Bei einer roten Karte bei der WM verpasst man normalerweise das nächste Spiel – es sei denn, Donald Trump mischt sich ein: Nach seinem Anruf bei Gianni Infantino hob die FIFA die Sperre für den US-Starstürmer auf, weltweit sorgt das für Kritik.
„Schande über euch!“
So reagierte die sozialistische Oppositionspartei in Belgien – ein Clip, der inzwischen viral geht – auf die FIFA-Entscheidung, die Rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun zurückzunehmen. Ausgelöst hatte sie ein persönlicher Anruf von Donald Trump beim FIFA-Präsidenten Gianni Infantino.
Eigentlich hätte Balogun das heutige Achtelfinalduell gegen Belgien verpasst. Er war im Sechzehntelfinale vom Platz gestellt worden, nachdem er dem bosnischen Verteidiger Tarik Muharemovic auf den Fuß getreten war. Die USA hatten diese Partie mit zwei zu null gewonnen.
Doch nach nur einem Telefonat scheint nun Trump das Sagen zu haben.
„Danke an die FIFA, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht hat!“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Das kam gar nicht gut an.
„Schande über euch! Wenn das Geld das Sagen hat, verliert die Fußball-WM jede Glaubwürdigkeit“, erklärte die Sozialistische Partei Belgiens. „Die Regeln zu verbiegen, um Trump zufriedenzustellen, zu versuchen, sich den Sieg zu erschleichen – welch erbärmliches Bild für die FIFA, für die Fußball-Weltmeisterschaft und für die Vereinigten Staaten. Regeln müssen für alle gelten, im Sport wie im Leben.“
Yvan Verougstraete, Mitglied des Europäischen Parlaments und Präsident der frankophonen Zentrumspartei Les Engagés, reagierte ebenfalls auf die Entscheidung: „Erstaunlich, wie eine Rote Karte plötzlich ‚ungerecht‘ wird, sobald Trump sich einschaltet ... Die FIFA muss Fairness verteidigen und darf nicht den Eindruck erwecken, politischem Druck nachzugeben.“
Er fügte hinzu: „Wir sehen uns auf dem Platz: Ein Sieg der Roten Teufel wäre dann umso wertvoller.“
Der belgische Fußballverband RBFA zeigte sich „fassungslos“ über die Entscheidung. Sie stehe „in direktem Widerspruch“ zum Wettbewerbsreglement, man prüfe nun „alle möglichen Optionen“.
Belgiens Nationaltrainer Rudi Garcia äußerte sich ebenfalls: „Soweit ich mich erinnere, ist das das erste Mal in der Geschichte einer Weltmeisterschaft, dass eine solche Entscheidung getroffen wird. Ich bin aber der Trainer und konzentriere mich auf meine Mannschaft und das Spiel – egal, wer in der Startelf der USA steht. Für mich zählen der Platz, mein Team, der Sieg und der Einzug ins Viertelfinale.“
Garcia ergänzte: „Ich wusste nicht, dass bei der Weltmeisterschaft der fünfte Juli eigentlich der erste April ist. Es ist ein Aprilscherz.“
Im Netz folgte prompt das Urteil – inklusive KI-generierter Memes.
MAGA-Anhänger begrüßen den Schritt und feiern die „Trump-Karte“. Viele andere reagieren wütend und sagen, ein möglicher WM-Titel der USA werde „für immer infrage stehen – danke, Trump“.
Viele Nutzer bezeichnen Infantino offen als korrupt. Sie verweisen darauf, dass die angebliche politische Neutralität der FIFA unter dem amtierenden Präsidenten endgültig verspielt sei – jenem Mann, der den ersten Friedenspreis der FIFA an Donald Trump verliehen hat.
„Die korrupteste FIFA-Weltmeisterschaft aller Zeiten“, schrieb ein Nutzer, während ein anderer postete: „Das ist vermutlich der größte Skandal in der Geschichte der Weltmeisterschaft.“
Manche fordern inzwischen sogar, das Spiel USA gegen Belgien komplett zu boykottieren.
Hier eine Auswahl der meistdiskutierten Reaktionen:
USA gegen Belgien findet morgen früh um zwei Uhr MEZ statt.