In einer geleakten E-Mail des Pentagon wird vorgeschlagen, Spanien zu "bestrafen", weil Madrid sich weigert, die USA im Iran-Krieg zu unterstützen. Doch was kann Washington tatsächlich tun?
Zuletzt hat eine durchgesickerte E-Mail des Pentagon für Aufregung bei Beamten in Brüssel und Madrid gesorgt. Sie enthüllte eine Liste von Strafmaßnahmen für Verbündete, die sich weigern, im Iran-Krieg zu helfen.
Der schockierendste Vorschlag? Der Versuch, Spanien aus der NATO auszuschließen.
Aber ist das überhaupt möglich?
Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez war Europas lautstärkste Stimme gegen den Krieg in Iran. Madrid verweigerte den USA die Rechte zum Auftanken auf den Militär-Stützpunkten Rota und Morón für Angriffe auf den Iran und sperrte seinen Luftraum für US-Kampfflugzeuge, die am Krieg beteiligt sind.
Während Washington dies als "absolute Basis" für das Bündnis bezeichnet, erklärt Madrid, dass diese Stützpunkte nicht für Aktionen außerhalb des NATO-Vertrags genutzt werden könnten.
Trotz der Drohungen können die USA jedoch nicht einfach ein Bündnismitglied ausschließen. Die Gründungscharta sieht keinen Mechanismus für eine Aussetzung vor, und Artikel 13 erlaubt nur einen freiwilligen Austritt.
Experten weisen darauf hin, dass Spanien durchaus das Recht hat, seine Souveränität zu schützen.
Und dies ist nicht das erste Mal. Im Jahr 1986 schlossen sowohl Spanien als auch Frankreich ihre Luftwaffenstützpunkte während der Operationen gegen Libyen für die USA.
Was geht aus den durchgesickerten Plänen hervor?
Und jetzt wird es noch interessanter: Die Leaks deuten darauf hin, dass die Vergeltungsmaßnahmen weit über Spanien hinausgehen könnten.
Berichten zufolge prüft das Pentagon die diplomatische Unterstützung für die britische Kontrolle über die Falklandinseln, nachdem das Vereinigte Königreich den USA ebenfalls die Nutzung seiner Luftwaffenstützpunkte für Angriffe auf Iran verweigert hat.
Und da es den Anschein hat, dass das Engagement der USA für die NATO nachlässt, bauen die europäischen Staaten ihre eigene Verteidigung aus.
Am vergangenen Mittwoch stellte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius die erste Militärstrategie des Landes für die Bundeswehr vor, die darauf abzielt, bis 2039 die stärkste konventionelle Armee Europas aufzubauen.
Die deutschen Pläne räumen auch ein, dass Europa angesichts der Konzentration Washingtons auf den indo-pazifischen Raum mehr Verantwortung für seine eigene Verteidigung übernehmen muss.
Ob dies zu einem stärkeren Bündnis oder zu einer dauerhaften Trennung führt, ist die entscheidende Frage für den jährlichen NATO-Gipfel im Juli 2026.