Die vergangenen drei Jahre waren weltweit die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Strombedarf für Kühlung steigt, in der EU hat er sich in nur sechs Jahren verdoppelt.
Der Juni 2026 war in Westeuropa der heißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen und weltweit der zweitwärmste, wie der Copernicus-Dienst meldet. Global betrachtet waren 2024, 2023 und 2025 – in dieser Reihenfolge – die drei bislang wärmsten Jahre.
Steigende Temperaturen und häufigere Hitzewellen lassen immer mehr Menschen zu Kühlung greifen. Dadurch steigt der Energiebedarf in Europa deutlich. Der Energieverbrauch privater Haushalte für Kühlung hat sich in der EU zwischen 2018 und 2024 verdoppelt.
Doch wie genau verändert sich der Energieverbrauch für Kühlung in Europa? Welche Länder verzeichnen die größten Zuwächse? Und wo macht Kühlung bereits den größten Anteil am Energiebedarf der Haushalte aus?
Der Energieeinsatz der Haushalte für Kühlung in der EU zeigt den Trend deutlich: Er stieg von 40,5 Tausend Terajoule (TJ) im Jahr 2018 auf 80,4 Tausend TJ im Jahr 2024 – ein Plus von 99 Prozent.
Im Jahr 2010 lag der Wert noch bei lediglich 15,5 Tausend TJ. Innerhalb von vierzehn Jahren hat sich der Verbrauch damit um 420 Prozent erhöht.
Starke Zuwächse: Warum hohe Prozentwerte täuschen können
Die Entwicklung zwischen 2018 und 2024 fällt in Europa sehr unterschiedlich aus. Trotzdem erfordern diese hohen Wachstumsraten eine vorsichtige Interpretation.
In manchen Staaten wurde bisher kaum oder gar keine Energie für Kühlung genutzt; nun halten Klimaanlagen und andere Systeme Einzug. Der absolute Verbrauch bleibt zwar niedrig, prozentuale Zuwächse wirken dadurch aber extrem hoch.
In Österreich stieg der Energieverbrauch der Haushalte für Kühlung von 22 TJ im Jahr 2018 auf 253 TJ im Jahr 2024.
Damit verzeichnet Österreich den stärksten Anstieg beim Energieverbrauch für Kühlung in diesem Zeitraum – um mehr als 1.000 Prozent. Unter den EU-Ländern folgt Tschechien mit einem Plus von 244 Prozent. Italien liegt mit 193 Prozent auf Rang drei und zeigt, dass die Nachfrage selbst in einem Land wächst, in dem Klimaanlagen längst weit verbreitet sind.
Auch in Ungarn (171 Prozent), Finnland (163 Prozent), Spanien (127 Prozent), Slowenien (114 Prozent) und Griechenland (103 Prozent) hat sich der Energieverbrauch für Raumkühlung mehr als verdoppelt.
Zusammen mit Italien zeigen vor allem Spanien und Griechenland, wie stark der Kühlbedarf in Südeuropa zunimmt.
Unter den größten Volkswirtschaften der EU verzeichnete Frankreich einen Anstieg um 52 Prozent. In Deutschland blieb der Verbrauch vergleichsweise stabil und legte nur um acht Prozent zu.
Eine Null in der Grafik bedeutet, dass zum Thema Kühlung keine Daten gemeldet wurden – nicht, dass es keinen Anstieg gab.
Kühlung macht in einigen Ländern großen Anteil am Verbrauch aus
Der Anteil der Energie, den Haushalte für Raumkühlung nutzen, unterscheidet sich in Europa stark. Klima und Geografie spielen dabei eine zentrale Rolle.
Im Jahr 2024 lag der EU-Durchschnitt bei nur 0,84 Prozent, also unter einem Prozent.
In einigen Ländern ist Kühlung jedoch ein großer Posten im Haushaltsenergieverbrauch. Zypern liegt mit 16 Prozent an der Spitze; dort entfällt fast ein Sechstel des Energieverbrauchs der Haushalte auf Kühlung. Zweistellige Werte melden auch Malta mit 15 Prozent und Albanien mit 13,4 Prozent, ein EU-Beitrittskandidat.
In Griechenland fließen 7,4 Prozent des Energieverbrauchs der Haushalte in Kühlung. Über zwei Prozent Anteil verzeichnen zudem Nordmazedonien (drei Prozent), Montenegro (2,9 Prozent), Spanien (2,5 Prozent), Italien (2,3 Prozent) und Kroatien (2,1 Prozent).
Italien verbraucht ein Drittel der EU-Energie für Kühlung
Italien weist mit 26,3 Tausend TJ den höchsten Energieverbrauch für Kühlung in der EU auf. Noch wichtiger: Das Land steht für fast ein Drittel des gesamten EU-Verbrauchs, genau 32,7 Prozent.
Spanien liegt beim Anteil und beim absoluten Verbrauch auf Platz zwei – mit 17,8 Prozent und 14,3 Tausend TJ. Griechenland hat mit 14,8 Prozent den dritthöchsten Anteil in der EU und liegt deutlich vor Frankreich mit 11,8 Prozent.
Bezieht man die Beitrittskandidaten ein, verzeichnet die Türkei mit 13,6 Tausend TJ den dritthöchsten Energieverbrauch für Kühlung.
Hitzewellen im Juni 2026 treiben Stromnachfrage und Preise nach oben
Der wachsende Kühlbedarf verändert den europäischen Strommarkt bereits spürbar.
Bei den Hitzewellen im Juni 2026 ist der Strombedarf in den vier größten Volkswirtschaften der EU deutlich gestiegen, am stärksten in Frankreich. Nach Angaben des französischen Netzbetreibers RTE erhöht sich die Stromnachfrage pro zusätzlichem Grad Celsius typischerweise um 0,7 bis ein Gigawatt; an den heißesten Tagen entfallen davon schätzungsweise zehn bis vierzehn Gigawatt allein auf Kühlung.
Die höhere Nachfrage ließ die Großhandelspreise für Strom stark steigen. In Deutschland kletterten sie auf über 200 Euro je Megawattstunde (MWh), in Frankreich lagen sie bei fast 160 Euro/MWh, in Spanien überstiegen sie 110 Euro/MWh. Der Preissprung hing nicht nur mit dem gestiegenen Kühlbedarf zusammen. Gleichzeitig war das Angebot begrenzt, weil in Deutschland wenig Windstrom erzeugt wurde und Frankreich seine Atomproduktion vorübergehend einschränkte, ausgelöst durch ungewöhnlich warmes Flusswasser. Sprünge der Großhandelspreise schlagen sich nicht sofort auf die Stromrechnungen der Haushalte nieder. Halten sie jedoch länger an, steigen mit der Zeit auch die Endkundenpreise.
Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt
Europa ist der Kontinent mit der schnellsten Erwärmung; die Temperaturen steigen hier doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Nach Daten der FAO lagen die zehn Staaten mit den stärksten Temperaturanstiegen im Jahr 2023 sämtlich in Europa – ein Zeichen für die wachsenden Folgen des Klimawandels auf dem Kontinent.