Nach dem mittlerweile schon fast legendären "For Sure" hat Frankreichs Präsident den Remixern eine neue Steilvorlage geliefert - indem er bei einer Diskussionsrunde in Kenia versuchte, für Ruhe zu sorgen...
"Macrons Popularität sinkt": An solche Schlagzeilen sind wir gewöhnt, da das Vertrauen in das französische Staatsoberhaupt zugegebenermaßen sinkt.
Jüngstes Beispiel: In der Umfrage von Ipsos BVA-Cesi, die am 9. Mai in La Tribune Dimanche veröffentlicht wurde, konnte Macron nur noch 21% der Befragten für sich gewinnen, ein Rückgang von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum April. 75% sprachen sich in der Umfrage gegen ihn aus, zwei Prozentpunkte mehr als im Vormonat.
Aber bei einem Publikum findet er zweifellos weiterhin Anklang, im wahrsten Sinne des Wortes: bei Remixern - und vielleicht auch Social Media Marketing-Chefs.
Denn in den Netzwerken kommt Macron auf seine Weise gut an, ob er nun "La Bohème" singt oder tanzt, wie vor dem Gipfeltreffen "Africa Forward" in Kenia:
"Das ist ein Mangel an Respekt!"
Dasselbe Forum übrigens ermöglichte Emmanuel Macron, "wieder in die Charts zu kommen":
Bei einer der Diskussionen am 11. Mai in Nairobi wurde es immer lauter im Saal. Während die Redner weiter versuchten, sich inmitten der Buhrufe und des Getuschels Gehör zu verschaffen, stand der Präsident, der in der ersten Reihe saß, plötzlich auf und ging zum Podium.
"Jetzt schon? Wollen Sie nicht warten, bis Sie an der Reihe sind?", fragte die Moderatorin, die von diesem Protokollverstoß sichtlich verunsichert war. Er erwiderte nur: "Ich werde für Ordnung sorgen", und ergriff dann das Mikrofon.
Macron stieß einige "Hey!"-Rufe aus, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und prangerte dann "einen völligen Mangel an Respekt" der aufgeregten Zuschauer an. "Es tut mir leid, aber es ist unmöglich, über Kultur zu sprechen, sehr inspirierende Menschen zu haben, die hierher gekommen sind, um zu sprechen, wenn es so laut ist. Wenn Sie über etwas anderes reden wollen, haben Sie andere Räume nebenan, gehen Sie nach draußen", mahnte er.
"Ich habe sofort eine mögliche Schleife in meinem Kopf gehört"
Mehr brauchte der französische Musiker Jerry Manoukian alias French Fuse für seinen Remix nicht. Im Gespräch mit dem französischen Nachrichtensender France Info erzählte Manoukian, ihm sei sofort die Idee gekommen, "als ich diese Passage von Emmanuel Macron sah, die schon etwas sehr Rhythmisches und fast Musikalisches in der Intonation hatte. Dann habe ich ein Stück darum herum gebaut, ein bisschen so, als würde seine Rede zum Refrain eines Gospel-Titels werden."
"Macron just dropped another hit" - "Macron hat gerade einen neuen Hit herausgebracht", untertitelt er seinen Remix auf Instagram.
French Fuse hat schon mit dem Macron-Remix "For Sure" nach eigenen Angaben 20 Millionen Aufrufe auf Social Media überschritten.
"For Sure"
Inzwischen ein Macron-Fetisch für Frankreichs Remixer.
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar hatte der französische Präsident nicht nur mit seiner Sonnenbrille Aufsehen erregt, sondern auch in seiner Rede auf Englisch mehrmals "for sure" - "ganz sicher" wiederholt - die perfekte Vorlage für das Amüsement der Internauten und eine wahre Macron-Remix-Welle.
Der Audio-Mitschnitt seiner Rede diente als musikalisches Sample für alle Stilrichtungen und Geschmäcker, ob Shatta, French Electro oderSka.
Bilal Hassani, Frankreichs Vertreter 2019 beim Eurovision Song Contest, versuchte sich mit einem Disco-Remix der Rede des Präsidenten:
Während das Video des Sängers "nur" 6.000 Mal geliked wurde, traten andere schon fast einen Hype los, wie die Influencerin und Miss Paris 2019 Clara Azina mit ihrer Version. Auf TikTok sahen mehr als fünf Millionen ihren Remix.
Das Duo Trinix, 2,3 Millionen Abonnenten auf Instagram, veröffentlichte seine Version ebenfalls auf TikTok - das Video wurde mehrere hunderttausend Mal geliked.
Natürlich können auch die Remixe Macrons Sinkflug in den Umfragen nicht aufhalten. Aber den Stammgästen in den Korridoren des Elysée-Palastes eine kleine Verschnaufpause und tausenden Internauten ein Lachen verschaffen? For Sure!