Hitzewelle setzt Frankreichs Atomkraftwerke unter Druck: Betreiber EDF schaltet in den Ardennen und an der Mosel drei Reaktoren ab, um Umweltauflagen einzuhalten.
In Frankreich stehen derzeit drei Atomreaktoren still. Grund ist der durch die starke Hitze gesunkene Pegel der Flüsse.
In Chooz in den Ardennen hat der Betreiber EDF zwei Reaktoren der dortigen Atomanlage abgeschaltet: Reaktor 2 steht seit dem 11. Juli still, Reaktor 1 seit Samstagabend. Sie seien außer Betrieb genommen worden, „um das französisch-belgische Abkommen vom 8. September 1998 über die Nutzung der Maas einzuhalten“, erklärte EDF.
In Cattenom im Département Moselle stoppte EDF in der Nacht von Freitag auf Samstag vorsorglich einen weiteren Reaktor, weil der Pegel der Mosel gesunken war.
Noch schlimmer sind die Probleme derzeit für die AKWs an der Donau in Rumänien und Ungarn.
EDF bestätigte, dass alle drei französischen Reaktoren vorläufig abgeschaltet blieben.
Der Betreiber erklärte, die Entscheidung diene dazu, „einen ausreichenden Wasserdurchfluss für die verschiedenen Nutzer des Flusses in Frankreich wie in Belgien zu gewährleisten“.
Für die Ardennen und das Département Moselle gilt derzeit eine Hitzewarnung der Stufe Gelb.
Hitzewelle setzt Frankreichs Atomstrom unter Druck
In Frankreich gibt es derzeit 57 Atomreaktoren, die fast 70 % der nationalen Stromproduktion erzeugen. Alle Anlagen liegen an Flüssen oder an der Küste, damit das Kühlwasser jederzeit verfügbar ist.
In Trockenperioden oder bei großer Hitze sinkt der Pegel der Flüsse, zugleich steigt die Wassertemperatur. EDF muss dann die Leistung drosseln oder Reaktoren vorübergehend vom Netz nehmen, um die Umweltbelastung zu begrenzen.
Der staatliche Konzern ist an strenge Grenzwerte gebunden, etwa für Wasserentnahmen, Einleitungen und die Erwärmung der Flüsse.
Bereits Anfang Juli musste EDF den Reaktor im Kraftwerk Golfech (Département Tarn-et-Garonne) herunterfahren, weil sich die Garonne durch die Hitze zu stark erwärmt hatte.
Außerdem passen die Betreiber die Leistung von vier weiteren Reaktoren vorübergehend an:
- Bugey 3 an der Rhône für einige Stunden am Montag,
- Tricastin 4 - ebenfalls an der Rhône - für einige Stunden am Dienstag,
- sowie Saint-Alban 1 und 2 am Atlantik, mit einer Leistungsreduzierung am Montag für Reaktor 2.