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Deutschlands erste LNG-Lieferung aus Oman trifft trotz Nahostkrise ein

ARCHIV: Mit Schleppern bringt der LNG-Tanker „Hellas Diana“ seine Fracht zum Energie-Terminal „Deutsche Ostsee“ in Mukran, Deutschland, 28. August 2024.
Archivbild: Von Schleppern begleitet bringt der LNG-Tanker „Hellas Diana“ eine Ladung Flüssiggas zum Energieterminal „Deutsche Ostsee“ in Mukran, Deutschland, 28. August 2024. Copyright  AP Photo
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Von Una Hajdari
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Deutschlands erste LNG-Lieferungen aus Oman treffen planmäßig ein. Doch Analysen zeigen: Die Abhängigkeit von Nahost ist größer als von Berlin eingeräumt.

Deutschland bezieht erstmals Flüssigerdgas (LNG) aus Oman. Gleichzeitig beeinträchtigt der Krieg im Nahen Osten die globalen Lieferwege. Ein genauerer Blick auf die Gasversorgungskette zeigt jedoch: Berlin ist womöglich stärker von der Krise betroffen, als die offiziellen Zahlen erkennen lassen.

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Die Lieferungen basieren auf einem vierjährigen Vertrag, den der staatliche LNG-Produzent Omans und der deutsche Importeur Securing Energy for Europe (SEFE) 2023 geschlossen haben. Die ersten Tanker sind wie geplant in diesem Monat angekommen, sagte eine SEFE-Sprecherin dem Wirtschaftsmagazin Capital.

Oman liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Straße von Hormus zu Iran. Nach Angaben des Unternehmens bleiben die Lieferungen vom aktuellen Konflikt bislang unberührt.

Damit gibt es einen der wenigen Lichtblicke in einer sich insgesamt eintrübenden Energieversorgung.

Die Blockade der Straße von Hormus durch Iran hat sämtliche LNG-Exporte aus Katar, dem zweitgrößten LNG-Lieferland der Welt, zum Stillstand gebracht. Ein iranischer Angriff auf die Produktionsanlagen im katarischen Ras Laffan Mitte März legte zudem 17 Prozent der Förderkapazität lahm.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche versucht die Risiken herunterzuspielen. Deutschland beziehe „keine nennenswerten Mengen“ LNG aus der Golfregion, 90 Prozent des Gases kämen über Pipelines aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien, sagte sie.

Deutschland stärker abhängig als gedacht?

Diese Zahlen sind zwar formal korrekt, zeichnen aber nach Recherchen von Capital nur einen Teil des Bildes.

Nur 10,3 Prozent der deutschen Gasimporte liefen im vergangenen Jahr über die eigenen vier LNG-Terminals. Dieses Gas stammte fast vollständig aus den USA.

Gleichzeitig gehören die Niederlande und Belgien, die 2025 zusammen 45 Prozent der gesamten deutschen Gasimporte lieferten, selbst zu den größten LNG-Importeuren der EU.

Rotterdam und Zeebrugge nehmen große Mengen verflüssigten Erdgases per Tanker an, wandeln es wieder in Gas um und leiten es per Pipeline nach Deutschland weiter.

Das Terminal im belgischen Zeebrugge schlug 2025 einen Rekord von 55,5 Terawattstunden LNG um, doppelt so viel wie beim bisherigen Höchststand.

Die Niederlande deckten 2024 laut Capital 45 Prozent ihrer gesamten Gasimporte über LNG, allein 30 Prozent davon kamen aus den USA.

Die Herkunft einzelner Gasmoleküle in den Pipelines lässt sich nicht exakt nachverfolgen. Das tatsächliche Ausmaß der indirekten LNG-Abhängigkeit Deutschlands – und der indirekten Abhängigkeit von US-Lieferungen – bleibt deshalb unklar. Der Trend zeigt jedoch klar nach oben.

Zusätzlichen Druck bringen die Füllstände der Gasspeicher. Sie liegen laut Capital derzeit nur bei rund 22 Prozent. Für diese Jahreszeit ist das historisch niedrig.

Anreize am Markt, die Speicher vor dem nächsten Winter zu füllen, gibt es kaum. Spot- und Terminpreise bewegen sich in ähnlicher Größenordnung. Nur Händler, die auf einen länger anhaltenden Konflikt setzen, erhöhen derzeit ihre Einspeicherungen.

Die Bundesnetzagentur sieht aktuell keine Mengenprobleme und hält die Versorgungssicherheit für gewährleistet. Preisgarantien in vielen Verbraucherverträgen wirkten als Puffer gegen unmittelbare Marktschocks.

Allerdings räumt die Behörde ein, dass die Preisschwankungen anhalten könnten – abhängig davon, wie lange der Konflikt dauert.

Europaweit wachsender Druck auf Gasversorgung

Der europäische Gasleitindex TTF sprang nach dem Angriff auf Ras Laffan kurzzeitig auf mehr als 60 Euro je Megawattstunde und lag damit doppelt so hoch wie vor Kriegsbeginn. Mittlerweile notiert der Preis wieder bei rund 55 Euro.

Die Energieberatung ICIS erwartet Preise von 85 Euro je Megawattstunde, falls die Straße von Hormus drei Monate geschlossen bleibt. Hält die Blockade sechs Monate, könnten es 120 Euro werden, bei einem ganzen Jahr 150 Euro.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat vorgeschlagen, Kohlekraftwerke länger am Netz zu lassen, um den Gasverbrauch in der Stromerzeugung zu senken.

Reiche drängt zugleich deutsche Importeure zu langfristigen Lieferverträgen mit Produzenten in Aserbaidschan und Algerien.

SEFE startet zudem in dieser Woche eine neue Ausschreibung für LNG-Lieferungen zwischen 2027 und 2036. Sie richtet sich an Terminals in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien und soll nach Angaben des Unternehmens Ausfälle aus dem Nahen Osten ausgleichen.

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