In Frankreich fallen die Aktienkurse großer Getränkehersteller. US-Präsident Donald Trump droht mit 200 Prozent Zoll auf französischen Wein und Champagner.
Die europäischen Börsen verzeichnen den zweiten Tag in Folge deutliche Verluste. Die Abverkäufe halten an, die Handelsspannungen zwischen EU und USA köcheln.
Gegen zwölf Uhr MEZ lag Frankreichs CAC 40 um eins Komma 28 Prozent im Minus, Deutschlands DAX rutschte um eins Komma 52 Prozent ab, Italiens FTSE MIB gab um eins Komma 49 Prozent nach, Spaniens IBEX 35 fiel um eins Komma 66 Prozent. Der britische FTSE 100 verlor eins Komma 11 Prozent, der breitere STOXX 600 sank um eins Komma 23 Prozent.
Anleger blicken nervös nach Davos, wo sich Staats- und Regierungschefs zum Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums versammeln. US-Präsident Donald Trump bekräftigt zugleich seine Absicht, Grönland zu erobern und droht mit zusätzlichen Zöllen gegen acht europäische Länder, die ihm im Weg stehen.
Die betroffenen Staaten prüfen Gegenmaßnahmen. Am Montagabend goss Trump zusätzlich Öl ins Feuer. Nach Berichten, der französische Präsident Emmanuel Macron habe eine Einladung ausgeschlagen, im von Trump so genannten „Board of Peace“ Platz zu nehmen, kommentierte der US-Präsident: „Ich verhänge 200 Prozent Zoll auf seine Weine und Champagner, dann macht er mit.“
Das „Board of Peace“ war ursprünglich Trumps Idee im Rahmen seines Plans, den Krieg im Gazastreifen zu beenden. Inzwischen scheint die Initiative breiter darauf zu zielen, weltweite Konflikte zu moderieren.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte Trumps Zoll-Drohungen „einen Fehler“. „Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten haben im vergangenen Juli ein Handelsabkommen geschlossen. In der Politik wie in der Wirtschaft gilt: Ein Abkommen ist ein Abkommen“, sagte sie am Dienstag in Davos.
Nach den jüngsten Drohungen gegen Winzer litten am Dienstag die Aktien großer französischer Getränkekonzerne. LVMH, Eigentümer von Moët & Chandon, Dom Pérignon und Veuve Clicquot, gab in Paris um zwei Komma 57 Prozent nach, Rémy Cointreau fiel um zwei Komma 83 Prozent.
Die Verluste folgten auf einen turbulenten Handelstag am Montag. Besonders Luxusgüter- und Autohersteller mussten deutlich einstecken.
Am Dienstag lag der STOXX Europe Luxury 10 um eins Komma 88 Prozent niedriger. Der STOXX Europe 600 Automobiles & Parts fiel kurz nach Mittag um null Komma 89 Prozent.
Kehrt „Sell America“ zurück?
Vor der US-Markteröffnung am Dienstag lagen die Futures auf den S&P 500 um eins Komma 53 Prozent im Minus, die Dow-Jones-Futures um eins Komma 38 Prozent. Nasdaq-Futures fielen um eins Komma 91 Prozent.
Gegenüber dem Euro gab der US-Dollar um null Komma 71 Prozent auf 0,8523 nach. Der Dollar-Index, der den US-Dollar gegen sechs andere Währungen misst, lag um null Komma 9 Prozent niedriger bei 98,340. Solche Bewegungen schüren erneut die Furcht vor einem „Sell America“-Trade, also einem breiten Rückzug aus US-Anlagen, und knüpfen an eine Erzählung an, die im vergangenen Jahr nach Trumps „Liberation Day“-Zöllen entstand.
US-Finanzminister Scott Bessent versuchte am Dienstag in Davos dennoch zu beruhigen. „Ich bin zuversichtlich, dass die Staats- und Regierungschefs nicht eskalieren und dass sich das am Ende gut ausgeht“, sagte er.
„Das ist die gleiche Art Hysterie wie am zweiten April“, sagte er. „Es gab Panik. Ich bitte alle hier: Lehnen Sie sich zurück, atmen Sie tief durch und lassen Sie die Dinge ihren Lauf nehmen.“
Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen sprangen am Dienstag. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries lag rund sechs Basispunkte höher bei 4,291 Prozent. Auch zwanzig- und dreißigjährige Anleihen zogen an, was den Schuldendienst der Regierung verteuert.
Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach sicheren Häfen. Edelmetalle legten zu: Gold um drei Komma 04 Prozent, Silber um sieben Komma 97 Prozent.
Nur wenige europäische Aktien entkamen am Dienstag dem breiteren Abwärtstrend. Herausragend war die britische Fintech-Firma Wise, die nach starken Zahlen rund 14 Prozent zulegte. Das Unternehmen erwägt, seine Hauptnotierung in der ersten Jahreshälfte in die USA zu verlegen und sucht Partnerschaften mit amerikanischen Banken.