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Studie: Wenige Posts selbsternannter Experten beeinflussen Meinung stark

Junge Menschen nutzen ihre Smartphones, um sich am 8. November 2024 in Sydney Inhalte in sozialen Netzwerken anzusehen.
Jugendliche schauen am achten November 2024 in Sydney auf ihren Handys soziale Netzwerke an. Copyright  AP Photo
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Von Estelle Nilsson-Julien
Zuerst veröffentlicht am
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Forschende warnen: Schon wenige Posts reichen, damit Nutzer sich festlegen. Auf Netzwerken füllen selbst ernannte Experten und Influencer das Vertrauensvakuum. Wer als Expertin oder Experte und dann noch als prominente Person auftritt, genießt besonders hohe Zustimmungswerte.

Schon wenige Beiträge in sozialen Netzwerken reichen, damit Menschen sich feste, langlebige Meinungen zu Themen bilden, von denen sie zuvor keine Ahnung hatten. Entscheidend ist: Ob die Informationen stimmen oder nicht, spielt für diese Meinungen kaum eine Rolle.

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Nach einer im Mai veröffentlichten Studie von Forschenden der Trinity Business School in Irland und der NEOMA Business School in Frankreich bildeten Nutzerinnen und Nutzer schon nach drei bis fünf inhaltlich ähnlichen Social-Media-Posts eine erste Meinung. Diese verfestigte sich schnell; weitere Informationen änderten daran kaum noch etwas.

Prominent und Arzt?

Die Forschenden testeten dies mit Teilnehmenden aus den USA. Sie setzten sie Instagram-ähnlichen Beiträgen zu Nachrichtenthemen aus, mit denen sie bislang nicht vertraut waren.

"Wir haben festgestellt: Am meisten vertrauen die Menschen einer prominenten Fachperson – dieser Kombination", sagte Professor Ashish Kumar Jha von der Trinity Business School dem Faktencheck-Team von Euronews, The Cube. "Also etwa einem Star-Arzt, einer White-House-Beraterin oder einem Berater mit Millionen Followern, der zugleich Mediziner ist."

Als zweitwichtigste vertrauenswürdige Quellen identifizierten die Forschenden Prominente allgemein. Dahinter folgten Menschen, die in ihrer Profilbiografie einen beruflichen Titel tragen, etwa "Dr.".

Das Problem ist: Auf Instagram kann sich jede und jeder einen beliebigen Titel geben, sich Professorin oder Professor oder Ärztin oder Arzt nennen.
Ashish Kumar Jha
Professor Trinity Business School

"Schon im März 2020 gab es dann Millionen Menschen, die sich selbst zu Expertinnen und Experten erklärten und leidenschaftlich dafür stritten, ob wir Impfungen gut finden oder Impfungen schlecht finden", fügte er hinzu. "Wie kommt es dazu? Wie werden Menschen quasi über Nacht zu Expertinnen und Experten?"

Die Forschenden stellten fest, dass frühe Meinungen weitgehend unempfindlich gegenüber der faktischen Richtigkeit waren. Stattdessen griffen die Teilnehmenden auf mentale Abkürzungen wie Vertrautheit und innere Stimmigkeit zurück, wenn sie Informationen in der schnelllebigen Umgebung sozialer Medien verarbeiteten.

Wie werden wir zu selbsternannten Experten?

Einmal gebildet, hielten diese ersten Meinungen an. Selbst nach mehreren Tagen blieben viele bei ihrer ursprünglichen Haltung. Die Studie zeigte außerdem: Menschen setzen sich eher mit Informationen auseinander, die zu ihren ersten Ansichten passen. Widersprüchliche Inhalte glauben sie seltener, teilen sie seltener und reagieren auch insgesamt weniger darauf.

Nach den Worten von Kumar Jha liegt die Schwelle, ab der Menschen sich bei einem Thema für Expertinnen oder Experten halten, "sehr niedrig". Das führe zur nächsten Phase der Informationsverbreitung: zu Falschinformationen und gezielter Desinformation. "Menschen verbreiten Informationen, wenn sie selbst daran glauben."

"Sobald man glaubt, selbst Expertin oder Experte zu sein und so zu denken, wirkt jede Information, die Fakten prüft oder die eigenen Überzeugungen infrage stellt, wie ein Angriff auf die eigene Persönlichkeit, als Angriff auf grundlegende Gesundheitsüberzeugungen", sagte Kumar Jha. Die eigenen Ansichten würden dann immer stärker, nicht schwächer.

Da klassische Nachrichtenangebote weniger genutzt werden, springt Social-Media-Content in diese Lücke. Im Juni zeigte der Reuters Digital News Report 2026, dass soziale Netzwerke und Videoplattformen erstmals weltweit der meistgenutzte Zugang zu Online-Nachrichten sind. Bisher hatte sich diese Entwicklung nur in einzelnen Ländern abgezeichnet, nicht global.

"Wenn Sie als Nachrichtenorganisation oder Faktencheck-Team die richtigen Informationen liefern wollen, müssen Sie sehr früh dran sein", sagte Kumar Jha.

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