Weniger als sieben von zehn Haushalten in der EU wohnen im Eigentum. Euronews Business analysiert, in welchem Alter Europäer laut exklusiven RE/MAX-Daten ihre erste Wohnung kaufen.
In der EU wohnen 68,5 % der Haushalte im Jahr 2025 in den eigenen vier Wänden. Das sind 2,2 Prozentpunkte weniger als 2010. Die Eigentumsquoten gehen weit auseinander: Sie reichen laut Eurostat von 47,2 % in Deutschland bis 93,8 % in der Slowakei.
Mit welchem Alter steigen Europäerinnen und Europäer am frühesten ins Wohneigentum ein? In welchen Ländern schaffen es junge Menschen besonders früh? Und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?
In 23 europäischen Ländern liegt das Durchschnittsalter von Erstkäuferinnen und -käufern bei 31,3 Jahren. Die Spanne reicht von 28 Jahren in Malta bis 34,7 Jahren in der Schweiz und in Griechenland.
Exklusiv für Euronews Business legte RE/MAX zusätzliche Detaildaten vor.
„Zwar entscheidet häufig die Leistbarkeit über das Kaufalter, aber auch familiäre Unterstützung und kulturelle Vorstellungen vom Mieten spielen eine wichtige Rolle“, sagte Michael Polzler, CEO von RE/MAX Europe, gegenüber Euronews Business.
Deutsche kaufen erste Wohnung fünf Jahre später als Briten
Unter den fünf größten Volkswirtschaften Europas liegt das Vereinigte Königreich mit einem Durchschnittsalter von 28,4 Jahren vorn. Es teilt sich damit den zweitniedrigsten Wert unter allen 23 Ländern mit Luxemburg, das ebenfalls auf 28,4 Jahre kommt.
Das Vereinigte Königreich verzeichnet laut der RE/MAX-Europe-Umfrage eine der höchsten Quoten an familiärer Unterstützung für junge Erwachsene. Mehr als die Hälfte (53 %) der 18- bis 34-Jährigen erhält finanzielle Hilfe in Form von Geldgeschenken oder Erbschaften.
„Das dürfte mit erklären, warum manche Menschen im Vereinigten Königreich schon in jungen Jahren Eigentum erwerben“, so Polzler.
In Deutschland liegt das durchschnittliche Ersterwerbsalter bei 33,6 Jahren. Damit kaufen Menschen dort ihre erste Immobilie im Schnitt 5,2 Jahre später als im Vereinigten Königreich.
Mieten in Deutschland deutlich stärker verankert
„In Deutschland ist das Mieten als langfristige Wohnform weit akzeptiert. Es gibt starken Mieterschutz und viel Stabilität auf dem Wohnungsmarkt“, erklärte Polzler. Viele junge Erwachsene sähen den Kauf daher nicht automatisch als nächsten Schritt, nachdem sie aus dem Elternhaus ausgezogen sind.
Unter den befragten 18- bis 34-Jährigen in Deutschland gaben 69 % an, zur Miete zu wohnen. Im europäischen Schnitt dieser Altersgruppe sind es 38 %.
Spanien verzeichnet mit 30,9 Jahren den zweitniedrigsten Durchschnittswert. In Frankreich (32,5 Jahre) und Italien (32,8 Jahre) liegt das Ersterwerbsalter dagegen über dem europäischen Mittel.
Familienunterstützung macht den Unterschied
Nach Angaben des RE/MAX-Europe-Chefs ist es in Italien und Spanien üblich, dass junge Erwachsene bis zum Alter von 26 Jahren im Elternhaus bleiben – drei Jahre länger als im europäischen Durchschnitt. Das erleichtert das Sparen für die erste Immobilie, verzögert aber zugleich häufig den Schritt ins Eigentum.
In Frankreich ziehen junge Erwachsene meist mit etwa 23 Jahren aus und liegen damit beim europäischen Durchschnitt. Beim Kauf selbst erhalten sie jedoch seltener Unterstützung aus der Familie. Nur ein Drittel (33 %) bekommt eine Geldschenkung oder Erbschaft für den Immobilienerwerb; europaweit sind es fast die Hälfte (48 %).
„Dieses geringere Maß an familiärer Hilfe könnte ein Grund sein, warum viele Käuferinnen und Käufer in Frankreich länger brauchen, um auf die Eigentumsleiter zu steigen“, sagte Polzler.
Die Türkei liegt mit einem Durchschnittsalter von 34,1 Jahren auf Platz drei. Über dem europäischen Schnitt liegen zudem Tschechien (33,2 Jahre), Polen (32,7), Bulgarien (32,5), Slowenien (32,2) und Kroatien (32,1).
Dagegen komplettieren Ungarn (28,5 Jahre) und die Niederlande (28,8) die Gruppe der fünf Länder, in denen Menschen am frühesten kaufen.
Auch in Österreich (29,1 Jahre), Portugal (29,8) und Finnland (29,9) erwerben Erstkäuferinnen und -käufer ihre Immobilie noch vor dem 30. Geburtstag. Irland (30,8) liegt knapp unter dem europäischen Durchschnitt.
Großbritannien: Zwei von fünf kaufen bis 25 ihre erste Wohnung
Die Daten zeigen auch, wie sich die Ersterwerber auf die Altersgruppen verteilen. In der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen verzeichnet das Vereinigte Königreich mit 40,2 % den höchsten Anteil. Zwei von fünf Käuferinnen und Käufern erwerben ihre erste Immobilie also bis zum 25. Lebensjahr.
Griechenland kommt in dieser jüngsten Gruppe nur auf 12,1 % und bildet damit das Schlusslicht.
Griechenland, Schweiz und Türkei: Späteste Ersterwerber
Fasst man die Gruppen der 18- bis 25- und der 26- bis 35-Jährigen zusammen, kaufen in Griechenland nur 50,4 % ihre erste Immobilie bis zum 35. Lebensjahr. Fast die Hälfte steigt also erst danach ins Eigentum ein.
Auch die Schweiz (53,2 %) und die Türkei (56 %) gehören zu den Ländern mit den niedrigsten Anteilen an Ersterwerbern unter 35 Jahren.
Im europäischen Schnitt sind es 69,5 %. Rund sieben von zehn Menschen in den 23 Ländern erwerben ihre erste Immobilie also bis 35.
In Luxemburg (87,8 %), den Niederlanden (85,2 %), dem Vereinigten Königreich (84,6 %) und Ungarn (82,8 %) liegt die Quote sogar über 80 %.
Kein Zusammenhang zwischen Kaufalter und Eigentumsquote
Eine Auswertung von Euronews Business zeigt keinen Zusammenhang zwischen dem durchschnittlichen Ersterwerbsalter und den Eigentumsquoten. Die Altersdaten stammen aus der RE/MAX-Umfrage, die Eigentumsquoten aus Eurostat und der oben gezeigten Grafik.
An der RE/MAX-Befragung nahmen mehr als 21.000 Erwachsene teil; über 13.000 von ihnen beantworteten die Frage nach dem Alter beim ersten Immobilienkauf.
Europa steht nach Angaben der Europäischen Kommission vor einer Wohnungsmarktkrise. Treiber sind stark steigende Immobilienpreise und hohe Wohnkosten.