Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Zeichen der Erholung. Doch laut neuer ifo-Konjunkturprognose könnte der Krieg gegen die Mullahs diesen zarten Aufschwung bremsen: Höhere Energiepreise und geopolitische Unsicherheit dämpfen Wachstum und Investitionen.
Deutschlands Wirtschaft zeigt erste vorsichtige Zeichen der Erholung. Doch ausgerechnet der Krieg gegen den Iran könnte diesen Aufschwung bremsen.
Laut der Frühjahrsprognose 2026 des ifo-Instituts wirken jedoch die steigenden Energiepreise infolge des Konflikts wie ein Dämpfer auf Wachstum, Inflation und Arbeitsmarkt. Energiepreise schnellen in die Höhe und wirken sich damit direkt auf Produktion, Konsum und Investitionen aus.
Als Gegenmaßnahme gegen die USA und Israel hatte die Islamische Revolutionsgarde am 5. März verkündet, die Straße von Hormus, die weltweit verkehrsreichste Öltransportroute, zu blockieren und mit militärischer Gewalt zu drohen. Rund ein Fünftel des global gehandelten Erdöls und Flüssigerdgases wird über diese Passage transportiert. Der Großteil der Lieferungen geht zwar an die asiatische Märkte, doch auch in Europa ist die Blockade spürbar, wie beispielsweise bei den gestiegenen Preisen für Öl und Gas.
Im ARD-Morgenmagazin räumte der Ökonom und ifo-Präsident Clemens Fuest ein, dass es "zum Glück kein Desaster" sei, und er zuverlässig sei, dass "wir das ganz gut überstehen". Anders als vor über 50 Jahren sei Deutschland heutzutage nicht mehr so abhängig vom Öl, so Fuest.
Für eine exportorientierte Industrienation wie Deutschland bedeutet das höhere Produktionskosten und geringere Kaufkraft der Haushalte. Der Effekt ist laut dem ifo auch deutlich messbar, denn ohne den Konflikt hätte das Institut seine Wachstumsprognose für dieses Jahr sogar angehoben.
Stattdessen rechnen die Ökonomen nun mit einem Wachstum von 0,8 Prozent im Jahr 2026.
Wie stark der Konflikt die Konjunktur belastet, hängt entscheidend davon ab, wie lange der Krieg dauert. Deshalb modelliert das ifo-Institut zwei Szenarien:
- Im Deeskalationsszenario würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2026 um 0,8 Prozent wachsen und sich 2027 auf 1,2 Prozent beschleunigen. Der Krieg hätte das Wachstum dabei um rund 0,2 Prozentpunkte reduziert.
- Anders sieht es bei einer Eskalation aus. Bleiben die Energiepreise länger hoch, fällt das Wachstum schwächer aus: Dann würde die Wirtschaft 2026 nur um 0,6 Prozent wachsen und 2027 um 0,8 Prozent.
Auch die Inflation könnte der Krieg antreiben. Denn wird Öl teuer, wird auch Kraftstoff teurer und alle Waren die zum Beispiel in die Supermärkte transportiert werden ebenso.
Im günstigeren Szenario erwartet das ifo-Institut eine Teuerungsrate von 2,2 Prozent im Jahr 2026. Ohne den Energiepreisschock wäre sie vermutlich auf etwa 2,0 Prozent gesunken. Kommt es dagegen zu einer Eskalation des Konflikts, könnte die Inflation auf 2,5 Prozent steigen. Dann würden nicht nur Energiepreise steigen, sondern auch sogenannte Zweitrundeneffekte auftreten, also wenn Unternehmen höhere Kosten an Verbraucher weitergeben.
Wirkt sich der Krieg auch auf den Arbeitsmarkt aus?
Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zeigen sich laut der ifo-Prognose erst mit Verzögerung. Das heißt: Der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit verschiebt sich durch den Iran-Krieg nach hinten.
Während er ohne Krieg bereits Anfang 2026 erreicht worden wäre, erwarten die Ökonomen nun einen Wendepunkt erst im Sommer oder Herbst 2026. Auch die Beschäftigung dürfte zunächst leicht zurückgehen und sich erst im Laufe des kommenden Jahres wieder stabilisieren. Staat stabilisiert die Konjunktur
Eine neue Rezession wrd jedoch auch trotz der geopolitischen Risiken nicht erwartet. Gestützt wird die Konjunktur vor allem durch staatliche Ausgaben – etwa für Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung.
Der Preis dafür sind allerdings steigende Defizite: Für 2027 rechnen die Ökonomen – je nach Verlauf des Konflikts – mit einem Haushaltsdefizit von 4,0 bis 4,3 Prozent der Wirtschaftsleistung.Wirtschaftsleistung, abhängig vom Verlauf des Konflikts.