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Warum sorgen FIFAs Trinkpausen bei der WM für so viel Ärger?

Empörung über FIFAs Trinkpausen bei der WM: Worum geht es?
Warum sorgen FIFAs Trinkpausen bei der WM für so viel Ärger? Copyright  AP Photo - Canva
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Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Jedes WM-Spiel wird wegen neuer angesetzter Trinkpausen unterbrochen. FIFA hat sie angeordnet, die Fans pfeifen. Was steckt dahinter?

Die Weltmeisterschaft hat bereits viele fröhliche Momente geliefert, aber auch eine beeindruckende Serie von Skandalen.

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Von japanischen Fans, die die Stadien aufräumen über schottische Essenswünsche bis hin zu Erling Haaland als Publikumsliebling – es gab viele virale Szenen rund um das Turnier. Im Zentrum des Widerstands steht jedoch FIFA-Präsident Gianni Infantino.

Er verteidigte die exorbitanten Ticketpreise, die die WM wie ein elitäres Chaos wirken lassen. Für Stirnrunzeln sorgte auch die angebliche politische Neutralität der FIFA, als Infantino den ersten FIFA-Friedenspreis an Donald Trump verlieh. Zudem jettet er mit dem Privatflugzeug zu bis zu zwei Spielen pro Tag und trägt damit zu dem bei, was das New Weather Institute (Quelle auf Englisch) als „das umweltschädlichste Event aller Zeiten“ bezeichnet.

Dazu kam sein völlig unsensibler Rat, alle sollten „chillen“, nachdem der somalische Schiedsrichter Omar Artan kein Visum für die USA erhalten hatte. Und erst vor Kurzem kündigte Infantino an, dass Donald Trump bei Finale am 19. Juli den WM-Pokal an die Sieger überreichen wird. Die Kontroversen reißen nicht ab – im Gegenteil, die Liste wird länger.

Ein besonders nerviges Thema, das immer mehr Fahrt aufnimmt, sind die umstrittenen „Hydration Breaks“ in diesem Jahr.

Viele Zuschauerinnen und Zuschauer haben die neue Regel längst bemerkt: In jeder Halbzeit gibt es verpflichtende Unterbrechungen zur Mitte der Spielzeit. Offiziell sollen sie der Gesundheit der Spieler dienen, doch längst nicht alle lassen sich davon überzeugen.

Niemand bestreitet, dass der Schutz der Profis bei hohen Temperaturen wichtig ist. Viele fragen aber, warum es dafür ein Vier-Viertel-Format braucht, das eher zu US-Sportarten passt – zumal so viele Stadien ohnehin Dächer und Klimaanlagen haben.

Gianni Infantino
Gianni Infantino AP Photo

Lautstarke Pfiffe begleiten die neuen Pausen und häufen sich von Spiel zu Spiel. Nicht nur die Fans stören sich an den Unterbrechungen, auch Spieler und Trainer sprechen offen darüber, wie stark die neue Struktur den Rhythmus verändert.

Der Niederländer Virgil van Dijk kritisierte die Einführung nach dem 2:2 der Niederlande gegen Japan im klimatisierten AT&T Stadium in Arlington, Texas, am 14. Juni.

„Die Trinkpausen sind eine interessante Sache. Ich habe bis heute fast alle Spiele geschaut, und jedes Mal, wenn es in die Werbung geht, gefällt mir das nicht wirklich“, sagte van Dijk. „Ich glaube auch, dass es für neutrale Zuschauer vor dem Fernseher nicht ideal ist. Wenn es wirklich heiß ist, sind solche Pausen natürlich gut. Aber man muss es aus meiner Sicht bei jedem Spiel einzeln bewerten. Ich denke, ich habe dazu schon genug gesagt.“

Uruguays Nationaltrainer Marcelo Bielsa kritisierte die Hydration Breaks vor der Partie Uruguay gegen Kap Verde am 21. Juni mit den Worten: „Dem allgemeinen Verständnis nach verändert das Spielen in vier Abschnitten statt in zwei Halbzeiten die kulturell gewachsene Vorstellung davon, wie man Fußball begreift. Aus meiner Sicht bringt das nichts und nimmt dem Spiel sehr viel.“

