Das Museo del Prado zeigt ‚El Prado a la luz del eclipse‘, ein KI-basiertes Digitalprojekt, das den Einfluss eines Sonnenfinsternisses auf seine berühmtesten Gemälde sichtbar macht.
Wie würde Velázquez’ Meisterwerk „Las Meninas“ aussehen, wenn es im Halbdunkel einer Sonnenfinsternis liegt? Was passiert mit den Farben, Schatten und der Atmosphäre der großen Meisterinnen und Meister der Malerei, wenn sich das Licht abrupt und grundlegend verändert?
Das Museo Nacional del Prado greift diese Fragen anlässlich der Sonnenfinsternis am zwölften August 2026 auf und präsentiert ein spektakuläres Video, das dazu einlädt, seine Sammlungen aus einer völlig neuen Perspektive neu zu entdecken.
Neue Perspektive auf die Meisterwerke
Das Projekt mit dem Titel „El Prado a la luz del eclipse“ zeigt eine schrittweise Veränderung der Beleuchtung einiger der emblematischsten Gemälde der berühmten Gemäldegalerie. Über diesen Lichtwechsel macht das Video sichtbar, wie kleine Änderungen der Beleuchtung die Wahrnehmung von Farben, Formen und Atmosphäre eines Bildes grundlegend verändern können und Details sowie Nuancen hervorholen, die im Alltagslicht verborgen bleiben.
Die Idee ist nicht nur ein ästhetisches Experiment. Der Prado versteht sie auch als Instrument der kulturellen Vermittlung, das seine Sammlungen neuen Zielgruppen näherbringen soll – besonders Menschen, die Museen sonst selten besuchen – und zwar über ein leicht zugängliches, visuell eindrucksvolles audiovisuelles Format.
Im Video erscheinen folgende Werke im veränderten Sonnenlicht:
eins. „Las Meninas“. Diego Rodríguez de Silva y Velázquez
zwei. „La Vista“. Peter Paul Rubens; Jan Brueghel der Ältere
drei. „El embarco de santa Paula Romana“. Claude Lorrain
vier. „Autorretrato“. Albrecht Dürer
fünf. „El quitasol“. Francisco de Goya y Lucientes
sechs. „La Canal de Mancorbo en los Picos de Europa“. Carlos de Haes
sieben. „La fragua de Vulcano“. Diego Rodríguez de Silva y Velázquez
acht. „La rendición de Bailén“. José Casado del Alisal
neun. „El sueño de Jacob“. José de Ribera
zehn. „El nacimiento del Sol y el triunfo de Baco“. Corrado Giaquinto
elf. „La pradera de San Isidro“. Francisco de Goya y Lucientes
Künstliche Intelligenz im Dienst der Kunst
Die Produktion entstand im Studio AMB Piensa durch eine Kombination aus künstlicher Intelligenz, digitaler Gestaltung und klassischer grafischer Arbeit. Technisch kamen Videogenerierungsmodelle zum Einsatz, die Tiefe nachbilden, Kamerabewegungen simulieren und den Fortschritt der Finsternis über die in jeder Arbeit dargestellten Szenen präzise rekonstruieren.
Die Werkzeuge der künstlichen Intelligenz halfen dabei, komplexe visuelle Anweisungen zu entwerfen und zu verfeinern: die allmähliche Entwicklung des Lichts, das Auftauchen von Schatten und Reflexen oder die Wirkung der zunehmenden Verdunkelung auf Figuren, Landschaften und Architekturdetails. Der Prozess lief jedoch nicht vollständig automatisiert ab. Fachleute prüften und korrigierten jede Sequenz von Hand, um Komposition, Maltechnik und den ursprünglichen Charakter der Gemälde zu bewahren und sicherzustellen, dass der technologische Eingriff den Geist der Werke nicht verfälscht.
Kunst, Technologie und Himmelsereignis
Am kommenden zwölften August erlebt Spanien eines der meist erwarteten astronomischen Ereignisse der letzten Jahre: eine Sonnenfinsternis, die in großen Teilen des Festlands sichtbar sein wird und bei Bevölkerung und Medien eine bisher beispiellose Erwartungshaltung auslöst.
Mit seinem Projekt mischt sich das spanische Museum in die Debatte ein und geht über reine Wissenschaftskommunikation hinaus. Es verwandelt sie in eine künstlerische und emotionale Erfahrung. Denn die große Frage hinter dem Projekt ist in Wahrheit sehr alt: Wie stark hängt das, was wir in einem Kunstwerk sehen, von dem Licht ab, in dem wir es betrachten?
Mit dieser Initiative bekräftigt das Museum seinen Anspruch, über Innovation den Kontakt zum Publikum von heute zu suchen. Es lotet aus, welche Möglichkeiten neue Technologien bieten, um die Deutung des künstlerischen Erbes zu vertiefen, ohne auf wissenschaftliche Genauigkeit und Respekt vor den Originalwerken zu verzichten.