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60 Mio. Eisfische: Deutsche Forschende entdecken weltweit größtes Fischbrutgebiet in der Antarktis

60 Millionen Nester antarktischer Eisfische auf 240 Quadratkilometern: Der Fund nahe dem Filchner-Schelfeis ist bemerkenswert, die Forschenden trauten erst kaum ihren Augen.
60 Millionen Nester antarktischer Eisfische auf 240 Quadratkilometern: Der Fund nahe dem Filchner-Schelfeis ist bemerkenswert, die Forschenden trauten erst kaum ihren Augen.   -   Copyright  PS124, AWI OFOBS team/PS124, AWI OFOBS team
Von Alexandra Leistner

Die Entdeckung gilt als einschlägiges Argument für das Einrichten eines Meeresschutzgebiets im atlantischen Sektor des Südlichen Ozeans: In der Antarktis haben Forschende des Alfred-Wegener-Instituts das bisher größte bekannte Fischbrutgebiet der Welt entdeckt. Auf rund 240 Quadratkilometern nisten dort den Schätzungen der Wissenschaftler:innen zufolge etwa 60 Millionen Eisfische.

Bisher waren laut Mitteilung des Alfred-Wegener-Instituts nur einzelne sogenannte Neopagetopsis ionah oder kleinere Ansammlungen von deren Nestern gefunden worden. Mit dem Eisbrecher Polarstern erforscht das AWI bereits seit mehr als 40 Jahren das Gebiet.

"Die Vorstellung, dass ein solch riesiges Brutgebiet von Eisfischen im Weddellmeer bisher unentdeckt war, ist total faszinierend", so Dr. Autun Purser, Tiefseebiologe am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und Hauptautor der Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Current Biology.

Die Entdeckung auf ihren Monitoren machten die Forscher um Dr. Purser schon im Februar 2021. In einer Tiefe zwischen 535 und 420 Metern seien plötzlich die zahllosen Fischnester aufgetaucht, was im Team zunächst Euphorie und dann Ungläubigkeit auslöste. "Nest reihte sich an Nest, und die spätere genaue Auswertung zeigte, dass es durchschnittlich eine Brutstätte pro drei Quadratmeter gab, maximal fand das Team sogar ein bis zwei aktive Nester pro Quadratmeter."

PS124, AWI OFOBS team/PS124, AWI OFOBS team
Auf 45.600 Quadratmetern zählten die Forschenden 16.160 Fischnester auf ihrem vom OFOBS gelieferten Foto- und VideomaterialPS124, AWI OFOBS team/PS124, AWI OFOBS team

Die Kartierung des Gebiets habe ergeben, dass die Nester sich auf einer Fläche von geschätzt 240 Quadratkilometern ausdehnen, bis zu 60 Millionen Fische sollen dort nisten. Jeder Fisch bewachte in seinem Nest von etwa 75 cm Durchmesser rund 1.700 Eier.

Technisch möglich machte die Entdeckung, Beobachtung und vor allem Aufzeichnung der Brutstätte das OFOBS (Ocean Floor Observation and Bathymetry System), ein Ozeanboden Beobachtungs- und Bathymetriesystem das im Prinzip einem Kameraschlitten gleicht. Dieser wird mit einem speziellen Glasfaser- und Stromkabel über den Meeresboden geschleppt.

Die Brutstätten und anderen Beobachtungen der Forschenden schließen zudem darauf, dass das erforschte Gebiet auch ein bevorzugter Lebensraum anderer Tierarten ist, wie etwa der Weddellrobben, die sich von Fischen ernähren.

"Unseres Wissens beherbergt das untersuchte Gebiet die räumlich ausgedehnteste zusammenhängende Fischbrutkolonie, die bisher weltweit in jeder Tiefe entdeckt wurde, sowie eine außergewöhnlich hohe Biomasse des antarktischen Meeresbodens", freut sich das Team in Current Biology.

"Ich gratuliere den beteiligten Forscherinnen und Forschern zu ihrem faszinierenden Fund. Die deutsche Meeres- und Polarforschung hat damit nach der MOSAIC-Expedition einmal mehr ihre herausragende Bedeutung unter Beweis gestellt", gratulierte die Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP).

PS124, AWI OFOBS team/PS124, AWI OFOBS team
Im Schnitt bewachte ein Fisch rund 1.735 Fischeier - manche Nester waren aber auch verlassen.PS124, AWI OFOBS team/PS124, AWI OFOBS team
Tim Kalvelage/AWI
Den Kamerschlitten OFOBS zogen die Forschenden etwa 3 Meter über dem Meeresgrund mit einem Kabel entlang und beobachteten die Nester auf Monitoren an Bord der Polarstern.Tim Kalvelage/AWI

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**Das Institut
**Das Alfred-Wegener-Institut forscht in den Polarregionen und Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Als eines von 19 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft koordiniert es Deutschlands Polarforschung und stellt Schiffe wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen für die internationale Wissenschaft zur Verfügung.

Weitere Quellen • Alfred-Wegener-Institut