Laut einer Studie könnten sexuelle Kontakte in schwulen Saunen in Lyon die Ansteckung ausgelöst haben.
Die Dermatophilose, eine bakterielle Zoonose, ist beim Menschen selten. Bisher haben Ärzte sie fast nur bei Landwirten oder Reitern beschrieben, die mit infizierten Pferden oder Rindern in Kontakt standen.
In Frankreich und Spanien wurden jetzt von Januar bis Juni 2026 rund 40 Fälle registriert, davon etwa 30 Fälle in Lyon.
Ein Team von Epidemiologen der "Hospices civils de Lyon" (HCL) hat Anfang Juni in der US-Fachzeitschrift Emerging Infectious Diseases eine Studie (Quelle auf Englisch)zu den Fällen veröffentlicht. Demnach könnte sich Dermatophilose, auch als „gale de boue“ bekannt, durch sexuellen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen.
Die Studie konzentriert sich auf neun Patienten, die in Kliniken in Lyon vorstellig wurden. Sieben von ihnen berichteten von sexuellen Kontakten in Lyoner Gay-Saunas, teils in denselben Einrichtungen, in den Tagen vor dem Auftreten der Hautläsionen.
Zwar konnten die Forschenden keine direkte Verbindung zwischen den Mitgliedern dieses Clusters nachweisen. Sie halten jedoch fest, dass „die genetische Ähnlichkeit der Erreger und die gemeinsamen sexuellen Expositionen stark auf eine sexuelle Übertragung dieser zoonotischen Bakterien von Mensch zu Mensch hindeuten“. Bei allen Betroffenen handelt es sich um „Männer, die in Lyon und Paris Sex mit Männern haben“.
Behandlung mit Antibiotika
Die Betroffenen entwickelten Pusteln und Krusten auf der Haut, vor allem im Genitalbereich, am Rumpf, um den Mund und an den unteren Extremitäten.
Bei Tieren können solche oberflächlichen Hautveränderungen in eine ausgedehnte, potenziell tödliche Erkrankung übergehen. In dieser Fallserie musste jedoch kein Patient ins Krankenhaus. Eine einfache Behandlung mit Antibiotika, „manchmal in Kombination mit lokalen antiseptischen Maßnahmen“, führte rasch zu einer Besserung.
Die Übertragung erfolgte vermutlich durch direkten Hautkontakt und wurde durch die feucht-heiße Umgebung in den Saunas verstärkt. Die Bedingungen dürften die Freisetzung von Zoosporen begünstigt haben – beweglichen Bakterien, die sich im Wasser ausbreiten und in die Haut eindringen können.