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Rezessionsgefahr: Eurozonen-Aktivität fällt wegen Iran-Krieg auf Tiefstand seit zweieinhalb Jahren

ARCHIV - Wolken hängen über der Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main, Deutschland, am 11. September 2025.
ARCHIV: Wolken über der Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main, Deutschland, am elften September 2025. Copyright  AP Photo/Michael Probst, File
Copyright AP Photo/Michael Probst, File
Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Wirtschaftsaktivität in der Eurozone ist im Mai deutlich eingebrochen und hat den niedrigsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren erreicht.

Die europäische Wirtschaft gerät unter der Last des Kriegs im Iran ins Wanken.

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Die jüngste Umfrage zum Einkaufsmanagerindex (PMI), der als früheste monatliche Momentaufnahme der europäischen Konjunktur gilt, zeigt: Die Geschäftstätigkeit im Euroraum schrumpft so stark wie seit Oktober 2023 nicht mehr.

Vor allem Frankreich rutschte in den stärksten Einbruch seit den Corona-Lockdowns im November 2020.

Konjunkturflaute in der Eurozone verschärft sich

„Die vorläufigen PMI-Daten für Mai zeigen, dass die Eurozonen-Wirtschaft immer stärker unter den Folgen des Kriegs im Nahen Osten leidet“, sagte Chris Williamson, Chefökonom bei S&P Global Market Intelligence.

Er ergänzte: „Die Wirtschaftsleistung ist nun den zweiten Monat in Folge geschrumpft, und der Rückgang hat sich im Mai auf das höchste Tempo seit gut zweieinhalb Jahren beschleunigt.“

Der S&P Global Flash Eurozone Composite PMI Output Index fiel im Mai von 48,8 auf 47,5. Das ist ein einunddreißigmonatiges Tief und der zweite Monat in Folge unter der Marke von 50, die Wachstum und Schrumpfung trennt.

Besonders stark traf es den Dienstleistungssektor, der den Großteil der Wirtschaftsleistung im Euroraum stellt. Der vorläufige Dienstleistungs-PMI sank von 47,6 auf 46,4. Das ist der schlechteste Wert seit Februar 2021 und deutlich unter der Konsensprognose von 47,7.

Williamson erklärte, der Dienstleistungsbereich werde „besonders hart von dem durch den Krieg ausgelösten Anstieg der Lebenshaltungskosten getroffen“ – vor allem wegen höherer Energiepreise, die die Kaufkraft der Haushalte aushöhlen.

Die Industrie hielt sich mit einem Indexstand von 51,4 etwas besser. Doch auch hier lässt der Schwung nach: Erstmals seit Monaten gingen die Neuaufträge wieder zurück.

Frankreich verzeichnet stärksten Einbruch

Die alarmierendsten Zahlen kamen aus Frankreich. Der zusammengesetzte PMI stürzte im Mai von 47,6 auf 43,5 ab und blieb damit weit unter der von Volkswirten erwarteten Marke von 47,7.

„Der vorläufige PMI für Frankreich im Mai liefert eine erschreckende Zahlenreihe“, sagte Joe Hayes, Chefvolkswirt bei S&P Global Market Intelligence.

„Die inflationären Folgen des Ölpreisschocks greifen weiter um sich. Die Preisindizes in Industrie und Dienstleistungen sind erneut gestiegen“, so Hayes.

Der Index für die Dienstleistungsaktivität, der für die französische Wirtschaft entscheidend ist, fiel von 46,5 auf 42,9 – den niedrigsten Wert seit 66 Monaten.

Die Industrieproduktion, die im April kurz für etwas Rückenwind gesorgt hatte, drehte wieder deutlich ins Minus. Der Subindex für die Produktion verlor mehr als sechs Punkte und rutschte zurück in den Schrumpfungsbereich.

Die von S&P Global befragten Unternehmen nannten direkt die Kosten des Kriegs als Ursache.

„Das Problem ist, dass ein breiter Anstieg des allgemeinen Preisniveaus das Risiko erhöht, dass die Nachfrage weiter einbricht“, warnte Hayes.

„Besonders besorgniserregend ist, dass die Auftragseingänge im Privatsektor im Mai eingebrochen sind. Das ist ein klares Signal, dass dieser Schock das Rezessionsrisiko für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone deutlich erhöht hat.“

Französische Unternehmen blicken erstmals seit November 2024 wieder pessimistisch auf das kommende Jahr. Der Grad der Skepsis ist so hoch wie seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie im April 2020 nicht mehr.

Deutschland tritt auf der Stelle, Abschwung greift um sich

Auch Deutschland, die industrielle Lokomotive des Währungsraums, blieb nicht verschont.

Der zusammengesetzte PMI legte leicht von 48,4 auf 48,6 zu. Das ist ein Zwei-Monats-Hoch, aber weiterhin klar im Schrumpfungsbereich.

Der Industrie-PMI fiel auf ein Vier-Monats-Tief von 49,9. Das Produktionswachstum der Fabriken kam fast zum Stillstand, und die Neuaufträge gingen erstmals seit Dezember 2025 zurück.

Unternehmen beginnen zudem, Personal stärker abzubauen.

Die Beschäftigung in Deutschland sank so schnell wie seit mehr als eineinhalb Jahren nicht mehr, vor allem wegen deutlicher Kürzungen in der Industrie. Die Kosten für Vorleistungen stiegen auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren.

„Die faktische Schließung der Straße von Hormus wirkt sich weiter auf die Preise aus. Der Kostenauftrieb hat sich nochmals verstärkt, weil höhere Energiepreise und Lieferengpässe durchschlagen“, sagte Phil Smith, Associate Director Economics bei S&P Global Market Intelligence.

Inflationsschock setzt EZB unter Zugzwang

Die PMI-Daten für Mai erzählen nicht nur eine Konjunkturgeschichte.

Die Kosteninflation bei den Vorleistungen hat sich im Euroraum den siebten Monat in Folge beschleunigt und liegt nun auf dem höchsten Niveau seit dreieinhalb Jahren. Die Verkaufspreise für Waren und Dienstleistungen steigen so stark wie seit 38 Monaten nicht mehr.

In Frankreich erreichte die Teuerung bei den Absatzpreisen den höchsten Stand seit drei Jahren. In Deutschland hat der Index der Einkaufspreise im verarbeitenden Gewerbe wieder Werte wie während der Energiekrise 2022 erreicht.

Die Europäische Zentralbank steht damit vor dem, was Williamson als „sich verschärfendes Dilemma für die Geldpolitik“ bezeichnet.

An den Geldmärkten wird inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 Prozent mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der nächsten EZB-Sitzung gerechnet. Bis Jahresende erwarten die Märkte zudem zwei weitere Anhebungen – obwohl die Konjunkturdaten deutlich einbrechen.

Folgen der Störung in der Straße von Hormus

Noch vor zwei Monaten wuchs Europas Wirtschaft. Heute sendet sie so laute Rezessionssignale wie seit Jahren nicht.

Die Schließung der Straße von Hormus ist längst mehr als eine geopolitische Schlagzeile. Sie schlägt direkt auf die Realwirtschaft im Euroraum durch, und der EZB läuft die Zeit davon, zu entscheiden, welchen Teil ihres Dilemmas sie stärker bekämpfen will.

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