Spanien protestiert gegen die Festnahme von zwei Aktivisten der Gaza-Flotilla durch die israelische Armee in internationalen Gewässern vor Kreta. Ein Spanier und und ein Brasilianer sollten in Israel verhört werden.
Die israelische Regierung hat mitgeteilt, dass Abu Keshek und der brasilianische Aktivist Thiago Ávila von Sicherheitsbeamten in Israel verhört werden sollten. Das israelische Außenministerium nannte allerdings nicht den Ort, an dem die Verhöre stattfinden sollten. Die israelische Armee hatte die internationale Flotilla für Gaza 600 Seemeilen vor dem Ziel gestoppt und die zwei Aktivisten festgenommen.
Israel wirft ihnen vor, über die "Popular Conference for Palestinians Abroad" Verbindungen zur Hamas zu unterhalten. Die USA sehen diese Organisation als Tarnstruktur der islamistischen Palästinenserbewegung.
Konkret bezeichnet Israel den Spanier Abu Keshek als eine der Führungspersönlichkeiten dieses Netzwerks, Ávila als jemanden, der für die Gruppe aus israelischer Sicht illegal tätig sei.
Beide sollen konsularische Betreuung durch ihre Heimatländer erhalten. Für den Spanier ist der spanische Konsul in Tel Aviv zuständig. Der Brasilianer Ávila bekommt Unterstützung durch Diplomaten seines Landes.
Albares: "Keshek müsste mit den anderen auf Kreta sein"
Spaniens Außenminister José Manuel Albares fand in einem Interview mit "Catalunya Ràdio“ deutliche Worte. Es handle sich, so sagte er, um "eine rechtswidrige Festnahme in internationalen Gewässern, außerhalb jeder Zuständigkeit der israelischen Behörden“.
Nach Ansicht des spanischen Chefdiplomaten hätte Abu Keshek nie israelischen Boden betreten dürfen. Israel hätte ihn zusammen mit den übrigen Aktivisten auf der griechischen Insel Kreta an Land bringen müssen.
Am Donnerstag bestellte das spanische Außenministerium kurzfristig die Leiterin der israelischen Botschaft in Madrid ein und übermittelte den Protest der Regierung. Spanien schloss sich außerdem einer gemeinsamen Erklärung mit zehn weiteren Staaten an, darunter die Türkei, Brasilien, Kolumbien und Südafrika. Darin heißt es, die israelischen Angriffe auf die Schiffe und die Festnahme der Aktivisten stellten "eklatante Verstöße gegen das Völkerrecht" dar.
Ob Abu Keshek tatsächlich gefoltert wurde, konnte Albares nach eigenen Angaben nicht bestätigen. Es habe noch keinen direkten Kontakt zu ihm gegeben. Bestätigt sei jedoch, dass mehrere Aktivisten auf Kreta medizinische Hilfe brauchten und die dorthin entsandte spanische Konsulin sie begleiten musste.
Flottille prangert systematische Folter an
Die Organisation Global Sumud Flotilla geht mit ihren Vorwürfen noch weiter. In einer Erklärung behauptet die Gruppe, das israelische Militär habe sowohl Abu Keshek als auch Ávila gefoltert. Zuvor hätten Soldaten die beiden von den übrigen 174 Aktivisten getrennt und sie gemeinsam mit diesen auf das israelische Marineschiff „Nahshon“ gebracht.
"Augenzeugen berichten von Schreien Abu Kesheks, die durch das Schiff hallten, als er nach der Trennung von den anderen systematisch gefoltert wurde“, heißt es in der Mitteilung. Die Organisation spricht von einer "schweren Eskalation“ und einem "weiteren Kriegsverbrechen“. Nach Angaben der Organisatoren mussten bis zu 35 Aktivisten wegen der Gewalt beim israelischen Einsatz medizinisch behandelt werden.
Familie bangt ohne Nachrichten
Sally Issa, die Ehefrau des Aktivisten, sagte dem staatlichen Sender „Canal 24 horas“, die Familie warte seit Stunden auf Informationen. "Wir haben keinerlei Angaben zu seiner Verlegung bekommen", erklärte sie. "Israel darf in internationalen Gewässern keine Menschen festsetzen. Das ist rechtswidrig, und wir fordern die spanische Regierung auf, alles für seine Freilassung zu tun."
Am meisten sorgt sie sich nach eigenen Worten um den körperlichen Zustand ihres Mannes. "Anwesende Aktivisten haben uns berichtet, dass es systematische Gewalt gegen Saif gab, und wir machen uns große Sorgen um seine Gesundheit“, sagte sie.
Die übrigen Mitglieder der Flottilla mit Ausnahme von Abu Keshek und Ávila gingen am Freitag auf Kreta von Bord. Einige ließen sich dort in Kliniken behandeln, die anderen traten die Rückreise in ihre Heimatländer an.