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Neun Punkte für Europas Unternehmer vor dem Schritt ins digitale Nomadentum

Zwei Unternehmerinnen arbeiten zusammen
Zwei Unternehmerinnen arbeiten zusammen Copyright  Vitaly Gariev/ Pexels
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Von Indrabati Lahiri
Zuerst veröffentlicht am
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Wer als digitale Nomadin oder digitaler Nomade arbeiten will, sollte vorab zentrale Punkte zu Steuern, Finanzen und Cybersicherheit kennen.

Der Lebensstil digitaler Nomaden hat in den vergangenen Jahren einen enormen Boom erlebt.

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Nach Angaben der Plattform Expatnetwork stieg die Zahl der weltweiten Google-Suchanfragen nach „Digital-Nomaden-Visa“ im Jahr 2024 um 1.135 %.

Mehr Freiheit, mehr Flexibilität und neue Chancen rund um den Globus: Kein Wunder, dass viele europäische Angestellte im Homeoffice und auch Unternehmerinnen und Unternehmer möglichst schnell an den nächsten laptopfreundlichen Strand wollen.

Für Unternehmerinnen und Unternehmer ist ein solcher Schritt jedoch alles andere als spontan. Er verlangt sorgfältige Planung und eine klare Strategie. Dazu gehört alles: die passende Visa-Kategorie, ein Verständnis der steuerlichen Folgen, eine solide Finanzplanung und der Abschluss der richtigen Versicherungen.

Euronews Business fasst die neun wichtigsten Punkte zusammen, die europäische Unternehmerinnen und Unternehmer, insbesondere Inhaber kleiner Firmen, vor dem Schritt in ein komplett digitales Nomadenleben beachten sollten.

Passendes Visum wählen

Der erste Schritt auf dem Weg ins Ausland als digitale Nomadin oder digitaler Nomade: gründlich recherchieren, welches Land am besten zur aktuellen Phase Ihres Unternehmens passt – und zu Ihrem Lebensstil sowie Ihren langfristigen Zielen.

Das bedeutet auch, die richtige Visa-Kategorie zu finden. Mehrere Länder wie Brasilien, Costa Rica, Thailand und Indonesien bieten spezielle Visa für digitale Nomaden an. Andere Staaten wie Australien oder Japan verbieten Erwerbsarbeit mit einem normalen Touristenvisum weiterhin strikt.

„Bevor Sie den Flug buchen, sollten Sie prüfen, ob Ihr Wunschziel ein spezielles Visum für Unternehmerinnen und Unternehmer anbietet – und welche Voraussetzungen gelten“, riet Alex Miles, Chief Operating Officer des Firmenkreditkartenanbieters Capital on Tap. „Informieren Sie sich über Mindest­einkommen, maximale Aufenthaltsdauer und darüber, ob Sie das Visum verlängern können, falls Sie länger bleiben möchten.“

Steuerliche und rechtliche Folgen verstehen

Steuerliche Pflichten und rechtliche Fragen gehören zu den wichtigsten Punkten beim Umzug ins Ausland mit einem eigenen Unternehmen. Wer sie ignoriert, riskiert doppelte Steuerzahlungen in zwei Staaten, was die Gewinnmargen massiv drücken kann, oder hohe Kosten für Anwältinnen und Anwälte, Strafen und Probleme mit der Compliance.

„Ein Umzug ins Ausland kann sowohl Ihren persönlichen Steuerstatus als auch die rechtlichen Pflichten Ihres Unternehmens verändern. Je nach Zielland und Aufenthaltsdauer kann es sein, dass Sie in mehr als einem Land steuerpflichtig werden“, erklärte Miles.

„Vor dem Umzug lohnt sich ein Gespräch mit einer Steuerberaterin, einem Steuerberater oder einer spezialisierten Rechtsanwältin. Diese Fachleute können erklären, wie Doppelbesteuerungsabkommen funktionieren, ob sich Ihr Steuerwohnsitz ändert und welche Meldepflichten Sie künftig erfüllen müssen“, fügte er hinzu.

Finanzen auf internationale Ausgaben vorbereiten

Ein weiterer zentraler Punkt ist ein durchdachtes Finanzmanagement für Ausgaben im Ausland.

Dazu gehören neue Geschäftskonten, mögliche Kredite im Ausland und der Test verschiedener Zahlungs­lösungen, um herauszufinden, welches Angebot am besten zu Ihrem Unternehmen passt.

„Nutzen Sie möglichst Geschäftskonten und Bezahllösungen mit günstigen Wechselkursen, niedrigen Auslandsgebühren und Unterstützung für mehrere Währungen“, sagte Miles. „Wenn Sie private und geschäftliche Finanzen strikt trennen, wird Buchhaltung, Budgetplanung und Steuererklärung deutlich einfacher.“

Geeigneten Arbeitsplatz und Internetzugang sichern

Die Wahl eines zuverlässigen Internetanschlusses und eines passenden Arbeitsplatzes wirkt auf den ersten Blick selbstverständlich. In der Praxis unterschätzen viele jedoch, wie stark diese Faktoren über reibungslose, effiziente und verlässliche Abläufe entscheiden.

