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Menschen in Europa sehen mehr Desinformation und Fake News: Welche Länder leiden am meisten?

Ein Avaaz-Aktivist schwenkt die EU-Flagge neben lebensgroßen Pappfiguren von Zuckerberg. Er protestiert gegen Fake-Accounts auf Facebook, die Desinformation verbreiten.
Ein Avaaz-Aktivist schwenkt die EU-Flagge. Neben lebensgroßen Zuckerberg-Pappfiguren protestiert er gegen Fake-Facebook-Konten, die Desinformation verbreiten. Copyright  Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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EU-weit wächst das Gefühl, Desinformation und Fake News ausgesetzt zu sein: seit 2022 um acht Prozentpunkte. Fachleute sehen Medienkompetenz und Faktenchecks als Schlüssel gegen den Trend.

Desinformation und Falschmeldungen prägen mittlerweile die Nachrichtenlage. Der Aufstieg sozialer Medien hat ihre Verbreitung und Sichtbarkeit zusätzlich beschleunigt.

Laut Eurobarometer nimmt die wahrgenommene Begegnung mit Desinformation und Falschmeldungen europaweit zu.

Im Jahr 2025 gab mehr als ein Drittel der Befragten in der EU (36 Prozent) an, in den vergangenen sieben Tagen häufig oder sehr häufig auf Desinformation und Falschmeldungen gestoßen zu sein. 2022 lag dieser Wert bei 28 Prozent. Nur zwölf Prozent sind nach eigenen Angaben zuversichtlich, Desinformation zu erkennen.

Welche europäischen Länder melden die höchste wahrgenommene Belastung durch Desinformation? Und wie sicher fühlen sich Europäer, sie zu erkennen, wenn sie ihr begegnen?

Selbstwahrnehmung statt belegter Fälle

Wichtig: Die Umfrage erfasst die wahrgenommene Konfrontation mit Desinformation, nicht verifizierte Fälle.

Die Befragten meldeten, was sie für Falschmeldungen hielten. Die Umfrage prüfte die Inhalte jedoch nicht nach und bestätigte auch nicht, ob sie tatsächlich falsch waren.

Fasst man die Antworten sehr häufig und häufig zusammen, liegt der Anteil der wahrgenommenen Exposition gegenüber Desinformation und Falschmeldungen zwischen 26 Prozent in Finnland und Deutschland und 57 Prozent in Ungarn.

Auch in Rumänien (55 Prozent) und Spanien (52 Prozent) berichtete mehr als die Hälfte der Befragten davon. Über 40 Prozent waren es in Bulgarien (48 Prozent), Luxemburg (45 Prozent), Malta (45 Prozent), Griechenland (43 Prozent), Zypern (42 Prozent) und Irland (42 Prozent).

Am unteren Ende liegen neben Finnland und Deutschland (je 26 Prozent) Tschechien (29 Prozent), Schweden (30 Prozent), Litauen (30 Prozent) und Frankreich (30 Prozent). Die Niederlande, Lettland und Belgien liegen ebenfalls knapp unter einem Drittel.

Menschen in Ost- und Südeuropa berichten tendenziell von höherer Exposition gegenüber Desinformation, in Nord- und Westeuropa eher von geringerer.

Das Muster ist jedoch nicht durchgängig: Länder wie Luxemburg und Irland melden relativ hohe Werte, Tschechien, Italien und Portugal dagegen niedrigere, als für ihre Regionen zu erwarten wäre.

Im EU-Durchschnitt sagten drei von zehn Befragten (31 Prozent), sie seien in den vergangenen sieben Tagen manchmal auf Desinformation und Falschmeldungen gestoßen. Der Anteil reichte von 24 Prozent in Ungarn bis 40 Prozent in Schweden.

Zählt man die Gruppe manchmal dazu, steigt die wahrgenommene Exposition in der EU auf rund zwei Drittel der Befragten (66 Prozent). Das deutet auf ein insgesamt sehr hohes Niveau hin.

In der EU sagten nur sieben Prozent, sie seien nie mit Desinformation und Falschmeldungen konfrontiert gewesen; 16 Prozent berichteten seltene Begegnungen. Zusammen sind das weniger als ein Viertel der Befragten (23 Prozent).

Auffällig ist auch der relativ hohe Anteil derjenigen, die weiß nicht angaben: EU-weit zehn Prozent.

Anstieg in 22 EU-Ländern

Im Vergleich zur Erhebung 2022 stieg der Anteil der EU-Befragten, die sehr häufig oder häufig auf Desinformation und Falschmeldungen trafen, um acht Prozentpunkte. In 22 EU-Ländern nahm der Wert zu, in vier Ländern sank er.

Der Anstieg fiel in mehreren Ländern besonders stark aus. Dänemark und die Niederlande verzeichneten die größten Zuwächse, jeweils plus 19 Punkte. Dahinter folgen Luxemburg (18 Prozentpunkte), Malta (17), Schweden (14) und Spanien (13).

Elon Musk kaufte Twitter Ende 2022 und benannte die Plattform später in X um.

Können Menschen Desinformation erkennen?

Etwas mehr als sechs von zehn Befragten (62 Prozent) sagen, sie seien zuversichtlich, Desinformation zu erkennen, wenn sie ihr begegnen. Darunter sind zwölf Prozent sehr zuversichtlich und 49 Prozent eher zuversichtlich. Rund ein Drittel (32 Prozent) fühlt sich dagegen nicht sicher.

Im Vergleich zu 2022 sank dieses Vertrauen EU-weit und in vielen Ländern um zwei Prozentpunkte.

Das Vertrauen reicht von 49 Prozent in Polen bis 84 Prozent in Malta.

Zwischen der wahrgenommenen Exposition und dem Vertrauen, Desinformation zu erkennen, besteht kein starker Zusammenhang.

Medienkompetenz und Faktenchecks

Diese Wahrnehmungen zu erklären, ist schwierig, sagte Konrad Bleyer-Simon, Research Fellow am Centre for Media Pluralism and Media Freedom. Sie decken sich oft nicht mit den tatsächlichen Fähigkeiten oder dem realen Ausmaß des Problems.

„Die Qualität und Reichweite von Medienkompetenz und Faktenchecks im Land können eine Rolle spielen, aber auch psychologische Faktoren – etwa warum Menschen ihre Fähigkeiten oder ihre Exposition unter- oder überschätzen“, sagte er Euronews Next.

Unabhängige öffentlich-rechtliche Sender

Bleyer-Simon betonte zudem: Desinformation wirkt stärker in stark polarisierten Gesellschaften und bei großen wirtschaftlichen Ungleichheiten. Auch ein schwaches Bildungssystem (sichtbar in PISA-Ergebnissen) und geringes Vertrauen in Institutionen verstärken den Effekt. Ebenso, wenn Politikerinnen und Politiker auf konfrontative und populistische Kommunikation setzen.

„Länder sind widerstandsfähiger gegen Desinformation, wenn sie starke, unabhängige öffentlich-rechtliche Sender haben, eine wirksame Selbstregulierung der Privaten, hohes Vertrauen in Nachrichten und eine Bevölkerung, die sich eher aus Nachrichtenmedien als aus sozialen Medien informiert“, sagte er.

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