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Kannibalen-Quallen und Blaukrabben bedrohen Venedigs Lagune

Die jüngste Plage in der Lagune von Venedig ist eine kannibalische Rippenqualle, die zu den hundert gefährlichsten invasiven Arten der Welt zählt.
In der Lagune von Venedig breitet sich nun eine kannibalische Rippenqualle aus. Sie gilt als eine der 100 gefährlichsten invasiven Arten weltweit. Copyright  COPYRIGHT 2014 THE ASSOCIATED PRESS. ALL RIGHTS RESERVED. THIS MATERIAL MAY NOT BE PUBLISHED, BROADCAST, REWRITTEN OR REDISTRIBUTED.
Copyright COPYRIGHT 2014 THE ASSOCIATED PRESS. ALL RIGHTS RESERVED. THIS MATERIAL MAY NOT BE PUBLISHED, BROADCAST, REWRITTEN OR REDISTRIBUTED.
Von Rebecca Ann Hughes
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Venedig lebt im Gleichklang mit seinem salzigen Lagunenwasser. Doch Eindringlinge bedrohen das wertvolle Ökosystem.

Die Stadt Venedig und ihre Lagune sind dem Klimawandel inzwischen unumkehrbar ausgeliefert.

Der steigende Meeresspiegel könnte die Insel in den kommenden Jahrzehnten überfluten. Das derzeitige Flutsperrensystem, das die höchsten Tiden noch abhält, dürfte dann nicht mehr ausreichen.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Venedig lebt in enger Symbiose mit den brackigen Gewässern rund um die Stadt, und auch deren Zustand wird immer fragiler.

Neue Forschungen zeigen, dass sich mit den wärmeren Meeren immer mehr gebietsfremde Arten ausbreiten. Sie bedrohen das Ökosystem der Lagune und die Existenz der örtlichen Fischergemeinden.

Kannibalische Rippenqualle dringt in die Lagune von Venedig ein

Der jüngste massenhaft auftretende Eindringling in der Lagune von Venedig ist eine kannibalische Rippenqualle, die zu den hundert gefährlichsten invasiven Arten der Welt zählt.

Die warzige Rippenqualle gehört zur Gruppe der Ctenophoren, gallertartiger wirbelloser Meerestiere, und ist dafür bekannt, ihren eigenen Nachwuchs zu fressen.

Sie wird auch Meereswalnuss genannt und kommt in der Adria seit fast einem Jahrzehnt vor.

In jüngster Zeit hat der Klimawandel in den Gewässern rund um Venedig besonders günstige Bedingungen für die Ausbreitung der warzigen Rippenqualle geschaffen, wie eine neue Studie von Forschenden der Universität Padua und des Nationalen Instituts für Ozeanographie und Angewandte Geophysik (OGS) zeigt.

„Dadurch könnten sich große Ansammlungen dieser Art bilden und das Risiko schwerwiegender Folgen für das Funktionieren des gesamten Lagunenökosystems steigen“, sagt Valentina Tirelli, Forscherin am OGS.

Die Studie beschreibt ein saisonales Muster: starke Fortpflanzungsphasen im späten Frühjahr sowie von Spätsommer bis Frühherbst. Diese Massenvermehrungen hängen wahrscheinlich mit höheren Wassertemperaturen und einem optimalen Salzgehalt zusammen.

Die hohe Zahl der Tiere deutet darauf hin, dass die Art in einem breiten Spektrum von Temperaturen und Salzgehalten überleben kann. Sehr hohe Temperaturen oder ein sehr niedriger Salzgehalt verringern ihre Überlebenschancen jedoch deutlich, so die Forschenden.

Invasive Arten bedrohen die Fischergemeinden

Die warzige Rippenqualle bedroht das bislang artenreiche Lagunenökosystem von Venedig massiv.

„Um ihre hohe Fortpflanzungsrate zu halten, frisst diese Art in großen Mengen Zooplankton“, erklärt Tirelli. Für viele Fischarten ist das ihre wichtigste Nahrungsquelle.

