientos
Copyright AP/Alvaro Barrientos
Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am
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In der EU können mehr Menschen ihre Wohnungen nicht mehr ausreichend warm halten. Seit der Energiekrise nach Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine wächst der Anteil.

Wohnen ist ein soziales Recht. Trotzdem müssen zig Millionen Europäer in kalten Wohnungen leben.

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Nach Angaben von Eurostat können in der EU mehr als 41 Millionen Menschen ihre Wohnung nicht ausreichend warm halten. Das entspricht 9,2 Prozent der Bevölkerung. Etwa zwei Drittel der von „Energiearmut“ Betroffenen leben in den vier größten Volkswirtschaften der EU.

Ein kaltes Zuhause belastet emotional. Es birgt aber auch ernste Gesundheitsrisiken. Studien zeigen: Kälte erhöht das Risiko für Schlaganfälle und Atemwegsinfektionen. Sie begünstigt zudem Unfälle durch verringerte Geschicklichkeit.

Das Ausmaß der Energiearmut variiert stark zwischen den Ländern. Die Prozentsätze wirken zunächst unscheinbar. In absoluten Zahlen wird das Problem jedoch deutlich.

Auf Basis der Bevölkerungszahlen vom 1. Januar 2024 hat Euronews Business berechnet, wie viele Menschen betroffen sind.

In der EU reicht der Anteil der Menschen, die ihr Zuhause nicht heizen können, von 2,7 Prozent in Finnland bis zu 19 Prozent in Bulgarien und Griechenland.

Zählt man EU-Beitrittskandidaten und EFTA-Staaten hinzu, liegt die Spanne zwischen 0,7 Prozent in der Schweiz und 33,8 Prozent in Albanien. Auch Nordmazedonien fällt mit 30,7 Prozent aus dem Rahmen.

Über zehn Prozent erreicht der Anteil auch in Litauen, Spanien, Portugal, der Türkei, Zypern, Montenegro, Frankreich und Rumänien.

In Italien und Deutschland liegt der Anteil unter dem EU-Durchschnitt. Das Vereinigte Königreich lässt sich nicht vollständig vergleichen, da die aktuellsten Daten aus 2018 stammen. Damals lag die Quote bei fünf Prozent.

Türkei, Spanien und Frankreich vorn

Unter 36 Ländern verzeichnet die Türkei die höchste Zahl von Menschen in Energiearmut. Der Anteil ist in den vergangenen Jahren zwar gesunken. Dennoch konnten 2024 12,9 Millionen Menschen ihre Wohnung nicht warm halten.

Laut Eurostat hatte die Türkei im ersten Halbjahr 2025 das zweitgünstigste Erdgas, sowohl in Euro als auch nach Kaufkraftstandards (PPS). Beim Strom weist die Türkei die günstigsten Preise in Euro und die drittgünstigsten nach PPS auf.

Fazit: Trotz niedriger Energiekosten lebt ein großer Teil der Bevölkerung in der Türkei weiterhin in Energiearmut.

In Spanien konnten 8,5 Millionen Menschen ihre Wohnung nicht warm halten. In Frankreich waren es 8,1 Millionen. In Deutschland liegt die Zahl bei 5,3 Millionen, in Italien bei 5,1 Millionen.

Was treibt Energiearmut?

Laut Europäischer Kommission liegt Energiearmut vor, wenn ein Haushalt seinen Energieverbrauch so stark senken muss, dass Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohner leiden.

Dahinter stehen vor allem drei Ursachen: ein hoher Anteil der Haushaltsausgaben für Energie, geringes Einkommen sowie eine niedrige Energieeffizienz von Gebäuden und Geräten.

„Die COVID-19-Krise, gefolgt von dem Preissprung bei Energie und der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022, hat eine ohnehin schwierige Lage für viele EU-Bürgerinnen und EU-Bürger weiter verschärft“, sagte die Kommission.

Der Anteil der Menschen, die ihr Zuhause nicht heizen können, sinkt seit 2011 schrittweise. 2019 und 2021 erreichte er einen Tiefstand, bevor er wieder zunahm. Im vergangenen Jahr ging er erneut zurück.

Nach Angaben der Kommission beruht dieser Trend auf mehreren Faktoren. Dazu zählen sinkende Endkundenpreise für Gas und Strom, Energieeffizienzmaßnahmen in den EU-Ländern sowie ein besseres Verständnis von Energiearmut und den betroffenen Gruppen.

Ein aktueller Beitrag von Euronews Business beleuchtet die Strom- und Erdgaspreise in Europa. Er zeigt die teuersten und günstigsten Länder, sowohl in Euro als auch nach PPS.

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