Taiwan sicherte sich Zölle von 15 Prozent ohne weitere Gebühren für die Automobil- und Holzmöbelindustrie. Auf bestimmte Luft- und Raumfahrtkomponenten fallen keine Zölle an.
Der taiwanische Premierminister hat am Freitag ein neues Handelsabkommen mit den USA als das "beste Zollabkommen" für Länder mit Handelsüberschuss gegenüber Washington gelobt. Peking verurteilte die Vereinbarung.
Das Abkommen senkt US-Zölle auf taiwanische Waren auf 15 Prozent. Im Gegenzug sollen die USA 250 Milliarden Dollar (215,3 Milliarden Euro) neu in die Technologiebranche investieren.
Es ähnelt Abkommen, die die EU und Japan schlossen, nachdem US-Präsident Donald Trump umfassende Zölle für viele Handelspartner der USA vorgeschlagen hatte.
"Taiwan hat erfolgreich 15 Prozent Zölle ohne zusätzliche Gebühren ausgehandelt", sagte Taiwans Premierminister Cho Jung-tai.
"Vorerst haben wir das beste Zollabkommen unter den Ländern mit Handelsüberschuss gegenüber den USA erreicht", erklärte Cho. "Das zeigt auch, dass die USA Taiwan als wichtigen strategischen Partner sehen."
Trump setzte die Zölle auf taiwanische Waren zunächst auf 32 Prozent fest, senkte sie später aber auf 20 Prozent.
China beansprucht das unabhängig verwaltete Taiwan als eigenes Territorium. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking kritisierte das Abkommen scharf, als er bei einer routinemäßigen Pressekonferenz danach gefragt wurde.
"China lehnt es grundsätzlich ab, dass Staaten, die diplomatische Beziehungen zu China unterhalten, mit der Region Taiwan Abkommen mit souveränem oder offiziellem Charakter schließen", sagte Guo Jiakun.
Das US-Handelsministerium erklärte in einer Mitteilung, das "historische Handelsabkommen" mit Taiwan begründe eine Wirtschaftspartnerschaft, um mehrere erstklassige Industrieparks in den USA zu schaffen. Das solle die heimische Produktion stärken und eine umfassende Rückverlagerung der US-Halbleiterbranche vorantreiben.
Cho sagte, Taiwan habe 15 Prozent Zölle ohne Zusatzgebühren für die Autoindustrie und für Holzmöbel erreicht. Für einige Komponenten der Luft- und Raumfahrt gebe es gar keine Zölle.
"Der Zeitpunkt ist interessant", sagt ein ehemaliger US-Handelsbeamter
Das Abkommen muss das Parlament in Taiwan ratifizieren. Oppositionsabgeordnete sorgen sich dort um Folgen für die heimische Halbleiterindustrie.
Zugleich kündigte der in Taiwan ansässige Chipriese TSMC, der weltweit größte Halbleiterhersteller, an, seine Investitionen in diesem Jahr um bis zu 40 Prozent zu erhöhen. Für das jüngste Quartal meldete das Unternehmen einen Anstieg des Nettogewinns um 35 Prozent, getrieben vom Boom der Künstlichen Intelligenz.
TSMC hat Investitionen von rund 165 Milliarden Dollar (142 Milliarden Euro) in den USA zugesagt und beschleunigt den Bau neuer Werke in Arizona. Ziel ist ein Cluster von Fertigungsanlagen und die Bedienung der starken Kundennachfrage.
Das Handelsministerium erklärte, taiwanische Halbleiterhersteller mit Investitionen in den USA erhielten ebenfalls eine günstige Zollbehandlung, einschließlich Ausnahmen.
Ryan Majerus, früher Handelsbeamter unter Donald Trump und dem ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden, sagte, der Zeitpunkt des Abkommens sei "interessant".
Der Oberste Gerichtshof der USA hat noch nicht über die Rechtmäßigkeit von Trumps umfassendsten Zöllen entschieden, mit denen er andere Handelspartner der USA zu Zugeständnissen drängen wollte. Die Richter könnten die Zölle schon in diesem Monat kippen.
Doch Taipei steht unter ständigem Druck aus Peking und wollte trotzdem schnell ein Abkommen schließen und die Beziehungen zu Washington vertiefen. "Der Wunsch, die Dinge mit den USA zu festigen, dürfte hier eine große Rolle gespielt haben", sagte Majerus, heute Partner der Kanzlei King & Spalding.