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Weltbank: Iran-Krieg treibt Energiekosten auf höchstes Niveau seit 2022

Ein Schnellboot der Revolutionsgarden nähert sich dem Frachter „Epaminondas“, laut Staatsmedien die Festsetzung eines von zwei Schiffen in der Straße von Hormus, 21. April 2026
Ein Schnellboot der Revolutionsgarden nähert sich dem Frachter Epaminondas bei der laut Staatsmedien Beschlagnahme eines von zwei Schiffen in der Hormusstraße, 21. April 2026 Copyright  Meysam Mirzadeh/Tasnim News Agency via AP
Copyright Meysam Mirzadeh/Tasnim News Agency via AP
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am
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Die Weltbank erwartet in ihrem neuen Bericht „Commodity Markets Outlook“ einen Anstieg der Energiepreise um 24 Prozent. Der Iran-Krieg erschüttert die globalen Lieferketten.

Die Weltbank rechnet in ihrem jüngsten Bericht „Commodity Markets Outlook“, der am Dienstag erschienen ist, mit einem Anstieg der Energiepreise um 24 Prozent in diesem Jahr. Auslöser seien der Iran‑Krieg und die darauf folgende Blockade der Straße von Hormus, die die Weltmärkte in historische Turbulenzen stürzen.

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Dieser erwartete Sprung wäre der stärkste Anstieg der Energiepreise seit Russlands Großangriff auf die Ukraine im Jahr 2022. Er droht die hohe Inflation zu verfestigen und die wirtschaftliche Entwicklung in Schwellen- und Entwicklungsländern auszubremsen.

Nach Einschätzung der Weltbank stehen die globalen Rohstoffmärkte vor der volatilsten Phase seit vier Jahren. Energie und Düngemittel dürften einen breiten Anstieg der Rohstoffpreise um rund sechzehn Prozent im Jahr 2026 anführen.

Die Instabilität in der Region hat bereits zur größten jemals verzeichneten Unterbrechung der Ölversorgung geführt. Die weltweite Förderung ist in der Krise um mehr als zehn Millionen Barrel pro Tag zurückgegangen.

Einige Preise haben sich von ihren ersten Höchstständen wieder etwas entfernt. Die Studie zeigt jedoch, dass die anhaltenden Folgen von Angriffen auf Infrastruktur und Engpässen in der Schifffahrt durch die Straße von Hormus die Energiekosten auf absehbare Zeit hoch halten werden.

Analystinnen und Analysten sehen den jüngsten Turbulenzen zufolge den zuvor beobachteten Abwärtstrend bei Rohstoffpreisen praktisch ausgelöscht. Es entstehe ein Umfeld der Stagflation, in dem es Zentralbanken schwerfalle, ihre Leitzinsen zu steuern.

Ayhan Kose, stellvertretender Chefökonom der Weltbank, mahnte zudem, Regierungen sollten der Versuchung breiter, unscharfer Finanzhilfen widerstehen, die Märkte verzerren könnten. Stattdessen sollten sie sich auf befristete Unterstützung für besonders verletzliche Haushalte konzentrieren, um durch die kommenden Monate wirtschaftlicher Unsicherheit zu kommen.

Die Sonne geht hinter einem Tanker auf, der in der Straße von Hormus vor der Küste der Insel Qeschm im Iran vor Anker liegt, 18. April 2026
Die Sonne geht hinter einem Tanker auf, der in der Straße von Hormus vor der Küste der Insel Qeschm im Iran vor Anker liegt, 18. April 2026 AP Photo/Asghar Besharati

Öl- und Gasmärkte im Auge des Sturms

Der wichtigste Auslöser der aktuellen Marktunruhe ist die beispiellose Störung der Schifffahrtsrouten im Nahen Osten.

Die Straße von Hormus ist eine zentrale Meerengenroute, über die etwa zwanzig Prozent des weltweiten Seehandels mit Rohöl laufen. Im Krieg ist der Verkehr dort praktisch zum Erliegen gekommen.

