Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Models wütend: Fotos von Spaniens Kampagne für 'Beach-Bodys' von Social Media geklaut - und geändert

Access to the comments Kommentare
Von Angelica Parra Hernandez  &  Sophia Khatsenkova, Isabella Jewell, Alexandra Leistner
"Der Sommer gehört auch uns" - die Kampagne hat die Regierung insgesamt 84.500 Euro - und jetzt auch viel Kritik gekostet.
"Der Sommer gehört auch uns" - die Kampagne hat die Regierung insgesamt 84.500 Euro - und jetzt auch viel Kritik gekostet.   -   Copyright  Instituto de las Mujeres (Fraueninstitut), Spanische Regierung

Eine Kampagne der spanischen Regierung gegen Stereotypen weiblicher Körper ist in schwere Kritik geraten. Unter dem Motto "Der Sommer gehört auch uns" (El verano tambien es nuestro) sind auf einem Plakat Frauen unterschiedlichen Alters, Statur und Hautfarbe abgebildet. Wie jetzt bekannt wurde, hatten die Frauen nie ihre Zustimmung zur Verwendung ihrer Bilder gegeben.

Kampagne untergräbt eigentliche Botschaft

Eine der Frauen auf dem Bild, Naomi Nicholas-Williams, reagierte in den sozialen Medien: Ohne ihre Erlaubnis war ein Foto von ihrem Instagram-Account verwendet worden. Gegenüber Euronews sagte sie, die Kampagne untergrabe damit ihrer Meinung nach die eigentlich positive Botschaft: "Das bestätigt, dass wir als Frauen nicht wirklich die Kontrolle über unsere Körper haben", so Nicholas-Williams.

Noch seltsamer ist, dass ihr Gesicht per Photoshop auf den Körper einer anderen Person gesetzt wurde.

Mit einem anderen Model passierte etwas Ähnliches: Auch von ihr wurde ein Bild von ihrem Instagram-Account genommen. Per Photoshop wurden ihre Haare kürzer gemacht und ihr wurde eine Sonnenbrille aufgesetzt.

Juliet FitzPatrick ist Schriftstellerin und Model, bei der 2016 Brustkrebs diagnostiziert wurde und die sich zwei Mastektomien unterziehen musste. Sie hat sich bewusst dafür entschieden, nach den beiden Operationen keine Brustimplantate einsetzen zu lassen. Das Leben zwischen den OPs, die 18 Monate auseinander lagen mit nur einer Brust, habe sie "gehasst".

"Mein total verändertes Gesicht auf einem anderen Körper?", schrieb sie überrascht auf Instagram und konnte nicht glauben, was sie in der Werbung sah. Auf Twitter wurde der Vergleich zwischen ihrem echten Körper und dem auf dem Plakat abgebildeten von mehreren Nutzern geteilt.

Beinprothese verschwunden

Auch das britische Model Sian Green-Lord hat sich auf Instagram über die Verwendung ihres Bildes auf dem Plakat empört. In dem sozialen Netzwerk veröffentlicht Sian Fotos, auf denen sie mit ihrer Beinprothese zu sehen ist, die sie seit einem Unfall im Jahr 2013 braucht. Auf dem Kampagnenplakat hat sie zwei gesunde Beine.

Auf Instagram schrieb sie: "Ich fühle mich verletzt. Ich habe schon lange nicht mehr so geweint. Der Gedanke, dass jemand mein Bild gesehen hat und dachte 'ihr Bein ruiniert die Pose' und es dann ersetzt hat, ist schrecklich."

Auf ihrem Instagram-Account erklärt das Model, dass sie sich für ein positives Körperbild und Selbstwertgefühl einsetzt und anderen dabei helfen will, ihr Selbstbild zu verbessern. Sian kommentiert, dass sie sich von all der Unterstützung, die sie von ihren Followern erhalten hat, bewegt fühlt. Viele hätten sich gegen "die ekelhafte Kampagne der spanischen Regierung" ausgesprochen.

Sogar die Schriftart wurde "geklaut"

Und das ist noch nicht alles. Es gab auch Aufregung um die Schriftart, die verwendet wurde. Ein Twitter-User schrieb, er wisse, wer diese entworfen habe, dass er sich aber nicht daran erinnern könne, dass er für seine Arbeit bezahlt worden sei.

Die Künstlerin, die die Kampagne entworfen hat, hat sich auf Twitter entschuldigt. 

Sie entschuldigte sich bei den Models dafür, dass sie sich von deren Fotos inspirieren ließ und dass sie eine Schrift verwendet habe, von der sie gedacht habe, dass diese kostenlos verwendet werden könne. Sie versprach, den Lohn durch die Kampagne mit Models und Schriftdesigner zu teilen.

4.490 Euro hat die Künstlerin für ihre Arbeit bekommen.

"Meine Absicht war es nie, ihr Bild zu missbrauchen, sondern vielmehr die Inspiration, die Frauen wie sie für mich darstellen, in meine Illustration zu übertragen (...) Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der beste Weg, den Schaden, der durch mein Verhalten entstanden sein könnte, zu mildern, darin besteht, den Gewinn aus diesem Werk zu gleichen Teilen aufzuteilen."

Das Fraueninstitut, eine Organisation des spanischen Gleichstellungsministeriums, hat ebenfalls auf Twitter reagiert. Man habe nicht gewusst, dass die Frauen auf dem Plakat tatsächlich existieren. Die Models seien kontaktiert worden, es werde versucht eine Einigung mit ihnen zu finden.