Von abgelegenen Dörfern bis zur Küste: Rettungshubschrauber bringen spezialisierte medizinische Versorgung dorthin, wo der Weg über die Straße zu lange dauern würde.
Schon vor Tagesbeginn stehen die Teams an den portugiesischen Basen der medizinischen Rettungshubschrauber bereit. Jederzeit kann ein Notruf eingehen – und dann zählt jede Sekunde.
Wenn am Boden die Zeit knapp wird, kommt Hilfe aus der Luft. Zwischen Eingang des Notrufs und Abheben des Helikopters liegen im Durchschnitt nur drei Minuten.
"Die Reaktionszeit bei einem medizinischen Notfall ist der entscheidende Erfolgsfaktor. Mit drei Minuten liegen wir in einem exzellenten Bereich und können in bestimmten Fällen sogar darunter bleiben", erklärt Hugo Chambel, Leiter von Gulf Med Aviation Services für die Iberische Halbinsel, im Gespräch mit Euronews.
Den Flugbetrieb übernimmt Gulf Med, ein Tochterunternehmen der maltesischen Medilink-Gruppe, gemeinsam mit medizinischen Teams des staatlichen Rettungsdienstes Instituto Nacional de Emergência Médica (INEM). Vier feste Stützpunkte in Loulé, Évora, Viseu und Macedo de Cavaleiros decken die Versorgung nahezu im gesamten Land ab.
Gulf Med nahm den Betrieb in Portugal im Juli 2025 auf. Grundlage war ein Direktauftrag des INEM im Umfang von rund 4 Millionen Euro, der bis Oktober vergangenen Jahres lief.
Seit Oktober ist das Unternehmen im Rahmen eines Vertrags über 77,5 Millionen Euro tätig. Dieser ging aus einer internationalen Ausschreibung für den medizinischen Rettungshubschrauberdienst des INEM, den Serviço de Helicópteros de Emergência Médica (SHEM), hervor. Der Vertrag umfasst vier Hubschrauber, die rund um die Uhr einsatzbereit sind, läuft fünf Jahre und gilt bis Mitte 2030.
Im April 2026 verstärkte das Unternehmen den Dienst um einen fünften Hubschrauber. Damit steigt die Gesamtinvestition in den Luftrettungsdienst in Portugal auf rund 50 Millionen Euro. Die zusätzliche Maschine dient als Reserve und stellt sicher, dass die vier aktiven Standorte auch während Wartungsarbeiten oder bei technischen Ausfällen weiterhin einsatzbereit bleiben.
Landung fast überall möglich
Ob in abgelegenen Regionen im Landesinneren, auf Straßen oder an der Küste: Oft ist der Hubschrauber die einzige Möglichkeit, schnell medizinische Hilfe zu gewährleisten. Die eingesetzten Airbus H145 D3 sind mit Kufen statt Rädern ausgestattet und können auf unterschiedlichsten Untergründen sicher landen.
"Wir wissen das sehr genau, denn diese Hubschrauber sind speziell für solche Einsätze konstruiert. Gewicht und Zuladung sind so ausgelegt, dass sie sehr flexibel bleiben. Das bedeutet: Der Hubschrauber kann fast überall landen – auf einer Straße, einem Gutshof oder auf einem Gelände mit sehr wenig Platz. Diese Maschinen sind hervorragend auf unser Land und unsere Anforderungen abgestimmt", so Chambel.
In der geräumigen Kabine ermöglichen spezialisierte medizinische Geräte bereits während des Flugs eine intensive Versorgung. An Bord arbeiten Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte, die auf kritische Situationen vorbereitet sind.
"Eine Mission besteht aus mehreren Teilen. Schon auf dem Weg besprechen wir anhand der Erstinformationen mögliche Szenarien und Hürden, um Zeit zu sparen, sobald wir den Patienten erreichen", erklärt Leila Duarte, Fachärztin für Innere Medizin und Notfallmedizin beim INEM, gegenüber Euronews.
"Anschließend untersuchen und stabilisieren wir den Patienten. In Absprache mit der Leitstelle entscheiden wir, in welches Krankenhaus er gebracht wird. Während des Fluges überwachen wir seinen Zustand kontinuierlich und melden jede Veränderung an das Zielkrankenhaus", ergänzt sie.
Auch im Cockpit steht Sicherheit an erster Stelle. "Wir prüfen immer die Wetterbedingungen, damit wir bei einem Primäralarm schnell reagieren können. Nachts ist der Einsatz anspruchsvoller, weil wir mehrere Faktoren berücksichtigen müssen, darunter auch den Landeplatz. Trotzdem reagieren wir in der Regel innerhalb von fünf Minuten", sagt Craig Dewar, Pilot im medizinischen Rettungshubschrauberdienst des INEM.
Mehr Einsätze direkt am Unfallort
Die Einsätze gliedern sich in zwei Kategorien: Bei Primäreinsätzen fliegt das Team direkt zum Unfallort. Sekundäreinsätze sind planbarer und dienen dem Transport zwischen Krankenhäusern. Der SHEM übernimmt zudem Organtransporte sowie Flüge mit ECMO, einem lebenserhaltenden maschinellen Verfahren, das bei schwerem Lungen- oder Herzversagen die Sauerstoffversorgung des Blutes außerhalb des Körpers übernimmt.
Kritisch kranke Patienten werden zwischen zwei Einrichtungen verlegt und währenddessen durch eine mechanische Herz-Lungen-Unterstützung versorgt.
Die Zahl der Primäreinsätze nimmt deutlich zu. Das unterstreicht die Bedeutung der Hubschrauber bei lebensbedrohlichen Notfällen.
"Eines unserer ersten Ziele war es, das Einsatzprofil zu verändern. Inzwischen fliegen wir mehr Primär- als Sekundäreinsätze", sagt Chambel.
Seit Jahresbeginn hat der Rettungshubschrauber in Évora rund 230 Einsätze hinter sich, darunter 160 Primäreinsätze. Gerade in den Regionen des Landesinneren ist der Lufttransport damit zu einem zentralen Bestandteil der Notfallversorgung geworden.
Unabhängig vom Einsatzort bleibt das Ziel unverändert: schnell vor Ort sein und Leben retten.