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Auf der Suche nach dem nächsten Dirigenten-Star: Der Herbert von Karajan Young Conductors Award

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Auf der Suche nach dem nächsten Dirigenten-Star: Der Herbert von Karajan Young Conductors Award
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Von Katharina Rabillon
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Ein einzigartiger Wettbewerb für die spannendsten jungen Dirigenten: Das ist der Herbert von Karajan Young Conductors Award. In Salzburg kämpfen acht hoffnungsvolle Talente um einen Platz in der Endrunde. Musica taucht ein in die Welt des Dirigierens.

Die österreichische Stadt Salzburg ist ein Magnet für die größten Künstlerinnen und Künstler der klassischen Musik. Und die Salzburger Festspiele veranstalten einen einzigartigen Wettbewerb: den Herbert von Karajan Young Conductors Award. Dieser Preis ist eine Initiative der Salzburger Festspiele in Kooperation mit dem Eliette und Herbert von Karajan Institut.

Die Dirigent:innen Tobias Wögerer, Anna Handler und Hankyeol Yoon wurden aus über 300 jungen Talenten aus der ganzen Welt ausgewählt. Sie sind zwischen 21 und 35 Jahre alt und gehören zu den aufregendsten Talenten ihrer Generation. Nun haben sie die Chance ihres Lebens, denn sie sind zum Herbert von Karajan Young Conductors Award eingeladen.

Dirigent Tobias Wögerer
Dirigent Tobias Wögerereuronews

Musica hat die drei Nachwuchskünstler getroffen und herausgefunden, was sie inspiriert, welche Ambitionen sie haben und wie sie sich auf diesen einzigartigen Wettbewerb vorbereiten.

„Dirigieren ist mein Traumberuf“, erklärt Tobias. „Weil es eine Berufung einerseits ist und ein Metier, ein Thema, mit dem man sich ein Leben lang beschäftigt. Man ist nie fertig. Man lernt immer, immer mehr dazu.“

Der junge österreichische Dirigent lernte ursprünglich Cello. Seine Leidenschaft für das Dirigieren entdeckte er, als er im Musik-Gymnasium den Schulchor und das Orchester leitete.

„Ich habe einfach versucht, am Anfang mir irgendwie Gelegenheiten zu schaffen, wo ich mich ausprobieren kann. „Man muss am Anfang so ein paar Verrückte finden, die halt sagen ‚ok, ich lass den da mal ausprobieren‘ und da kann man dann einfach sozusagen ins kalte Wasser springen.“ Dirigieren lerne man ja, also sei es genau wie ein Instrument, sagt Tobias. „Du brauchst das Instrument, um weiterzukommen. Beim Dirigieren ist das Instrument eigentlich das Orchester.“

Tobias steht mit sieben anderen Kandidaten im Halbfinale. So wie etwa Anna, die schon sehr lange den Traum hatte, hier teilnehmen zu dürfen. „Als ich die Zusage bekommen habe, habe ich alles versucht, um bestmöglichst heute hier anzutreten.“

Hankyeol Yoon nimmt am Wettbewerb teil
Hankyeol Yoon nimmt am Wettbewerb teileuronews

Hankyeol erzählt gegenüber Musica, dass er immer an diesem Award teilnehmen wollte. „Wenn die Salzburger Festspiele das organisieren, was könnte dann besser sein?“

Der prestigeträchtige Preis gibt dem Gewinner oder der Gewinnerin auch eine ganz besondere Chance: Denn sie könnten möglicherweise schon bald auf der Liste der weltbesten Orchester stehen. Manche Dirigenten erlangen sogar Rockstar-Status. Sie scheinen aus einer anderen Welt. Sie umgibt eine ganz besondere Aura.

Doch was macht ein Dirigent eigentlich? Wie bringt er so viele Musiker dazu, ihm zu folgen?

„Ich glaube, das Wichtigste, was ein Dirigent macht, ist seine Atmung“, sagt, Vitali Alekseenok. Der aus Belarus stammende 32-Jährige wird ab 2024 neuer Generalmusikdirektor an der Deutschen Oper am Rhein.

