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Krieg erschüttert Lieferketten: Zentralasien stellt Landwirtschaft und Ernährung neu auf

Reisexperte inspiziert Reisfeld
Reisberater geht durch ein Reisfeld Copyright  AP Photo
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Von Dilbar Primova
Zuerst veröffentlicht am
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Steigende geopolitische Spannungen bringen die Landwirtschaft in Zentralasien durcheinander, treiben weltweit Lebensmittelpreise hoch und belasten Lieferketten sowie Exporte. Fachleute fordern mehr regionale Kooperation, Diversifizierung und Innovation.

Die wachsenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, darunter der Krieg in Iran, verändern zunehmend die Landwirtschaft in Zentralasien. Das schlägt sich in Lebensmittelpreisen, Handelsströmen und der Stabilität der Exporte nieder.

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„Die Konflikte in der Region haben enorme Folgen für die Landwirtschaft“, sagte Ibrokhim Abdurakhmonov, der Landwirtschaftsminister von Usbekistan.

Unterbrechungen der Handelsrouten setzen die gesamte Branche bereits wirtschaftlich unter Druck.

„Wenn unsere Exporte sinken, sinken auch unsere Einnahmen, und die Kosten für die Lagerung der Produkte steigen“, sagte er.

Ibrokhim Abdurakhmonov, Landwirtschaftsminister von Usbekistan
Ibrokhim Abdurakhmonov, Landwirtschaftsminister von Usbekistan Ministry of Agriculture of Uzbekistan

Unterbrechungen der Handelsrouten setzen die gesamte Branche bereits wirtschaftlich unter Druck.

„Wenn unsere Exporte sinken, sinken auch unsere Einnahmen, und die Kosten für die Lagerung der Produkte steigen“, sagte er.

Auch die Regierungen richten den Blick nach innen, um ihre Anfälligkeit für äußere Schocks zu verringern.

„Wir müssen unseren Binnenmarkt effizienter organisieren“, ergänzte Abdurakhmonov. Eine starke Binnennachfrage könne externe Störungen teilweise auffangen.

Lieferketten unter Druck

Branchenvertreter betonen, dass sich das Ausmaß der Folgen erst nach und nach zeigt, doch erste Störungen sind bereits sichtbar.

„Das hat gerade erst begonnen. Wir müssen nun abwarten und in den kommenden Wochen und Monaten die Folgen verstehen“, sagte Matteo Zoppas, Präsident der Italienischen Außenhandelsagentur, im Gespräch mit Euronews beim Wirtschaftsforum Italien–Zentralasien (C5) + Aserbaidschan in Usbekistan.

Bislang zeigen sich die unmittelbarsten Folgen in der Logistik. Einige Lieferungen werden auf andere Routen umgeleitet, andere verzögern sich, weil Unternehmen nach Alternativen suchen.

„Davon betroffen sind bereits kurzfristige Lieferungen von Produkten mit begrenzter Haltbarkeit“, sagte Zoppas mit Blick auf leicht verderbliche Ware wie frisches Obst, Gemüse und Blattsalate.

Matteo Zoppas, Präsident der Italienischen Außenhandelsagentur
Matteo Zoppas, Präsident der Italienischen Außenhandelsagentur Ministry of Agriculture of Uzbekistan

Zoppas spricht von einer vorübergehenden Verlangsamung, deren Ende jedoch offen ist. „Im Moment sucht die Logistik nach Ausweichrouten, es ist eine Art eingefrorene Phase“, sagte er. Frachtkosten und Lieferzeiten bleiben unberechenbar.

Steigende Energiekosten dürften den Druck zusätzlich erhöhen. „Wenn das Angebot sinkt und die Nachfrage stabil bleibt, steigen in der Regel die Preise – wie wir es während COVID-19 und der Störungen im Suezkanal erlebt haben“, merkte er an.

Suche nach Auswegen

Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Regierungen und Unternehmen versuchen sich daher anzupassen. Für den italienischen Außenhandel bedeutet das eine stärkere Ausrichtung nach Osten. „Wir müssen das mit Projekten in anderen Regionen wie Zentralasien und Aserbaidschan ausgleichen“, sagte Zoppas.

Usbekistan verfolgt den gleichen Ansatz – nur aus der Gegenrichtung.

Nach Angaben Abdurakhmonovs arbeiten die zentralasiatischen Staaten enger zusammen, um den regionalen Handel auszubauen und ihre gemeinsame Abhängigkeit von der Lage im Nahen Osten zu verringern.

„In der Region gibt es eine starke Nachfrage und eine große Bevölkerung. Wenn wir unseren Binnenmarkt richtig organisieren, können wir diese Herausforderungen meistern“, sagte er.

Die Region hat noch enormes Wachstumspotenzial.

Nach Schätzungen Abdurakhmonovs sind von den insgesamt auf rund zweihundertfünfzig Millionen Hektar veranschlagten Agrarflächen Zentralasiens derzeit nur etwa zehn Millionen Hektar bewässert und in Nutzung. Um die Effizienz zu steigern, holt die Region internationale Fachkenntnis ins Land, auch aus Italien.

Der Krieg hat aber auch gezeigt, wie eng die Verwundbarkeiten der Region miteinander verflochten sind.

„Wenn ein Land ein Umweltproblem hat, wirkt sich das auf die Nachbarn aus“, sagte Abdurakhmonov.

„Wir nutzen dieselben Wasserressourcen, deshalb treffen Probleme an einem Ort letztlich alle.“

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