Die Europäer wollen, dass sich das Europäische Parlament mit der Bekämpfung der Inflation, der Schaffung von Arbeitsplätzen und mit dem Ausbau der Verteidigung befasst. Das geht aus der jüngsten Eurobarometer-Umfrage hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.
Aktive Kriege in der Nähe der EU-Grenzen und Desinformation sind laut einer am Mittwoch vom Europäischen Parlament veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage die größten Sorgen der europäischen Bürger.
Die im Herbst 2025 durchgeführte Umfrage ergab, dass 72 Prozent der Befragten sich große Sorgen über aktive Kriege in der Nähe der EU-Grenzen machen, während 69 Prozent angaben, dass auch angesichts des Themas Desinformation "sehr besorgt" sind.
Weitere große Sicherheitsbedenken waren Terrorismus (67 Prozent), Naturkatastrophen, die durch den Klimawandel verschlimmert werden (66 Prozent) und Cyberangriffe aus Nicht-EU-Ländern (66 Prozent).
"Auffallend ist, dass dies in allen Mitgliedsstaaten der Fall ist", sagte die Sprecherin des Europäischen Parlaments, Delphine Colard, gegenüber Euronews.
"Vielleicht waren es die nordischen oder die östlichen EU-Länder, die in der Vergangenheit als erste diese Sicherheits- und Verteidigungsbedenken geäußert haben, und jetzt ist es sehr verallgemeinert".
Die Bürger äußerten sich außerdem "sehr besorgt" angesichts folgender Themen: Hassrede (68 Prozent), von KI erzeugte irreführende Inhalte (68 Prozent), Online-Datenschutz (68 Prozent) und Bedrohung der Redefreiheit (67 Prozent).
"Wir haben im vergangenen Jahr einige Angriffe auf den Multilateralismus, auf Werte, eine Zunahme von Hassreden oder Desinformation im Internet erlebt. Wir haben gesehen, dass KI-Tools stärker instrumentalisiert werden, um den Informationsraum zu polarisieren oder zu verzerren", so Colard. Und weiter: "Diese Bedrohungen oder Risiken werden von den Bürgern wahrscheinlich sehr stark wahrgenommen."
Was die Bürger vom Parlament erwarten
Als Folge dieser Bedenken wünschen sich die befragten Europäerinnen und Europäer, dass das Parlament der Bekämpfung der Inflation (41 Prozent) Priorität einräumt, gefolgt von der Schaffung von Arbeitsplätzen (35 Prozent) und der Verteidigung (34 Prozent).
Colard sagte, die von der Europäischen Kommission, dem Parlament und dem Rat aufgestellte Agenda spiegele die Sorgen der Bürger wider.
"Die Frage der Wettbewerbsfähigkeit steht ganz oben auf der Agenda und umfasst alle Fragen der Wirtschaft, der Industrie, aber auch das, was die Bürger am meisten vom Parlament erwarten, nämlich die Bekämpfung der Inflation und der hohen Lebenshaltungskosten", sagt die Sprecherin des EU-Parlaments.
Sicherheit und Verteidigung sind ein weiterer Spannungspunkt, mit Vorschlägen für mehr europäische Verteidigungsinstrumente, Investitionen und Unterstützung für die Ukraine, fügte Colard hinzu.
Befragte Bürger: EU soll selbstbewusster auftreten
Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz der Bürger im Internet stünden seit den letzten Europawahlen auf der Tagesordnung fast jeder Plenarsitzung des Parlaments, betonte sie.
Eine überwältigende Mehrheit von 89 Prozent der Befragten gab an, dass die europäischen Länder geschlossener auftreten sollten, um den globalen Herausforderungen zu begegnen, während 86 Prozent der Befragten wünschen, dass die EU auf der internationalen Bühne mit einer stärkeren Stimme auftrete.
Die Bürger erwarten von der EU, dass sie "schützt" und "bereit ist, gemeinsam zu handeln", so Colard. Zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten möchten, dass die EU sie besser vor globalen Krisen und Risiken schützt.
Insgesamt sehen 62 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger die Mitgliedschaft ihres Landes in der Europäischen Union positiv, obwohl sich die öffentliche Wahrnehmung der EU seit der letzten Umfrage im Mai 2025 veschlechtert hat.