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Hormus-Krise: EU halbiert Wachstumsprognose 2026 für Deutschland

Frachter in Straße von Hormus
Frachter in der Straße von Hormus Copyright  AP Photo
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Von Marta Pacheco
Zuerst veröffentlicht am
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Die EU hat ihre Wachstumsprognose für 2026 nach der Krise in der Straße von Hormus gesenkt. Kein Ende des Konflikts in Sicht, höhere Energiekosten verschärfen den Streit um zusätzliche Staatshilfen.

Die Europäische Kommission hat am Donnerstag ihre Wachstumsprognose für die europäische Wirtschaft für das Jahr 2026 gesenkt. Grund ist der anhaltende Konflikt im Nahen Osten, der die Energiepreise kräftig nach oben treibt.

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Die EU-Wirtschaft dürfte 2026 nur noch um rund ein Komma eins Prozent wachsen, nachdem die Kommission in ihrer Herbstprognose noch ein Komma vier Prozent erwartet hatte. Für den Euroraum liegt die neue Prognose sogar nur bei null Komma neun Prozent.

In ihrem Bericht warnt die Kommission, dass die Turbulenzen auf den globalen Energiemärkten, ausgelöst durch die eskalierenden Spannungen rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Öl- und Gasrouten der Welt, die wirtschaftliche Lage Europas deutlich verschlechtert haben.

„Bis Ende Februar 2026 sei noch ein moderates Wachstum bei weiter sinkender Inflation erwartet worden“, heißt es in dem Bericht. „Seit Ausbruch des Konflikts habe sich die Lage jedoch grundlegend verändert.“

Auch die Teuerung dürfte wegen der Lage um die Straße von Hormus stark anziehen.

Für dieses Jahr rechnet die Kommission nun mit einer Inflationsrate von drei Komma eins Prozent in der EU. Das ist ein ganzer Prozentpunkt mehr als bislang erwartet, vor allem getrieben von explodierenden Energiekosten, nachdem Öl- und Gaspreise aus Angst vor Lieferausfällen am Golf stark gestiegen sind.

Für EU-Vertreterinnen und -Vertreter weckt der Schock Erinnerungen an das Jahr 2022, als Russlands Angriff auf die Ukraine die schlimmste Energiekrise in Europa seit Jahrzehnten auslöste.

Die Kommission spricht von dem zweiten derartigen Schock in weniger als fünf Jahren und warnt, dass Europas Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen den Kontinent besonders verwundbar macht, sobald geopolitische Spannungen die weltweite Energieversorgung gefährden.

Die Industrie in Deutschland benötigt besonders viel Energie, das macht die Wirtschaft des Landes in der jetzigen Situation anfällig.

Der Prognose zufolge ist das Verbrauchervertrauen bereits auf den niedrigsten Stand seit vierzig Monaten gefallen. Haushalte stellen sich auf höhere Heiz- und Spritrechnungen ein, Unternehmen auf steigende Betriebskosten und eine nachlassende Nachfrage.

Auch die Investitionen dürften zurückgehen, weil Unternehmen mit strengeren Finanzierungsbedingungen und wachsender Unsicherheit konfrontiert sind. Das Exportwachstum schwächt sich ab, da die weltweite Nachfrage nachlässt.

Trotz der eingetrübten Perspektiven betont Brüssel, dass die EU besser gerüstet sei als während der energiepolitischen Krise nach dem Angriff auf die Ukraine. Dazu hätten jahrelange Investitionen in erneuerbare Energien, ein geringerer Gasverbrauch und die Abkehr von russischen Lieferungen beigetragen.

Die Bemühungen um Diversifizierung der Lieferquellen, Dekarbonisierung und geringeren Energieverbrauch hätten die EU-Wirtschaft widerstandsfähiger gemacht, um den jetzigen Schock abzufedern, heißt es.

Gleichzeitig räumen EU-Verantwortliche ein, dass die Risiken weiterhin deutlich nach unten zeigen.

Der Bericht warnt, eine länger anhaltende Störung in der Straße von Hormus oder in weiteren Lieferketten im Nahen Osten könnte die Energiepreise noch stärker nach oben treiben, den erwarteten Rückgang der Inflation im Jahr 2027 zunichtemachen und Europas Erholung insgesamt zum Stillstand bringen.

Die Kommission warnt zudem, Engpässe bei raffinierten Ölprodukten, Düngemitteln und anderen industriellen Vorprodukten könnten sich durch die globalen Lieferketten fortpflanzen und die Kosten für Lebensmittel und Industrieproduktion in Europa weiter erhöhen.

Unterdessen stellen sich die europäischen Regierungen auf wachsenden Haushaltsdruck ein. Die öffentlichen Defizite in der EU dürften steigen, weil die Staaten mehr Geld ausgeben, um Haushalte vor steigenden Energierechnungen zu schützen und zugleich die Verteidigungsausgaben angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen zu erhöhen.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat die EU-Kommission zuletzt aufgefordert, die Haushaltsregeln für private Haushalte und Unternehmen zu lockern, die unter den explodierenden Energiekosten leiden. Die Energieversorgungssicherheit müsse mit der gleichen Dringlichkeit behandelt werden wie Verteidigungsausgaben, argumentiert sie.

Im Zentrum der römischen Forderung steht die sogenannte nationale Ausweichklausel der EU, die am achten Juli beschlossen wurde. Sie erlaubt den Mitgliedstaaten in Ausnahmefällen vorübergehende Spielräume im Haushalt, um die Verteidigungsausgaben zu erhöhen.

Meloni verweist darauf, dass Brüssel die Defizitregeln bereits im Zuge von Russlands Krieg gegen die Ukraine und angesichts wachsender Sorgen um Europas militärische Fähigkeiten gelockert habe. Italien fordert nun ähnliche Flexibilität für Notfallmaßnahmen im Energiebereich.

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