In Großbritannien ist die Inflation im Juni gesunken. Die Bank of England hält den Zins stabil, Spannungen im Nahen Osten und Energiepreise bleiben unsicher.
Die Bank of England hat ihren Leitzins am Donnerstag zum fünften Mal in diesem Jahr unverändert bei 3,75 Prozent gelassen. Der stärker als erwartet ausgefallene Rückgang der Inflation im Vormonat verschafft den geldpolitischen Entscheidungsträgern Luft, um die Folgen der wieder aufgeflammten Kämpfe im Iran zu beurteilen.
Die Zinsen liegen damit auf dem niedrigsten Stand seit Januar 2023. Fachleute waren mehrheitlich davon ausgegangen, dass die Notenbank die Konditionen trotz des Inflationsrückgangs im Juni unverändert lässt.
Die Inflation hat zuletzt nachgelassen. Zugleich schüren die neuen Spannungen zwischen Iran und den USA im Nahen Osten Sorgen vor wieder steigenden Energiepreisen.
Geldpolitischer Ausschuss der Bank gespalten bei Zinspolitik
Der geldpolitische Ausschuss der Bank stimmte mit sechs zu drei Stimmen dafür, den Leitzins bei 3,75 Prozent zu belassen. Das entsprach den Prognosen der meisten Ökonomen. Die Währungshüter halten den Satz seit Dezember auf diesem Niveau, nachdem sie im Jahr 2025 viermal gesenkt hatten.
Die knappe Entscheidung macht deutlich, wie groß die Spannungen zwischen Notenbanken weltweit sind. Sie ringen darum, wie sie auf die hartnäckig hohe Inflation und die Sorge reagieren sollen, dass der Krieg im Iran eine weitere Preisrunde auslöst.
Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch ihren Leitzins weiter in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent gehalten. Fed-Chef Kevin Warsh erklärte, die Zentralbank „wird nicht zögern zu handeln“, um die Inflation in Schach zu halten.
„Die Märkte rechnen in Großbritannien in diesem Jahr mit mindestens einem weiteren Zinsschritt. Daran ändert sich nichts, wenn heute drei Ausschussmitglieder für eine Anhebung stimmen und die Lage im Nahen Osten den Druck nicht mindert“, schrieb Richard Carter, Leiter der Zinsanalyse beim Vermögensverwalter Quilter Cheviot, in einer E-Mail.
Er fügte hinzu: „Die neue Regierung hat die Lebenshaltungskosten zu ihrer Priorität Nummer eins erklärt. Erste Maßnahmen dürften die Inflation leicht dämpfen, aber nicht genug, um bei den Zinsen einen großen Unterschied zu machen.“
Inflation im Vereinigten Königreich sinkt, geopolitische Spannungen bleiben
Die Verbraucherpreise im Vereinigten Königreich stiegen in den zwölf Monaten bis Juni um 2,6 Prozent, nach 2,8 Prozent im Vormonat. Das geht aus neuen Daten des Statistikamts ONS hervor. Der Rückgang fiel stärker aus als von Ökonomen erwartet, doch die Teuerung liegt nun den 21. Monat in Folge über dem Inflationsziel der Bank von 2 Prozent.
Erneute Angriffe der Vereinigten Staaten und Irans im Nahen Osten haben die Ölpreise in diesem Monat in die Höhe getrieben. Hintergrund sind Sorgen vor Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, über die vor Ausbruch des Kriegs rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs und des Handels mit Flüssigerdgas liefen.
Das Referenzöl Brent, das als globaler Maßstab für die Ölpreise gilt, kletterte am 23. Juli auf mehr als 100 Dollar (87,2 Euro) je Barrel. Drei Wochen zuvor hatte der Preis noch unter 71 Dollar (61,9 Euro) gelegen, nachdem die Waffenruhe zwischen den USA und Iran zusammengebrochen war. Am Donnerstag wurde Brent bei rund 91 Dollar (79,3 Euro) je Barrel gehandelt.
In Großbritannien beobachten Ökonomen zudem genau, welche Steuer- und Ausgabenpolitik der neue Premierminister Andy Burnham verfolgt. Sie wollen einschätzen, ob seine Versuche, Verbraucher vor steigenden Preisen zu schützen und das Wachstum anzukurbeln, die Inflation zusätzlich anheizen könnten.