Euronews Business beleuchtet, wie sich die realen Pro-Kopf-Einkommen der Haushalte seit COVID-19 und im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts entwickelt haben.
Die realen Haushaltseinkommen pro Kopf in der EU sind seit der Zeit vor der Pandemie um rund sieben Prozent gestiegen. Zwischen 2019 und 2024 unterscheiden sich die Veränderungen jedoch stark von Land zu Land.
Die nordischen Länder verzeichneten meist geringere Zuwächse. In vielen Staaten in Ost- und Mitteleuropa legten die Einkommen deutlich stärker zu. Auch die Entwicklung im zurückliegenden Jahrzehnt fällt in Europa sehr unterschiedlich aus.
Wie haben sich die realen Haushaltseinkommen pro Kopf in Europa in den vergangenen zehn Jahren, also von 2014 bis 2024, verändert? Wie sieht der Vergleich mit der Zeit vor der Pandemie aus? Und in welchen Ländern ist das Haushaltseinkommen pro Person in Kaufkraftstandards (PPS) laut Eurostat am höchsten?
Im Zehnjahreszeitraum von 2014 bis 2024 stiegen sie insgesamt um 17 Prozent. Im Jahr 2020 kam das Wachstum wegen der COVID-19-Pandemie weitgehend zum Stillstand, in einigen Ländern sanken die Einkommen sogar.
Anschließend setzte sich der Anstieg schrittweise fort. Zwischen 2019 und 2024 ergab sich so ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vor-Pandemie-Niveau.
Was bedeutet Haushaltseinkommen?
Das Haushaltseinkommen pro Person ergibt sich, indem man das bereinigte verfügbare Bruttoeinkommen der privaten Haushalte durch die Gesamtbevölkerung teilt. Doch was umfasst diese Kennzahl genau?
Sie zeigt, wie viel Geld den Haushalten zum Ausgeben oder Sparen zur Verfügung steht. Grundlage ist das Einkommen nach Abzug von Einkommensteuern und Sozialbeiträgen für die Altersvorsorge.
Entscheidend ist: Eingerechnet wird auch der Wert öffentlicher Leistungen wie Bildung und Gesundheitsversorgung, die Haushalte unentgeltlich vom Staat oder von gemeinnützigen Organisationen erhalten.
„Real“ bedeutet, dass der nominale Wert um Preissteigerungen bereinigt wird – mithilfe des Deflators der tatsächlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte.
Seit der Pandemie: geringstes Wachstum in den nordischen Ländern
Kroatien verzeichnete in den vergangenen fünf Jahren mit 26 Prozent den stärksten Zuwachs bei den realen Haushaltseinkommen pro Person. Malta kam auf 24 Prozent, Ungarn auf 20 Prozent, Rumänien auf 19 Prozent und Polen auf ein Plus von 16 Prozent. Damit zählen sie zu den Ländern mit den höchsten Steigerungen, alle über 15 Prozent.
Mit Ausnahme von Malta liegen diese Länder außerhalb des Euro-Raums; die Entwicklung spiegelt daher auch Wechselkursbewegungen der nationalen Währungen wider. Für Schweden und Dänemark gilt das nicht.
Die drei nordischen Länder stehen am Ende der Rangliste. Schweden kam nur auf ein Prozent, Finnland auf zwei Prozent und Dänemark auf drei Prozent. Laut OECD stiegen die Arbeitslosenquoten in den nordischen Ländern auf dem Höhepunkt der COVID-19-Krise stärker an als in vielen anderen europäischen Staaten.
Auch die vier größten Volkswirtschaften der EU liegen unter dem Durchschnitt. Frankreich und Spanien (jeweils sechs Prozent) liegen nur knapp darunter, Italien und Deutschland (jeweils vier Prozent) eher im Bereich der nordischen Länder.
Zehn Jahre Entwicklung beim Haushaltseinkommen
Im Zeitraum 2014 bis 2024 legten insgesamt vor allem Länder ohne Euro stärker zu; Rumänien erreichte hier 76 Prozent. Unter den sieben Staaten mit dem kräftigsten Wachstum ist Malta mit 55 Prozent das einzige Mitglied der Euro-Zone.
Deutliche Zuwächse verzeichneten zudem die Türkei (68 Prozent), Ungarn (55 Prozent), Kroatien (51 Prozent), Bulgarien (45 Prozent) und Polen (42 Prozent).
Kroatien und Bulgarien traten dem Euro-Raum erst später bei.
Eurostat weist darauf hin, dass das Wachstum des realen BIP im Euro-Gebiet in den vergangenen zwei Jahrzehnten schwächer ausfiel als im gesamten EU-Durchschnitt.
Schweden verzeichnete in den letzten zehn Jahren das geringste Wachstum. Auch die beiden anderen nordischen Länder liegen unter dem EU-Durchschnitt von 17 Prozent: Finnland erreicht zehn Prozent, Dänemark 14 Prozent.
Spanien liegt nur zwei Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt, die drei übrigen großen Volkswirtschaften bleiben darunter.
Wo sind die Haushaltseinkommen in PPS am höchsten?
Wachstumsraten sind wichtig, sagen aber nichts über das tatsächliche Einkommensniveau in den einzelnen Ländern. Für den Vergleich nutzt Eurostat daher das bereinigte verfügbare Bruttoeinkommen der Haushalte pro Kopf in Kaufkraftstandards.
Nach den jüngsten verfügbaren Daten für 2024 weist Luxemburg mit 41.552 PPS unter 32 europäischen Ländern das höchste Haushaltseinkommen pro Person auf. Es folgen Deutschland (37.098), Österreich (34.443), die Niederlande (34.406) und die Schweiz (33.971).
Auch in Belgien, Frankreich, Island und Norwegen liegt das Haushaltseinkommen pro Kopf über 30.000 PPS.
Bulgarien weist mit 7.802 PPS nach Daten von 2022 das niedrigste Haushaltseinkommen pro Person auf. Auch in vielen osteuropäischen und Balkanländern, darunter mehreren EU-Beitrittskandidaten, fallen die Haushaltseinkommen in PPS deutlich niedriger aus.
Serbien kommt auf 13.311 PPS. In mehreren anderen Ländern – etwa Griechenland, der Türkei, der Slowakei, Rumänien und Ungarn – bewegen sich die Werte meist zwischen 20.000 und 25.000 PPS.
Die ersten drei Plätze in der PPS-Rangliste blieben 2014, 2019 und 2024 unverändert. Dagegen haben Griechenland und Schweden im Kreis von 30 Ländern an Boden verloren: Schweden fiel vom 6. Platz im Jahr 2014 auf Rang 8 im Jahr 2019 und Rang 10 im Jahr 2024. Griechenland rutschte im selben Zeitraum von Platz 23 auf Platz 28 ab.
Im Gegenzug kletterten die Niederlande von Rang 7 auf Rang 4. Ungarn verbesserte sich von Platz 26 auf 22, Rumänien von Platz 29 auf 24.
Theoretisch lässt sich mit einem Kaufkraftstandard in jedem Land dieselbe Menge an Waren und Dienstleistungen erwerben.