Nach Angaben der Weltbank dürfte die Nordseesorte Brent im Jahresdurchschnitt 2026 bei 86 Dollar je Barrel liegen. 2025 waren es im Schnitt noch 69 Dollar.

Diese Prognose setzt voraus, dass die schwersten Störungen ab Mai nachlassen und die Transportmengen bis Jahresende schrittweise wieder das Vorkriegsniveau erreichen.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notiert die US‑Referenzsorte WTI bei über 102 Dollar je Barrel. Brent, der internationale Referenzwert, liegt erstmals seit drei Wochen wieder über 110 Dollar.

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben am Dienstag zudem angekündigt, OPEC und OPEC+ zum ersten Mai zu verlassen. Der Energieminister der Emirate begründete den Schritt mit einer Neuausrichtung der nationalen Energiestrategie, „um der veränderten Nachfrage gerecht zu werden“, und stellte eine „schrittweise Ausweitung der Ölproduktion“ in Aussicht.

Ob das zusätzliche Angebot die Preise tatsächlich dämpft oder ob die geringere Abstimmung unter den großen Ölförderern sich in der Krise eher nachteilig auswirkt, ist noch offen.

Die Weltbank warnt, dass der Preisdruck weiter zunimmt, falls sich der Konflikt länger hinzieht oder weitere Akteure in der Region hineingezogen werden. Schon im Basisszenario hat der Schock deutliche Folgen für andere Energiemärkte ausgelöst.

Die Studie zeigt, dass die Schwankungen am Ölmarkt direkte Auswirkungen auf die Referenzpreise für Erdgas und Flüssigerdgas (LNG) haben. Staaten bemühen sich fieberhaft, alternative Energiequellen zu sichern.

Die Europäische Union hat seit Beginn des Iran‑Krieges bereits mehr als 27 Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten für Importe fossiler Energieträger ausgegeben. Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht schon jetzt von der größten Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte.

Die gestiegenen Treibstoffkosten dürften das weltweite Wachstum bremsen. Das hat gravierende Folgen für Beschäftigung und industrielle Entwicklung in Schwellenländern ebenso wie in Industriestaaten.

In diesem Monat hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das globale Wachstum 2026 auf 3,1 Prozent gesenkt, 0,2 Punkte weniger als bislang erwartet. Für die Eurozone rechnet der IWF nur noch mit 1,1 statt 1,4 Prozent.

Der Krieg hat auch die globalen Inflationserwartungen des IWF nach oben getrieben, auf inzwischen 4,4 Prozent. Hält die Energievolatilität bis 2027 an, warnt der Fonds vor einem „schweren Szenario“, in dem das weltweite Wachstum auf nur noch zwei Prozent abstürzen könnte.

Geopolitische Unsicherheit und Dominoeffekte

Ein Schwerpunktkapitel des Weltbank‑Berichts beleuchtet, wie stark geopolitische Risiken die Marktstabilität beeinträchtigen. Demnach ist die Schwankungsbreite der Ölpreise in Phasen zunehmender Konflikte etwa doppelt so hoch wie in ruhigeren Zeiten.

Konkret zeigt die Auswertung: Ein geopolitisch bedingter einprozentiger Rückgang der weltweiten Ölproduktion treibt die Preise im Schnitt um 11,5 Prozent nach oben.

Solche Schocks haben starke Spillover‑Effekte. Die Auswirkungen auf andere Rohstoffmärkte fallen rund 50 Prozent größer aus als unter normalen Bedingungen.

Nach Berechnungen der Weltbank führt ein durch geopolitische Ereignisse ausgelöster Anstieg der Ölpreise um zehn Prozent dazu, dass die Erdgaspreise ihren Höchststand im Schnitt sieben Prozent höher erreichen. Die Düngemittelpreise liegen etwa ein Jahr später um mehr als fünf Prozent über dem Ausgangsniveau.

Diese verzögerten Effekte bedeuten: Selbst wenn der Konflikt im Nahen Osten bald beigelegt wird, dürfte der inflationsseitige Druck auf die Weltwirtschaft noch weit ins nächste Jahr hinein spürbar bleiben.

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