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Mysteriöser Geheimgang in Steinzeitgrabanlage entdeckt

In Reinstedt, einem Ortsteil von Falkenstein, zeichnet sich die jungsteinzeitliche Grabenanlage ab.
In Reinstedt, einem Ortsteil von Falkenstein, zeichnet sich die jungsteinzeitliche Grabenanlage ab. Copyright  Foto: Simon Meier © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Copyright Foto: Simon Meier © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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In einer Gräberanlage aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. sind Archäologen auf ein Gangsystem aus dem Spätmittelalter gestoßen.

Eigentlich waren in dem kleinen Ort Dornberg im Harz, Windkraftanlagen geplant. Bei archäologischen Untersuchungen im Vorfeld wurde stattdessen eine faszinierende Entdeckung gemacht.

Auf einer flachen Anhöhe östlich des Dorfes in Sachsen-Anhalt förderten Ausgrabungen einer Anlage zutage. Innerhalb dieses angelegten Vierecks entdeckten die Forscher Spuren mehrerer prähistorischer Epochen: einen trapezförmigen Graben der Baalberger Kultur aus dem 4. Jahrtausend v. Chr., schlecht erhaltene Hockerbestattungen aus dem späten Neolithikum sowie Überreste eines vermutlich bronzezeitlichen Grabhügels.

Ins Auge fiel den Forschern dort zudem eine etwa zwei Meter lange und bis zu 75 Zentimeter breite Grube. Eine größere Steinplatte ließ zunächst auf ein Grab schließen. Doch beim weiteren Freilegen zeigte sich ein anderes Bild: Die Schichten der Verfüllung fielen schräg nach Norden ab und führten unerwartet tief in den hellen, festen Lössuntergrund hinein.

Kurz darauf entdeckten sie einen etwa zwei Meter langen und bis zu 0,7 Meter breiten Gang, der etwa 1,25 Meter hoch ist.

Freigelegter Gang des Erdstalls mit Spitzgiebel und kleiner Nische in der Wandung. Ganghöhe um einen Meter, Breite 50 bis 70 Zentimeter.
Freigelegter Gang des Erdstalls mit Spitzgiebel und kleiner Nische in der Wandung. Ganghöhe um einen Meter, Breite 50 bis 70 Zentimeter. Ulf Petzschmann © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Die Decke des Geheimgangs war stellenweise als Spitzgiebel ausgestaltet. Im Erdreich, das den Gang füllte, fanden sich Keramikreste aus dem Spätmittelalter, Holzkohlereste, ein Hufeisen sowie Knochen von Kleintieren und ein Fuchsskelett. Das Grabungsteam stieß zudem auf eine dünne Schicht Holzkohle. Der darunterliegende Boden keine typische Rotfärbung aufwies, schließen die Fachleute auf die Überreste eines nur kurzzeitig brennenden Feuers.

An der engsten Stelle des Eingangs fiel eine Ansammlung übereinandergestapelter großer Steine auf, die auf ein bewusstes Verschließen des Durchgangs hindeuten könnte.

Es gibt eine Stufe, über die der Geheimgang betreten werden kann. Wissenschaftler nennen diese Gänge "Erdställe". Erdställe sind von Menschen geschaffene unterirdische Gangsysteme, die teilweise kammerartige Erweiterungen aufweisen.

Erdställe sind vor allem in einem Gebiet von Süddeutschland über Österreich bis nach Tschechien und die Slowakei gut dokumentiert. Sie wurden vermutlich zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert in den Untergrund gegraben. Die Gänge sind oft verwinkelt und erstrecken sich auf mehreren Ebenen unter alten Bauernhöfen, Kirchen oder Friedhöfen.

Nach Angaben von Fachleuten ist es denkbar, dass die jungsteinzeitliche Anlage im Mittelalter noch gut sichtbar über der Erdoberfläche war. Menschen mieden Orte wie diese in der Regel, vor allem, wenn sie sich unter Gräbern befanden. Über ihre genaue Nutzung – etwa als Zufluchtsorte bei Überfällen oder für religiöse Zwecke – gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

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