Die anhaltende Krise im Nahen Osten treibt die Energiepreise in Großbritannien und weiten Teilen Europas nach oben und belastet Haushalte mit höheren Lebenshaltungskosten.
Die Löhne in Großbritannien sind im Juni weiter gesunken. Beschäftigte geraten zunehmend unter Druck, weil die Lebenshaltungskosten steigen – ausgelöst durch die wirtschaftlichen Folgen des andauernden Iran-Kriegs.
Nach offiziellen Daten des Statistikamts ONS lag das jährliche Wachstum der durchschnittlichen Verdienste einschließlich Prämien in den drei Monaten bis Juni 2026 bei 4,1 %. Zuvor waren es in den drei Monaten bis Mai noch 4,3 %. Damit übertraf der Wert die Erwartung vieler Analysten von 4 %.
Die jährliche Zuwachsrate der durchschnittlichen Verdienste ohne Prämien belief sich im gleichen Zeitraum auf 3,5 %.
Im öffentlichen Dienst stiegen die regulären Jahresverdienste im Schnitt um 6,1 %. Der Wert bleibt von unterschiedlichen Zeitpunkten der diesjährigen Tarifabschlüsse geprägt. Im Privatsektor lag das Plus bei 2,8 %.
Parallel dazu kämpfen Haushalte im Vereinigten Königreich mit steigenden Lebenshaltungskosten infolge des Konflikts im Nahen Osten. Neue Zahlen, die am Mittwoch veröffentlicht werden sollen, dürften zeigen, dass höhere Energierechnungen die Inflation zuletzt auf fast 3 % getrieben haben.
Auch die Wasserrechnungen dürften steigen. In weiten Teilen des Landes herrscht derzeit Dürre, und die Wasseraufsichtsbehörde Ofwat prüft die Einführung eines „surge pricing“ für Wasserverbrauch in Trockenperioden. Kommt es dazu, müssten Verbraucher im Sommer deutlich mehr für Wasser zahlen, während die Rechnungen im Winter voraussichtlich sinken.
Wer einen bestimmten Verbrauchswert überschreitet, könnte ebenfalls einen Aufschlag zahlen müssen.
Die Bank of England erwägt zudem, den Leitzins bereits ab September anzuheben. Sie will verhindern, dass die hartnäckig hohe Teuerung sich dauerhaft in der Wirtschaft festsetzt.
Die aktuelle Lage zeigt, vor welcher Bewährungsprobe die neue Regierung von Andy Burnham steht. Sie muss die finanzielle Belastung für Unternehmen und Privathaushalte senken – und das noch vor einem vermutlich schwierigen Herbsthaushalt.
Großbritannien: Zahl offener Stellen sinkt – möglicher „Burnham-Effekt“
Die Zahl der offenen Stellen im Vereinigten Königreich fiel im Zeitraum Mai bis Juli 2026 auf 707.000. Vorläufige Schätzungen deuten auf einen Rückgang um 6.000 oder 0,8 % gegenüber Februar bis April hin.
Die Schätzungen zu offenen Stellen gingen in 9 von 18 Branchen im Quartal Mai bis Juli zurück. Am stärksten war der Rückgang im Gesundheits- und Sozialwesen mit 5.000 weniger ausgeschriebenen Stellen sowie im Bildungsbereich mit einem Minus von 4.000.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm in den drei Monaten bis Juni im Jahresvergleich um 86.000 beziehungsweise 0,3 % ab. Gegenüber dem Vorquartal waren es 37.000 oder 0,1 % weniger.
„Kleinunternehmen, das Lebenselixier der britischen Wirtschaft, geraten unter dem Druck steigender Kosten ins Wanken. Änderungen im Arbeitsrecht haben es zudem immer schwieriger gemacht, das Risiko einzugehen und neue Leute einzustellen“, erklärte Danni Hewson, Leiterin der Finanzanalyse bei AJ Bell, in einer E-Mail-Mitteilung.
„Die kräftigen Lohnsprünge im öffentlichen Dienst und der Zeitpunkt dieser Erhöhungen prägen weiterhin die ausgewiesenen Wachstumsraten bei den Löhnen, die in den drei Monaten bis Juni leicht zugelegt haben“, fügte sie hinzu.
„Das werden die Zinshüter der Bank of England im Blick haben, wenn sie sich im kommenden Monat zur Zinsentscheidung treffen.“