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Politischer Wille fehlt: bosnischer Fluss erstickt jedes Jahr im Müll

Aus der Luft ist zu sehen, wie sich im bosnischen Višegrad am Donnerstag, dem fünften Februar 2026, tonnenweise Müll im Fluss Drina staut.
Luftaufnahme: Unmengen Müll verstopfen am Donnerstag, dem fünften Februar zweitausendsechsundzwanzig, die Drina im bosnischen Višegrad. Copyright  AP Photo/Armin Durgut
Copyright AP Photo/Armin Durgut
Von Eldar Emric mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Mit den Regenzeiten spült der Niederschlag Müll aus wilden Deponien in die Drina. Hinter dem Zaun eines Wasserkraftwerks staut sich der Unrat.

Im Osten Bosniens sind Baumaschinen rund um die Uhr im Einsatz. Sie sollen Tonnen von Müll aus dem Fluss Drina holen, der an vielen Stellen völlig verstopft ist.

Das Problem ist keineswegs neu. Jeden Winter schwellen die Flüsse der Region an, reißen Müll mit sich und treiben ihn flussabwärts. Am Ende bleibt er an Barrieren vor dem Wasserkraftwerk in Visegrad hängen.

„Das ist ein klares Beispiel für fehlenden politischen Willen und Untätigkeit aller zuständigen Institutionen“, sagt der Aktivist Dejan Furtula, der im nahe gelegenen Visegrad lebt und die Umweltorganisation Eko Centar leitet. „Sie treffen sich Jahr für Jahr und geben Versprechen, aber wie wir sehen, wiederholen sich diese Szenen immer wieder.“

Der Anblick erinnert an einen Katastrophenfilm: Die sonst smaragdgrüne Oberfläche des Flusses ist dicht bedeckt mit Plastikflaschen, Holz- und Möbelresten, verrosteten Fässern, Haushaltsgeräten und sogar toten Tieren. Nach Angaben Furtulas treiben dort auch medizinische Abfälle.

„Das ist eine ökologische Katastrophe“, sagt er. „Die Drina ist reich an Fischen, und man kann sich vorstellen, welche Giftstoffe hier freigesetzt werden. Es ist von allem etwas dabei, es ist eine große Katastrophe.“

Warum ist die Drina so vermüllt?

Der Abfall stammt von illegalen Müllkippen flussaufwärts in Bosnien, aber auch im benachbarten Serbien und in Montenegro. Zahlreiche kleinere Zuflüsse der Region münden in die Drina und bringen jeweils ihren Anteil an Müll mit.

Im Sommer ziehen die Flüsse Rafters und Naturliebhaber an. Im Winter erreicht das Müllproblem seinen Höhepunkt, wenn die angeschwollenen Flüsse illegale Ablagerungen an ihren Ufern fortspülen.

Vertreterinnen und Vertreter der drei Länder haben zugesagt, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Schon 2019 trafen sich die Umweltminister von Bosnien, Serbien und Montenegro an Ort und Stelle, doch Jahre später ist noch immer keine Lösung in Sicht.

Die Lage zeigt, dass die Region auch Jahrzehnte nach den verheerenden Kriegen der neunziger Jahre im ehemaligen Jugoslawien wirtschaftlich und beim Umweltschutz hinter dem restlichen Europa zurückbleibt.

Ein Arbeiter macht eine Pause, im Hintergrund treiben Tonnen von Abfall, die den Fluss Drina in Visegrad in Bosnien verstopfen, Donnerstag, 5. Februar 2026.
Ein Arbeiter macht eine Pause, im Hintergrund treiben Tonnen von Abfall, die den Fluss Drina in Visegrad in Bosnien verstopfen, Donnerstag, 5. Februar 2026. AP Photo/Armin Durgut

Verschmutzung gefährdet EU-Ambitionen der Balkanstaaten

Neben der Verschmutzung der Flüsse haben viele Länder des westlichen Balkans weitere Umweltprobleme. Besonders gravierend ist die extrem hohe Luftverschmutzung, von der zahlreiche Städte der Region betroffen sind.

Bosnien, Serbien und Montenegro streben alle einen Beitritt zur Europäischen Union an. Verbesserungen beim Umweltschutz sind eine zentrale Bedingung für die Aufnahme in den Staatenbund mit siebenundzwanzig Mitgliedern.

Furtula sieht verschiedene Möglichkeiten, mit dem Müllproblem umzugehen. Illegale Müllkippen könnten genau erfasst und kartiert werden, Gemeinden könnten Kameras und Barrieren installieren – statt zuzulassen, dass der ganze Abfall bis nach Visegrad treibt.

Wird der Müll aus dem Fluss geholt, landet er auf der örtlichen Deponie. Dort schwelt er langsam vor sich hin und setzt giftige Partikel in die Luft frei – ein „Teufelskreis“, wie Furtula sagt, der seine Stadt weiter verschmutzt.

„Er kommt aus drei Ländern – aus Montenegro, Serbien und Bosnien“, sagt er. „Aber niemand will zugeben, dass es der eigene Müll ist.“

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