Achtsamkeit statt Saufgelage zu Weihnachten: junge Menschen in Europa trinken anders

Junge Menschen bei einer Party in Rio de Janeiro, Brasilien, Februar 2017
Junge Menschen bei einer Party in Rio de Janeiro, Brasilien, Februar 2017 Copyright Leo Correa/Copyright 2017 The AP. All rights reserved.
Von Jaime Velazquezeuronews
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In Madrid schießen Cocktailbars aus dem Boden, die auch eine große Auswahl an alkoholfreien Drinks anbieten. Das kommt vielen jungen Menschen entgegen. Ihr Motto: weniger trinken, aber dafür in besserer Qualität. Oder gar kein Alkohol.

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Weihnachten ist auch das Fest der Geselligkeit, der Familie, des Zusammenseins mit Freunden. Alkohol spielt dabei oft eine große Rolle. Mehr und mehr junge Menschen aber schreiben sich beim Trinken die Achtsamkeit auf die Fahne. Die zentralen Fragen: Was trinke ich? Und wieviel?

"Extrem betrunken zu sein ist etwas peinlich, es ist grinch, sich selbst in solchen Situationen zu erleben. Jemand könnte ein Video machen und das online stellen. Ich weiß nicht, ob wir uns nicht einfach bewusster sind, wer wir sind und was wir tun", berichtet Fernanda Galleguillos. Sie ist 26 Jahre alt. 

WHO: extremer Alkoholkonsum unter Twens geht zurück

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist starker episodischer Alkoholkonsum bei Europäerinnen und Europäern unter 25 Jahren seit dem Jahr 2000 um mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Denn Alkohol passt nicht so recht zu einem gesunden Lebenstil. Junge Leute achten mehr auf ihre mentale Gesundheit, auf ihren Körper und ihr Image. Und sie haben andere Ziele.

Fernanda meint dazu: "Ich setzte in meinem Leben andere Prioritäten. Ich mache morgens eine Plan für den Tag, was ich mit einem Kater wohl nicht tun würde."

Rund 15 Prozent aller Personen unter 24 Jahren in Spanien trinken nicht, fühlen aber nach eigenen Angaben sozialen Druck, es doch zu tun. Nicky Cordoba ist 24 Jahre alt und berichtet: 

"Meine Erklärung ist immer: Ich trinke nicht, aus gesundheitlichen Gründen. Dann hab ich meine Ruhe.

Achtsames Trinken ist ein globales Phänomen, dass Social Media mit seinen Hashtags flutet. Gewissenhafter Alkoholkonsum geht viral unter jungen Leuten. Fachmann dafür ist José Blazquez von der European University of Madrid: 

"Ihre Beziehung zu Social Media hat auch mit dem Feedback zu tun, was sie bekommen, mit den Likes. Das ist wichtig für die User, denn sie bekommen Anerkennung, wenn sie schreiben: 'Ich habe nicht getrunken' oder 'Ich habe meinen Konsum eingeschränkt.' Das ist eine Belohnung von den Menschen, mit denen sie Inhalte teilen."

Trend: weniger, aber besser trinken

"Cocktail-Bars wie diese sprießen hier in Madrid aus dem Boden. Das zeigt den Wandel von Quantität hin zu einer gewissen Qualität. In solchen Bars kann man einen herkömmlichen Drink geniessen und dann einen Mocktail ohne Alkohol trinken. Da gibt es ein großes Angebot. Denn der beste Abend ist doch der, an den man sich am Morgen noch erinnern kann", so euronews-Korrespondent Jaime Velazquez in Madrid.

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