Deutsche Unternehmen investieren mehr in China, wie neue IW-Berechnungen zeigen. In den USA hingegen ist die Summe der Direktinvestitionen im vergangenen Jahr deutlich eingebrochen. Diese Gründe nennen Experten.
Deutsche Unternehmen haben seit mehr als fünf Jahren einen Höchstwert an Investitionen in China getätigt. Mehr als sieben Milliarden Euro seien zusätzlich an Direktinvestionen geflossen, wie Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) für die Nachrichtenagentur Reuters zeigen.
In den USA hingegen zeigen sich deutsche Unternehmen immer zögerlicher. Die Investitionen sind von Februar bis November 2025 um etwa 45 Prozent eingebrochen, wie eine weitere IW-Studie zeigt.
Mehr deutsche Investitionen in China
Seit fünf Jahren wurde in China nicht mehr so viel investiert wie 2025. Nach Angaben des IW handelt es sich um den höchsten Wert seit 2021, im Vergleich zum Vorjahr handelt es sich um eine Steigerung von 50 Prozent. Die sieben Milliarden Euro an zusätzlichen Direktinvestitionen sind im Vergleich zu 2024 eine Steigerung um rund 50 Prozent.
Der Schnitt des vergangenen Jahres liegt auch im langfristigen Vergleich höher. Zwischen 2010 und 2024 sind durchschnittlich sechs Milliarden Euro an Direktinvestitionen nach China geflossen.
"In der Gesamtschau bauen die deutschen Unternehmen in China ihr Engagement dort weiter aus – und das mit wieder erhöhtem Tempo", sagte der Leiter des Bereichs Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte am IW, Jürgen Matthes.
Unter anderem profitiere China nach Auswertungen des IW derzeit von der zunehmend angespannten Lage der Weltwirtschaft.
Deutsche Wirtschaft: Rückzug aus den USA
Unternehmen haben Vertrauen in die USA hingegen verloren. Auch das schlage sich in den Direktinvestitionen deutscher Unternehmen vor Ort nieder. Von Februar bis November 2025 sanken die Investitionen auf rund 10,2 Milliarden Euro, wie eine weitere IW-Studie zeigt. Das ist ein Unterschied von 45 Prozent.
Deutsche US-Exporte sind um fast neun Prozent eingebrochen. Einen Grund sehen die Wirtschaftsexperten im Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit. Die zunächst unter dem "liberation day" angedrohten Zölle auf fast alle ausländischen Waren sind zwar letztlich nicht in voller Härte umgesetzt worden, doch der derzeitige durchnschnittliche Importzollsatz beläuft sich nach Angaben des IW auf einem historischen Niveau von 14,4 Prozent.
Trotz einem direkten Zoll-Deal zwischen den USA und der EU bleibt Unsicherheit in der Handels- und Wirtschaftspolitik weiter erhalten. Demnach beliefen sich die Direktinvestitionen im Jahr 2024 noch auf fast 19 Milliarden Euro, während es 2025 noch rund 10,2 Milliarden waren.
Vergleicht man den Wert des Jahres 2025 mit dem Durchschnitt der vorhergegangenen 10 Jahre, besteht weiterhin eine Differenz von 24 Prozent. Der Wert an Direktinvestitionsflüssen in die USA für die Jahre 2015 bis 2024 beläuft sich auf 13,4 Milliarden Euro.
Experten warnen vor unfairen Wettbewerbsbedingungen
Die Investitionen in China werden überwiegend aus Gewinnen chinesischer Tochterfirmen finanziert, berichtet das IW. Die Gewinne würden vor Ort bleiben und reinvestiert werden. Insgesamt belaufen sich diese Mittel auf rund zwölf Milliarden Euro.
Der Unterschied zu den sieben Milliarden neu geschöpften Investitionen ergebe sich nach Angaben des IW daraus, dass deutsche Unternehmen weiterhin Kapital aus China abziehen. China ist bemüht, Produktion und Wertschöpfung im Inland zu generieren und fährt dafür einen harte Wirtschaftspolitik.
Damit größere Firmen dort präsent bleiben und weiter investieren können, müssen sie dem politischen Druck Chinas weichen. Unternehmen, die Zugang zum chinesischen Markt mit rund 1,4 Milliarden Menschen wollen, würden unter Druck gesetzt, vor Ort zu produzieren, zu forschen und chinesische statt europäische Zulieferer einzusetzen.
Demnach würden viele Unternehmen Strategien wie "China für China" oder "China für die Welt" verfolgen. Auch deutsche Unternehmen verlagern daher immer mehr Geschäftsbereiche nach China. Jürgen Matthes vom IW benennt diese Strategien zwar als nachvollziehbar, für die heimische Industrie seien sie allerdings "ein Problem".
Insbesondere in der Automobil- und Zuliefererindustrie könnte darunter leiden, dass staatliche Subventionen in China deutsche Exporte ersetzen. Aufgrund der staatlich geförderten Produktion steht zur Frage, ob Unternehmen nach China abwandern und letztlich weniger in Deutschland investieren.
Ein noch größeres Problem sieht die Analyse, wenn Waren aus der durch Subventionen künstlich verbilligten Produktion nach Europa gelangen. Deutsche Arbeitsplätze stünden in direkter Konkurrenz zu subventionierten Jobs in China, schlussfolgert der Bericht. Das IW fordert daher faire Wettbewerbsbedingungen mit China, die von der EU geschaffen werden müssten.