Im Jahr 2024 ließ Schweden in einem umstrittenen Schritt zu, dass Jäger bis zu 20 Prozent seiner Braunbären töten. Nun sollen die Quoten weiter steigen.
Die Braunbären in Schweden gelten als eine der größten Erfolgsgeschichten des Naturschutzes in Europa. Einst standen sie kurz vor der Ausrottung, ihre Bestände fielen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts auf historische Tiefstände von rund 100 Tieren.
Durch ein sorgfältiges Management der Population mit Maßnahmen wie der Verringerung von Übergriffen auf Nutztiere, besserer Raumplanung, Elektrozäunen und gesicherten Weiden erholte sich der Bestand rasch. Im Jahr 2008 erreichte die Zahl der Braunbären mit rund 3.300 Tieren einen Höchststand.
Dennoch erteilte das Land 2024 umstrittene Abschussgenehmigungen für knapp 500 Braunbären bei der jährlichen Jagd. Nach offiziellen Angaben entsprach das etwa zwanzig Prozent der damaligen Gesamtpopulation.
Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Tiere auf rund 2.400. Beobachter gehen davon aus, dass die Regierung noch weitergehen und den Bestand auf 1.400 Tiere drücken will – das ist der nationale Zielwert für einen günstigen Erhaltungszustand. Naturschutzorganisationen warnen, eine solche Politik spiele Trophäenjägern in die Hände.
Zusätzlich zu den vom schwedischen Staat erlaubten Jagdquoten dürfen Bären auch in sogenannten Schutzjagden getötet werden, wenn sie als Gefahr für Menschen oder Eigentum gelten. Im Norden Schwedens berichten Rentierhalter von verwüsteten Weideflächen und davon, dass Bären sowohl Kälber als auch ausgewachsene Rentiere reißen.
Schwedens Braunbären suchen ihre Winterquartiere
Die Tiere erobern Waldlandschaften zurück. Deshalb wird es immer wichtiger zu wissen, wo sie ihre Höhlen anlegen und Ruheplätze haben, um Störungen zu verringern und Konflikte mit Menschen zu vermeiden.
Spät im Frühjahr, wenn die Bären ihre Winterhöhlen verlassen und sich um ihren Nachwuchs kümmern, können Störungen der Höhlen und Ruheplätze schwerwiegende Folgen für Fortpflanzung und Überleben haben.
Deshalb reist im Mai eine Gruppe internationaler Freiwilliger nach Mittelschweden. Gemeinsam mit Forschenden wollen sie Winterhöhlen und Tageseinstände der Braunbären aufspüren und dokumentieren.
Die zehntägige Naturschutz-Expedition findet vom 25. Mai bis 3. Juni in den Wäldern und Feuchtgebieten der Region Dalarna statt. Veranstalter ist die gemeinnützige Organisation Biosphere Expeditions. Die Teams sollen abgelegene Gebiete erkunden und Höhlenstandorte kartieren, wenn sich dort keine Bären aufhalten.
Die Bürgerforschenden orientieren sich dabei an Daten von GPS-Halsbändern, um die Tiere möglichst wenig zu stören.
Unerlässlich für den Schutz der Bären
Zu wissen, wo Bären ruhen und ihre Höhlen haben, sei für wirksamen Artenschutz entscheidend, sagt Dr. Matthias Hammer, Gründer von Biosphere Expeditions.
Exakte Daten über Höhlenstandorte helfen, Fortpflanzungsgebiete zu schützen und verringern das Risiko von Konflikten zwischen Menschen und Bären, ergänzt er.
Seit 2019 liefert die Expedition einen wichtigen Baustein für die Datensammlung im Scandinavian Brown Bear Research Project. In einer kurzen, aber intensiven jährlichen Feldphase steuern die Teams umfangreiche Informationen zu Höhlenstandorten und Losungen bei und unterstützen damit eine der weltweit am längsten laufenden Braunbären-Studien.
Jedes Jahr brauchen wir Menschen, die sich ehrenamtlich für Tiere engagieren und uns bei der Feldarbeit helfen – etwa beim Kartieren von Bärenhöhlen oder beim Aufspüren von Tageseinständen und Losungen, sagt Expeditionswissenschaftlerin Dr. Andrea Friebe.
Da wir durch die Jagd inzwischen jedes Jahr so viele Bären verlieren, setzen wir zusätzlich Kamerafallen ein, um sie zu erfassen. Je mehr Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler uns dabei unterstützen, desto besser können wir die Braunbären in Schweden schützen.
Weitere Informationen über Freiwilligenarbeit bei Biosphere Expeditions finden Sie hier.