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Wie klimafreundlich ist Ihr Supermarkt vor Ort? Neue Studie ordnet Europas größte Ketten ein

Auf dem Foto: Eine junge Frau geht im Supermarkt den Obst- und Gemüsegang entlang. Sie schiebt einen Einkaufswagen.
Auf dem Foto geht eine junge Frau im Supermarkt durch den Obst- und Gemüsegang. Sie schiebt einen Einkaufswagen. Copyright  Vitaly Gariev via Unsplash.
Copyright Vitaly Gariev via Unsplash.
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Expertinnen und Experten drängen Europas Supermärkte auf Kurswechsel: mehr pflanzenbetonte Lebensmittel. Das senkt Emissionen und Kosten deutlich.

Europas Supermärkte könnten den Klimaeinfluss des Lebensmittelsystems entscheidend prägen, zum Guten oder zum Schlechten. Fachleute warnen jedoch, dass nur wenige Ketten die Senkung ihrer Emissionen wirklich ernst nehmen.

Ernährung und Landwirtschaft verursachen ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen, nur das Verbrennen fossiler Brennstoffe liegt darüber. Eine Studie aus dem Jahr 2023 in der Fachzeitschrift Nature ergab zudem, dass die Art, wie Menschen Lebensmittel produzieren und konsumieren, bis zum Jahr 2100 fast ein Grad zusätzliche Erwärmung bringen könnte.

„Supermärkte haben die Macht, ein gesünderes und klimafreundliches Lebensmittelsystem zu formen“, sagt Charlotte Lineebank, Direktorin des Thinktanks Questionmark. „Trotz einiger Vorreiter nutzt die Branche ihren Hebel bei Weitem nicht aus.“

Wie werden Supermärkte klimafreundlicher?

Questionmark hat gemeinsam mit WWF, ProVeg International und Madre Brava 27 Supermarktketten in Europa verglichen. Dazu zählen sechs EU-Mitgliedstaaten (Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Polen, Spanien, Schweden) sowie die Schweiz und das Vereinigte Königreich.

Die Forschenden erstellten eine „Superliste“ anhand zweier Bewertungen: wie gut die Klimapläne der Ketten mit dem Pariser Abkommen zusammenpassen (Ziel: höchstens 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau) und wie stark sie die Proteinverkäufe in Richtung pflanzenreicher Kost verschieben.

Je transparenter eine Supermarktkette ist und je mehr Ziele sie setzt, desto höher fällt die Punktezahl aus. Ein Beispiel: Beim Indikator Klimaplan punktet, wer sich ambitionierte Emissionsziele vornimmt.

Ähnlich beim Indikator Protein-Transition: Hohe Werte erhält, wer den Anteil tierischer gegenüber pflanzlicher Produkte am gesamten Verkaufsvolumen ausweist.

Fleisch, besonders Rind und Lamm, gilt in der Forschung als einer der größten Umweltsünder. Laut CO2 Everything entspricht eine Portion Rindfleisch von 100 Gramm einer Autofahrt von 78,7 km und verursacht 15,5 kg CO2-Äquivalent.

Europas nachhaltigste Supermärkte

Der Bericht warnt, dass die Emissionen vieler Supermärkte noch steigen. Zwei Drittel der Ketten erkennen jedoch ihre Rolle, den Konsum zu einer pflanzenreicheren Ernährung zu verschieben.

Supermärkte in Deutschland und den Niederlanden geben das Tempo bei der Transformation zu einem nachhaltigen Lebensmittelsystem vor. Vorreiter wie Albert Heijn, Lidl (in vier Ländern), Jumbo, REWE und Aldi Süd zeigen die stärksten Verpflichtungen, Emissionen durch eine Neujustierung des Proteinangebots zu senken.

Bis heute haben erst fünf Supermärkte (ICA, Jumbo, Kaufland, Migros und REWE) ihre Emissionen seit Beginn der Berichterstattung gesenkt.

Lidl in den Niederlanden liegt vorn, gefolgt von Lidl in Polen und Albert Heijn in den Niederlanden. Am schlechtesten schneidet E.Leclerc in Frankreich ab, danach Coop in Schweden und Aldi Nord in Deutschland. Hier die komplette Rangliste:

  1. Lidl - Niederlande
  2. Lidl - Polen
  3. Albert Heijn - Niederlande
  4. Jumbo - Niederlande
  5. Lidl - Deutschland
  6. Lidl - Spanien
  7. Ewe - Deutschland
  8. Aldi Süd - Deutschland
  9. Denner - Schweiz
  10. Migros - Schweiz
  11. Tesco - Vereinigtes Königreich
  12. Carrefour - Frankreich
  13. Carrefour - Spanien
  14. ICA - Schweden
  15. Kaufland - Deutschland
  16. Edeka - Deutschland
  17. Sainsbury’s - Vereinigtes Königreich
  18. Coop Group - Schweiz
  19. Biedronka - Polen
  20. Intermarché - Frankreich
  21. Willys/ Hemkōp - Schweden
  22. Asda - Vereinigtes Königreich
  23. Dino - Polen
  24. Mercadona - Spanien
  25. Aldi Nord - Deutschland
  26. Coop - Schweden
  27. E.Leclerc - Frankreich

Supermärkte und Netto-Null

Dr. Joanna Trewern von ProVeg International sagt, der Bericht zeige, dass führende Händler beginnen, ihre Rolle zu erkennen und Verbraucherinnen und Verbrauchern „gesunde und nachhaltige, pflanzenreiche Ernährungsweisen“ zu ermöglichen. Sie warnt jedoch, dass wir europaweit noch weit davon entfernt sind, dass alle Ketten die Aufgabe annehmen.

„Ohne Ambition und Transparenz der Supermärkte bei pflanzenreichen Ernährungen fehlt ein entscheidender Baustein auf dem Weg, die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu mindern“, ergänzt Dr. Trewern.

Da tierische Lebensmittel im Durchschnitt für 50 Prozent der Supermarkt-Emissionen stehen, werden die Ketten ihre eigenen Netto-Null-Ziele sonst nicht erreichen.

Nico Muzi von Madre Brava sieht es genauso und betont, dass Supermärkte die Klimaziele positiv beeinflussen können, wenn sie mehr pflanzliche Produkte verkaufen.

„Wer die Gesundheit seiner Kundschaft im Blick hat, schützt zugleich den Planeten und die eigenen Geschäftsinteressen, denn mehr Pflanzen bedeuten weniger Emissionen und geringere Kosten“, sagt er.

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