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Sozialwohnungen und Mietbeihilfen: Wie viel geben Staaten pro Kopf aus?

Bereitschaftspolizei riegelt das Gebiet ab und kontrolliert Aktivisten bei der Zwangsräumung von Emilia Montoya Vázquez und ihrer Familie in Madrid am 25. Februar 2015.
Bereitschaftspolizei riegelt das Viertel ab und kontrolliert Wohnrechtsaktivisten bei der Räumung von Emilia Montoya Vazquez und Familie in Madrid am 25. Februar 2015. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am
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Euronews Business beleuchtet, welche Rolle Wohnbeihilfen in den Sozialausgaben Europas spielen. Die EU startet ihr erstes Programm für bezahlbaren Wohnraum, um den wachsenden Wohnungsmangel zu lindern.

Wohnen entwickelt sich in ganz Europa zu einer immer größeren Krise. Im Dezember 2025 legte die EU-Kommission erstmals einen Europäischen Aktionsplan für bezahlbaren Wohnraum vor.

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Die Initiative soll eines der dringendsten Probleme der Bürgerinnen und Bürger angehen: den Zugang zu bezahlbarem, nachhaltigem und hochwertigem Wohnraum.

Die meisten europäischen Staaten zahlen bereits Wohnungsbeihilfen im Rahmen ihrer Sozialsysteme. Das Unterstützungsniveau unterscheidet sich jedoch stark und spiegelt sehr unterschiedliche nationale Strategien wider.

Welche Länder zahlen die höchsten Wohnzuschüsse? Und wie viel geben die europäischen Regierungen pro Kopf für Unterstützung beim Wohnen aus?

Die Daten erfassen staatliche Maßnahmen, die Haushalten bei ihren Wohnkosten helfen sollen, darunter Mietzuschüsse, Sozialwohnungen und Hilfen für selbstnutzende Eigentümer.

Nach Angaben von Eurostat entfielen im Jahr 2024 auf den Bereich Wohnen 1,35 % der gesamten Sozialausgaben in der EU. Das entspricht 66,5 Milliarden Euro oder 0,37 % des EU-BIP, also 148 Euro pro Einwohner.

Die Wohnzuschüsse pro Kopf gehen in Europa weit auseinander. Unter den 31 erfassten Ländern reichen sie von fast null in Bulgarien bis zu 755 Euro in Irland. Finnland liegt mit 484 Euro auf Rang zwei, gefolgt vom Vereinigten Königreich mit 406 Euro.

Die Zahl für das Vereinigte Königreich stammt allerdings aus dem Jahr 2018 und ist mit neueren Daten nur bedingt vergleichbar. Sie zeigt dennoch, dass das Land zu den Staaten mit den höchsten Wohnzuschüssen gehört.

Auch Dänemark (375 Euro), Island (335 Euro), Deutschland (328 Euro) und die Schweiz (327 Euro) gaben pro Kopf mehr als 300 Euro für Wohnzuschüsse aus. Die Niederlande (271 Euro), Frankreich (234 Euro) und Schweden (200 Euro) komplettieren die Top Ten.

In drei Ländern liegen die Ausgaben zwischen 100 und 199 Euro: in Zypern (185 Euro), Luxemburg (130 Euro) und Belgien (110 Euro). Alle übrigen Staaten mit verfügbaren Daten geben pro Kopf weniger als 100 Euro aus.

Unter den fünf größten Volkswirtschaften Europas geben Italien (13 Euro) und Spanien (36 Euro) deutlich weniger aus als ihre Pendants.

Auch die Mieten unterscheiden sich in Europa stark. In manchen Ländern ist Wohnen deutlich teurer als in anderen.

Werden die Wohnzuschüsse pro Kopf um Kaufkraftstandards (PPS) bereinigt, ändern sich die Beträge, die grundsätzliche Rangfolge bleibt jedoch ähnlich.

Irland liegt mit 535 PPS weiterhin vorn, dahinter folgen Finnland mit 380 und das Vereinigte Königreich mit 331, jeweils auf Basis der Daten von 2018.

Nominal betrachtet stellt Deutschland mit 27,4 Milliarden Euro den größten Betrag für Wohnzuschüsse bereit und trägt damit mehr als zwei Fünftel zur EU-Gesamtsumme bei. Es folgt Frankreich mit 16,1 Milliarden Euro, etwa einem Viertel des Gesamtvolumens.

Unter den 31 Ländern steht das Vereinigte Königreich mit 27 Milliarden Euro auf Platz zwei, auch hier auf Grundlage von Daten aus dem Jahr 2018. Nach Angaben der britischen Regierung dürften die Ausgaben für Wohnzuschüsse im Haushaltsjahr 2025/2026 auf 37,8 Milliarden Pfund (43,3 Milliarden Euro) steigen.

Die Definition von Wohnzuschüssen weicht dabei jedoch möglicherweise leicht von der Eurostat-Methodik ab.

Auch in den Niederlanden und in Irland lagen die Ausgaben bei über vier Milliarden Euro, in Italien hingegen unter einer Milliarde.

Insgesamt entfielen 0,37 % des EU-BIP auf wohnbezogene Sozialleistungen. Unter den EU-Staaten reicht der Anteil von fast null in Bulgarien und Kroatien bis zu 0,99 % in Finnland. Den höchsten Wert verzeichnete 2018 das Vereinigte Königreich mit 1,11 %.

Auch Irland (0,72 %), Deutschland (0,63 %), Dänemark (0,57 %), Frankreich (0,55 %) und Zypern (0,52 %) verwenden mehr als 0,5 % ihres BIP für Wohnzuschüsse.

Eurostat weist darauf hin, dass Wohnpolitik in den Mitgliedstaaten weit verbreitet ist und häufig weit über reine Sozialleistungen hinausgeht.

„Sie kann darauf abzielen, die Bauwirtschaft zu fördern, Wohneigentum zu unterstützen, das Sparen anzuregen und Ähnliches. Diese weiter gefassten Maßnahmen fallen nicht in den Rahmen der [Sozialschutzdaten]“, so das Statistikamt.

Erster EU-Plan für bezahlbares Wohnen

Der kürzlich vorgestellte Europäische Aktionsplan für bezahlbaren Wohnraum konzentriert sich „auf die Ausweitung des Wohnungsangebots, das Anstoßen von Investitionen und Reformen, auf Regeln für Kurzzeitvermietungen in angespannten Wohnungsmärkten und auf Unterstützung für die am stärksten betroffenen Menschen“.

„Der Erfolg des Plans hängt davon ab, ob die lokale Ebene diese Bedürfnisse tatsächlich decken kann. Bezahlbarkeit muss unser Ziel sein, und am erschwinglichsten sind kommunale, genossenschaftliche und soziale Wohnungen“, sagte Marco Corradi, Präsident von Housing Europe.

In den vergangenen zehn Jahren, zwischen 2015 und dem dritten Quartal 2025, sind die Hauspreise in der EU laut Eurostat um 64 % gestiegen, die Mieten um 21 %.

In einigen europäischen Ländern reicht ein volles Gehalt nicht aus, um die Miete für eine Einzimmerwohnung im Stadtzentrum zu bezahlen. In vielen anderen verschlingt die Miete einen erheblichen Teil des durchschnittlichen Nettolohns.

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