Ein ungeeigneter Arbeitsplatz und eine instabile Verbindung erzeugen schnell unnötigen Stress und Reibung – gerade in den ersten Tagen in einem neuen Land, wenn ohnehin viele Umstellungen anstehen.

„Bevor Sie sich für ein Ziel entscheiden, prüfen Sie die verfügbaren Internetgeschwindigkeiten, die Netzabdeckung für mobiles Datenvolumen und das Angebot an Coworking-Spaces, falls Sie nicht von Zuhause aus arbeiten wollen“, so Miles.

Versicherungsschutz gründlich prüfen

Versicherungen geraten häufig ebenfalls in den Hintergrund. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer schieben das Thema auf, statt es mit hoher Priorität anzugehen.

Fehlender oder unpassender Schutz kann im Ernstfall jedoch deutlich teurer werden als gedacht.

Viele gehen zudem davon aus, dass eine normale Reiseversicherung längeres Arbeiten aus der Ferne, teure Geschäftsausrüstung oder geschäftliche Aktivitäten automatisch abdeckt. Das trifft häufig nicht zu.

„Vergleichen Sie die Anbieter genau und stellen Sie sicher, dass Reise-, Kranken- und Geschäftsversicherungen zu Ihrem Bedarf passen“, erklärte Miles. „Ein umfassender Schutz bewahrt Sie vor unerwarteten Kosten, etwa bei medizinischen Notfällen, verlorenem oder gestohlenem Equipment oder Betriebsunterbrechungen, die sonst sehr teuer werden können.“

Zeitverschiebungen einkalkulieren

Viele digitale Unternehmerinnen und Unternehmer unterschätzen die Belastung durch unterschiedliche Zeitzonen beim Umzug ins Ausland. Die Folgen können gravierend sein – für den laufenden Betrieb ebenso wie für die mentale und körperliche Gesundheit.

„Sie sollten im Voraus überlegen, wie Sie Meetings, Fristen und die tägliche Kommunikation organisieren“, warnte Miles. „Wer etwa nach Australien zieht, muss mit einer Zeitverschiebung von acht bis elf Stunden rechnen, je nach Jahreszeit. Frühmorgendliche oder sehr späte Telefonate können dann schnell zum Alltag werden.“

„Fragen Sie sich daher vor der Entscheidung für ein Land, ob Ihr Unternehmen diese Arbeitszeiten realistisch abbilden kann“, ergänzte er.

Geräte und Daten schützen

Angesichts der starken Zunahme von Cyberangriffen und Datenlecks weltweit ist ein möglichst hoher Schutz für Geräte und Daten unverzichtbar. Das gilt besonders, wenn Sie kein festes Büro oder dauerhaftes Homeoffice haben und häufig den Arbeitsplatz wechseln.

„Arbeiten auf Distanz bedeutet oft, dass Sie öffentliche WLAN-Netze nutzen. Das erhöht die Risiken für die IT-Sicherheit“, sagte Miles. „Schützen Sie Ihr Unternehmen mit einem VPN, aktivieren Sie Mehrfaktor­authentifizierung für alle Geschäftskonten, aktualisieren Sie Ihre Geräte regelmäßig und vermeiden Sie es, sensible Daten über ungesicherte Netzwerke abzurufen.“

Notfallrücklagen nicht vergessen

Ein Umzug ins Ausland, ob als digitale Unternehmerin, digitaler Unternehmer oder aus anderen Gründen, verläuft selbst unter idealen Bedingungen oft chaotisch und unvorhersehbar.

Eine finanzielle Sicherheitsreserve ist daher Pflicht – besonders, wenn Sie unvorhergesehene Ausgaben nicht aus der Firmenkasse decken wollen.

„Unerwartete Kosten, etwa durch Visaverzögerungen, medizinische Notfälle oder kurzfristige Änderungen bei der Unterkunft, summieren sich schnell“, sagte Miles. „Ein finanzieller Puffer stellt sicher, dass Ihr Cashflow stabil bleibt und Ihr Geschäft nicht durch private Reiseprobleme ins Stocken gerät.“

Langfristige Umsatzstabilität und Geschäftskontinuität planen

All diese Punkte sind wichtig, damit Ihr Unternehmen im Ausland als digitales Nomadenprojekt gesund und profitabel bleibt. Noch entscheidender ist jedoch, die langfristige Vision und die strategischen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

„Arbeiten im Ausland bringt viel Flexibilität und neue Inspiration“, sagte Miles. „Trotzdem dürfen Sie die Geschäftskontinuität nicht vernachlässigen. Überlegen Sie, wie sich schwankende Kundennachfrage, veränderte Zahlungszyklen oder Arbeitszeiten außerhalb Ihrer gewohnten Marktöffnungszeiten auf Ihre Einnahmequellen auswirken könnten.“

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