IKEA mischt seit einem Jahr den Strommarkt auf – nun kündigt der Möbelriese neue Details zu seinen Tarifen an. Doch was steckt eigentlich hinter dem Modell mit Börsenpreisen in Echtzeit?
IKEA bietet seit März vergangenen Jahres auch Strom an.
Dabei fungiert der schwedische Möbelgigant bisher lediglich als Vertriebskanal, Vertragspartner für Kunden ist "Svea Solar".
Am heutigen Mittwoch sollen nun neue Informationen zu den Stromtarifen von IKEA veröffentlicht werden, wie die Bild berichtet_._
Das aktuelle Modell basiert auf einem dynamischen Tarif, bei dem die Preise ständig an den Strompreis der Börse angepasst werden.
Verbraucher können den stündlichen Strompreis an der Börse mitverfolgen und so entscheiden, ob sie ihre Waschmaschine oder den Geschirrspüler nutzen. Am Ende wird genau bezahlt, was zur bestimmten Zeit genutzt wurde. Die Idee dahinter ist, den eigenen Verbrauch an die Preisschwankungen anzupassen.
Strom nach Nutzen bezahlen
So ist es mit dem dynamischen Strompreis möglich, preiswertere Stunden aktiv zu nutzen und vom günstigsten Preis zu profitieren. Dafür ist allerdings ein intelligentes Messgerät notwendig: ein Smartmeter, das sowohl den Verbrauch als auch die stündlichen Preisveränderungen ständig aktualisiert.
IKEA bietet zusätzlich eine App an, in der Kunden die viertelstündlichen Preise einsehen können. Um Planungssicherheit zu schaffen, würde bereits am Vortag um 14 Uhr feststehen, mit welchen Preissschwankungen am Folgetag zu rechnen sei. In Schweden würden bereits mehr als die Hälfte der Stromkunden dynamische Tarife nutzen.
"Wer seinen Verbrauch in günstige Stunden verlegt, kann Stromkosten senken und zugleich aktiv die Energiewende unterstützen", zitiert Bild IKEAs Energie-Chefin Jacqueline Polak. Nach Angaben des Unternehmens könnte ein Single-Haushalt so rund 150 Euro im Jahr an Stromkosten sparen, ein Vier-Personen-Haushalt sogar mehrere Hundert Euro.
Das Energiegeschäft von IKEA
Der Möbelhändler bietet längst auch eine breite Palette anderer Produkte an. So können im Onlineshop auch Photovoltaikanlagen, Stromspeicher, Wallboxen sowie Balkonkraftwerke gekauft werden. All diese Produkte vertreibt IKEA mit seinem Partner Svea Solar.
Svea Solar ist inzwischen ein etablierter europäischer Player. Das Unternehmen beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter und ist in mehreren europäischen Märkten aktiv, darunter Deutschland, Italien und Belgien. Das Testportal Chip hat das Unternehmen in einem Vergleich von Photovoltaik-Anbietern mit der Note 2,0 bewertet.
Seit Oktober 2025 wirbt der Möbelhändler außerdem mit Wärmepumpen. Dafür hat das Unternehmen den Hersteller Aria miteinbezogen, ebenfalls ein schwedisches Unternehmen.
Stromanbieter müssen dynamische Tarife anbieten
Seit Januar 2025 müssen Energieanbieter auch dynamische Tarife anbieten. Das ist im Energiewirtschaftsgesetz festgelegt und basiert auf einer EU-Richtlinie, die den Verbraucher besser schützen soll.
Bei diesen Lieferverträgen wird der Arbeitspreis pro Kilowattstunden an den aktuellen Preis auf dem Strommarkt angepasst. Etwa stündlich kann sich dieser ändern. Wer sich für einen dynamischen Tarif entscheidet, muss ein intelligentes Messystem einbauen lassen. Oftmals lässt es sich mit einer App verbinden, die Kunden vereinfacht Informationen darstellt.
Bei herkömmlichen Stromanbietern zahlen Kunden einen Festpreis pro Kilowattstunde für die Vertragsdauer. Preisänderungen sind möglich, beziehen sich allerdings nicht auf den tagesaktuellen Strompreis an der Börse.
Die Nutzung dieser Verträge hat sich europaweit bisher noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Derzeit wird davon ausgegangen, dass etwa 73 Prozent der EU-Haushalte weiterhin klassische Festpreis-Stromverträge nutzen.
Das hängt mitunter von den Voraussetzungen für die Installation intelligenter Messysteme ab. Eine große Rolle spielt allerdings auch, dass dynamische Tarife zum Teil erst seit kurzem verfügbar oder wenig verbreitet sind.
Wer in Deutschland nutzt dynamische Tarife?
Kurz vor der Einführung des dynamischen Stromtarifs in Deutschland ergab eine forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), dass sich 81 Prozent der Haushalte schlecht informiert zu dem Thema fühlen.
Nur sieben Prozent nutzten dynamische Tarife bereits im Jahr 2024, wie die Umfrage ergab. Lediglich der Anteil der Personen, die sich vorstellen könnten, einen dynamischen Stromtarif zu nutzen, ist binnen zwei Jahren um 14 Punkte auf 58 Prozent gestiegen.
Insbesondere eine Sorge treibt die Deutschen um: Auch Preisschwankungen in Rekordhöhen sind möglich und wurden während der Energiepreiskrise sichtbar. Für 72 Prozent der Befragten würde eine zusätzliche Absicherung gegen starke Preissteigerungen dynamische Stromtarife deutlich oder zumindest etwas attraktiver machen.
"Mit dynamischen Stromtarifen können Verbraucher:innen an der Energiewende teilhaben und so direkt von günstigen Strompreisen an der Börse profitieren. Doch bei vielen Verbraucher:innen besteht noch immer ein großes Informationsdefizit", sagt Jutta Gurkmann, Geschäftsbereichsleiterin beim vzbv.
Ein Gutachten des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft zeigt, dass dynamische und variable Stromtarife durchaus ein Kostensparpotenzial bieten. Doch nicht alle Tarife sind gleich verbraucherfreundlich. Das hänge dadvon ab, wie verständlich die zu erwartenden Kosten sind, wie transparent die Tarifbestandteile sind und inwiefern ein Schutz vor unerwartet hohen Preisen vorliege.