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Neuer Rechner beziffert den genauen Umweltschaden einer Suchanfrage im Netz

Nahaufnahme: Ein Mann tippt auf einem Laptop.
Nahaufnahme: Ein Mann tippt auf einem Laptop. Copyright  Glenn Carstens-Peters via Unsplash.
Copyright Glenn Carstens-Peters via Unsplash.
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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9.000 Suchanfragen pro Monat auf YouTube.com verbrauchen zehn Liter Wasser. Das reicht, damit ein Kapuzineraffe mehr als zwei Monate überlebt.

Das Internet verursacht drei Komma sieben Prozent der weltweiten CO2-Emissionen und übertrifft den Luftverkehr. Wenn das Internet ein Land wäre, wäre es der viertgrößte Umweltverschmutzer der Welt.

Deshalb haben Wissenschaftler ein innovatives Tool entwickelt. Es zeigt, wie unsere Aktivität im Netz die Natur belastet.

Entwickelt von Klimaexpertinnen und -experten an der Universität Exeter in Partnerschaft mit Madeby.studio kann Digital Impact for Species jede Website analysieren und ihre versteckten Umweltkosten offenlegen, über die üblichen Kennzahlen zu CO2, Wasser und Energie hinaus.

„Wenn wir eine Website besuchen, denken wir selten an die Umweltwirkung“, sagt Projektleiter Dr. Marcos Oliveira Jr vom Team für Natur- und Klimaauswirkungen in Exeter.

„Doch der Preis ist hoch: vom Strom, der nötig ist, um Informationen vom Rechenzentrum zu Ihrem Computer oder Smartphone zu übertragen, bis hin zum Wasser, das Server kühlt.“

Zerstören Websites den Planeten?

Um die Wirkung einer beliebigen Website zu berechnen, geben Sie die URL in die Suchleiste des Tools ein. Danach erhalten Sie eine Gesamtnote von A+ bis F sowie eine Angabe, wie stark der Abruf die Natur belastet.

Zum Beispiel: YouTube.com verarbeitet monatlich Milliarden Suchanfragen und liegt bei C, das heißt, es gibt noch Luft nach oben. Jeder Seitenaufruf dieser beliebten Seite erzeugt 0,249 g CO2, verbraucht 0,0011 Liter Wasser und 0,62 Wh Energie.

Pro 9.000 monatliche Besuche werden zehn Liter Wasser benötigt, genug für einen Kapuzineraffen, um 77 Tage zu überleben. Bei dieser Zahl monatlicher Besuche müsste ein Baum im Amazonasregenwald 41 Tage arbeiten, um das ausgestoßene CO2 zu binden.

9.000 monatliche Besuche verbrauchen zudem sechs kWh Energie. Das entspricht dem Tagesbedarf von 1.000 Annas Kolibris über 332 Tage.

„Es geht nicht darum, Websites mit hoher Umweltbilanz an den Pranger zu stellen, sondern Menschen einzubinden und eine Debatte anzustoßen, wie wir ein nachhaltigeres Internet aufbauen können“, ergänzt Dr. Oliveira Jr.

Wie wird der Website-Fußabdruck berechnet?

Das Tool nutzt Google PageSpeed Insights, um die genaue Größe aller Ressourcen zu messen, die beim Öffnen einer Seite geladen werden. Ist PageSpeed nicht verfügbar, greift es auf das branchenübliche durchschnittliche Seitengewicht zurück.

Gemeint ist die Gesamtgröße aller Dateien, die beim Besuch einer Seite geladen werden, etwa Bilder, Texte und Videos. Größere Seiten brauchen mehr Energie für Übertragung und Verarbeitung. Das führt zu höheren Emissionen.

Danach prüft das Tool mit Daten der Green Web Foundation, ob die Website auf Servern mit erneuerbarer Energie oder mit fossilen Brennstoffen läuft.

Auf Basis des Sustainable Web Design Model berechnet es pro Seitenaufruf CO2-Emissionen, Energieverbrauch und Wasserbedarf.

Diese Kennzahlen übersetzt es in „anschauliche Naturvergleiche“. Grundlage ist eine Datenbank mit wissenschaftlich erhobenen Artinformationen.

Wie senken wir unseren Website-Fußabdruck?

Verbraucher können ihren Website-Fußabdruck vor allem verringern, indem sie weniger suchen. Die Verantwortung liegt jedoch vor allem bei den Betreiberinnen und Betreibern.

Forschende empfehlen: weniger Bilder verwenden, die Zahl der Schriftarten begrenzen, die Navigation vereinfachen und Videos möglichst vermeiden. So sinkt die Umweltwirkung des Netzes schnell.

Ein grüner Webhoster hilft zusätzlich, der erneuerbare Energie statt fossiler Brennstoffe nutzt. Außerdem sollten überflüssiger Code entfernt und SEO-Richtlinien befolgt werden, damit Menschen schneller die richtigen Seiten finden.

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