„Zudem frisst diese Rippenqualle nachweislich Eier und Larven ökologisch und wirtschaftlich wichtiger Arten wie Fische und Muscheln. Dadurch können Nachwuchs und Stabilität des gesamten Ökosystems weiter beeinträchtigt werden“, sagt sie.

Für die Fischerei bedeutet das große Probleme. Die Fischerinnen und Fischer fangen weniger, und die schleimigen Tiere verstopfen ihre Netze.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Fänge der wichtigsten Zielarten seit dem Auftauchen des Eindringlings insgesamt um mehr als vierzig Prozent zurückgegangen sind“, sagt Tirelli. „Besonders betroffen sind Sepien und der Grasgrundel. Beide Arten sind für die Lagune von Venedig von großer kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung.

Bereits in den neunziger Jahren machten Fischer am Schwarzen Meer die massenhafte Vermehrung dieser Ctenophore für den Zusammenbruch der Fischbestände und die verheerenden wirtschaftlichen Folgen verantwortlich.

Blaue Schwimmkrabben dezimieren die Fänge in der Adria

Die Fischergemeinden im nördlichen Adriaraum kämpfen bereits mit einem weiteren gefürchteten Räuber.

Die Bestände der Riesen-Blaukrabbe sind in den vergangenen Jahren explodiert. Der Krebs stammt an keinem Abschnitt der italienischen Küste ursprünglich vor. Wahrscheinlich gelangte er Ende der vierziger Jahre in Ballastwasser von Frachtschiffen von den Küsten Nord- und Südamerikas ins Mittelmeer.

Ganz neu ist die Art dort nicht. Doch die Bestände dieses sich rasant vermehrenden Krebses haben inzwischen ein kritisches Ausmaß erreicht – auch, weil er in italienischen Gewässern kaum natürliche Feinde hat.

Als Hauptursache gilt der Klimawandel. „Mit den wärmeren Gewässern sind die Krabben aktiver und gefräßiger geworden“, sagt ein Fischer gegenüber Euronews Green. Normalerweise fressen und vermehren sie sich weniger, wenn das Wasser kälter wird – zuletzt war jedoch das Gegenteil der Fall.

„Üblicherweise, zu bestimmten Jahreszeiten, fühlt sich diese Krabbe nicht wohl, sobald das Wasser unter zehn Grad Celsius fällt. Inzwischen findet sie jedoch zwölf Monate im Jahr ideale Bedingungen“, sagte Enrica Franchi, Meeresbiologin an der Universität Siena, der Nachrichtenagentur AP.

Die Blaukrabben machen sich über die heimischen Meerestiere her. Mit ihren kräftigen Scheren, die sogar Fischernetze zerreißen können, wirken sie kaum aufzuhalten. Gefährdet sind Venus- und Miesmuscheln, Austern und auch die in Venedig als „Moeche“ bekannten weichen Krabben kurz nach der Häutung.

Die Population der Riesen-Blaukrabbe ist in den vergangenen Jahren explodiert.
Die Population der Riesen-Blaukrabbe ist in den vergangenen Jahren explodiert. Copyright 2023 The Associated Press. All rights reserved.

Behörden und Fischerverbände suchen fieberhaft nach Wegen, die Schalentiere zu nutzen oder zu entsorgen – etwa indem sie Containerladungen in die USA schicken, wo die Krabbe als Delikatesse gilt.

Die italienische Agrarlobby Coldiretti will dagegen amerikanische Essgewohnheiten übernehmen und Blaukrabben auf die Speisekarten bringen.

In Fischläden und Supermärkten tauchen Blaukrabben bereits auf – für rund acht bis zehn Euro pro Kilo.

Doch der Plan „Wenn du sie nicht besiegen kannst, iss sie“ birgt erhebliche Risiken. Wenn sich die Fischerei verstärkt auf Blaukrabben als Nahrungsquelle konzentriert, geraten traditionelle Fangmethoden und kulinarische Kultur im Adriaraum unter Druck.

Auf der Strecke bleiben könnten aufwendige Techniken zur Zucht, zum Fang und zur Verarbeitung heimischer Arten wie Muscheln – ebenso wie Rezepte und Gerichte, die zum kulinarischen Erbe der Region gehören.

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