Auch Englands Cheftrainer Thomas Tuchel räumte ein, dass er kein Freund der Pausen ist. „Sie unterbrechen das Spiel und verändern die Identität eines Fußballmatches viel stärker, als ich gedacht hätte. Ich hatte früher schon Trinkpausen, wenn es wirklich, wirklich heiß und notwendig war, aber die waren kürzer. Jetzt wird die Partie fast in vier Viertel zerteilt. Das verändert den Charakter des Spiels mehr, als ich erwartet hatte.“

„Insgesamt mag ich Fußball lieber, wenn eine Halbzeit in einem Rutsch durchgespielt wird, weil sich dann ein Momentum aufbaut“, fügte er hinzu. „Es ist schwer, dieses Momentum aufzubauen und zu halten, wenn ständig Pausen dazwischen liegen.“

Emma Hayes, Cheftrainerin des US-Frauen-Nationalteams und während des Turniers Expertin für den britischen Sender ITV, hält das Timing der Hydration Breaks für ein zweischneidiges Schwert.

„Sie sind ein Vorteil für das Team, das gerade sein Momentum verliert – deshalb nenne ich sie Momentum-Pausen“, sagte sie. „Wenn man am Drücker ist, will man sie nicht. Wenn man hintenliegt, schon.“

Gianni Infantino
Gianni Infantino AP Photo

Die FIFA begründet ihre Entscheidung, in allen 104 Partien Trinkpausen einzuführen – unabhängig von der Temperatur im jeweiligen Stadion –, mit dem Wunsch nach Einheitlichkeit im gesamten Turnier.

Zugleich werfen viele Kritiker Infantino vor, dass aus ihrer Sicht vor allem finanzielle Interessen hinter dieser Entscheidung stehen. Ihrer Meinung nach dienen die Pausen vor allem dazu, versteckt zusätzliche Werbung unterzubringen.

Tatsächlich schaltet der Schiedsrichter in jeder Halbzeit nach 22 Minuten zur Unterbrechung, und die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Hause bekommen entweder einen geteilten Bildschirm oder eine komplette Werbeeinblendung zu sehen.

Handelt es sich also um einen schamlosen Versuch, noch mehr Geld aus der WM zu pressen?

Infantino widerspricht dem und betont, die FIFA nehme durch die zusätzlichen Werbeblöcke kein Extra-Geld ein.

„Für die FIFA gibt es dadurch keine zusätzlichen Einnahmen, alle kommerziellen Verträge wurden lange im Voraus abgeschlossen“, sagte er. „Für uns ist das kein finanzielles Thema. Für uns geht es ausschließlich um den Sport.“

Die Proteste ebben dennoch nicht ab. Die Fans sind unzufrieden, und immer mehr Stimmen weisen darauf hin, dass die Pausen den Sendern zusätzliche Werbefenster eröffnen.

„Unnötiger Kapitalismus“, „offensichtliche Zerstückelung des Spiels für mehr Werbeeinnahmen“, „noch ein Grund, Infantino und den Kommerz im Fußball abzulehnen“ – so lauten einige der viel geteilten Kommentare in den sozialen Netzwerken. Kaum jemand nimmt Infantinos Verteidigung noch ab, die Kritik wächst weiter.

Hier einige Reaktionen:

Unbeeindruckt davon kündigt der amtierende Chef der FIFA an, dass der Verband die Beibehaltung der Hydration Breaks auch für kommende Weltmeisterschaften prüfen wird – trotz allem Gegenwind. Wenn die Verantwortlichen sich erwartungsgemäß dafür entscheiden, werden die TV-Sender bei den Verhandlungen um die Live-Rechte kaum zu bremsen sein.

Etwas Hoffnung macht Fußballfans allerdings die Reaktion der UEFA.

Der europäische Fußballverband hat Hydration Breaks ausgeschlossen und bestätigt, dass es in der Champions League und bei der Europameisterschaft 2028 keine Abkehr von den traditionellen, durchgespielten zwei Halbzeiten geben wird.

Bis dahin machen immerhin manche das Beste daraus:

Die WM 2026 (mit ihren Werbepausen) findet in den USA, Kanada und Mexiko statt und dauert noch bis zum 19. Juli.

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