Dirigent Vitali Alekseenok
Dirigent Vitali Alekseenokeuronews

Alekseenok erklärt, dass es beim Einatmen und Ausatmen „eigentlich schon 1000 Möglichkeiten“ gebe. „Ob es sehr weich ist oder eher sehr scharf, ob es sehr laut ist oder eher leise. Damit es noch klarer ist, haben wir ja manchmal nicht nur unsere Hand, sondern auch unseren Taktstock. Der konzentriert die Sicht der Musiker und manchmal sogar die des Publikums auf die Spitze. Einatmen. Ausatmen. Und die linke Hand kann dann noch mal besser zeigen, wie es sein wird oder was danach passiert. Das alles kommuniziert ein Dirigent mit seiner Körpersprache, mit seinem Herz, mit seinem Gehirn und mit seinem Gehör.“

Doch zurück zum Wettbewerb: Das Talent der Kandidaten wird in Anwesenheit der Jury auf die Probe gestellt.

Die Dirigenten müssen sofort loslegen – und zwar dürfen sie die Musiker vorher nicht sehen.

"Ich bin immer noch voller Adrenalin“, erzählt Harry Ogg, der an dem Wettbewerb teilnimmt. „Mir ist sehr, sehr warm, aber ich bin glücklich. Man investiert so viel Arbeit und Gedanken und Nerven. Es ist ein bisschen so, als würde man vom Eiffelturm springen und genau auf einer Stelle auf dem Boden landen."

Die teilnehmende Kandidatin Irene Delgado-Jiménez sagt, dass in dem Moment, in dem sie auf dem Podium stehe, es nichts anderes mehr gebe. „Ich versuche, meine Atmung zu kontrollieren und mich in Position zu bringen. Wenn ich darüber nachdenke, was die Jury denkt, höre ich auf, ich selbst zu sein, und ich kann nicht mehr die Idee zeigen, die ich habe."

Natürlich steht viel auf dem Spiel, die Spannung ist groß. Die Kandidaten haben nur wenige Minuten Zeit, die Jury von ihrer Vision zu überzeugen.

„Diesen Zeitdruck hat man immer, auch wenn ich eine dreistündige Probe habe“, erklärt Tobias. „Es ist sehr viel Gefühlssache, spontane Gefühlssache. Man bereitet sich natürlich so gut wie möglich vor, mit allen möglichen Ideen auch, wie man, wie man etwas eventuell formuliert, wie man mit dem Orchester spricht. Aber im Endeffekt kann man das sozusagen nur spontan vor Ort in dem Moment entscheiden.“

Auch für die Musiker ist es eine interessante Herausforderung unter den jungen Talenten zu spielen.

"Wir wissen sofort, ob ein Dirigent talentiert ist, je nachdem, wie klar sie sind, wie viel sie mit einem einfachen Takt zeigen können, erzählt der Oboist Sasha Calin. „Die künstlerische Seite ist viel schwieriger zu beschreiben und zu beurteilen, zudem sie ist sehr subjektiv. Die Frage ist: Können sie uns mit ihrem Takt zeigen, wie eine Stelle zu spielen ist und welche Emotionen sie uns vermitteln wollen?" In der Probenphase sei es sehr wichtig, wie sie das Orchester durch das Stück führen.

Das Wahrzeichen Salzburgs
Das Wahrzeichen Salzburgseuronews

Der Preis ist nach einer Ikone benannt: Herbert von Karajan gehört zu den einflussreichsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts und ist der wichtigste Sohn der Stadt, nach Wolfgang Amadeus Mozart.

Bewunderer nannten ihn den „Musikdirektor Europas", von Karajan dirigierte die bedeutendsten Orchester darunter die Wiener Philharmoniker und war auch für die Salzburger Festspiele eine prägende Figur.

„Herbert von Karajan war ein Visionär“, sagt Manfred Honeck, Mitglied der Jury. „Er hat die Partituren in und auswendig, hat immer ohne Partitur dirigiert. Er wusste um die Klang-Kultur sehr genau Bescheid. Die andere Sache ist, dass er auch immer wieder der Zeit voraus war.“

Der künstlerische Direktor des Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, erklärt, dass man die Bedeutung von Karajans für die Festspiele gar nicht hoch genug einschätzen könne. „Das war der Magnet. Ich glaube, der Young Conductors Award wäre sehr in seinem Sinne gewesen. Karajan war klug genug und großzügig genug, um zu wissen, dass man Nachfolgegenerationen fördern muss.“

Nun schlägt die Stunde der Wahrheit, die Gewinner werden verkündet. Für die Jury war die Entscheidung keineswegs leicht.

Drei der insgesamt acht Kandidaten wurden ausgewählt. Die Jury hat sich für Vitali Alekseenok, Tobias Wögerer und Hankyeol Yoon entschieden.

Tobias freut sich und ist erleichtert: “Ich versuche einfach mein Bestes zu geben. Aber es ist irrsinnig schön, unter den drei Besten zu stehen.“

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