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Eines der größten in Europa: 11 Milliarden für KI-Rechenzentrum in Brandenburg

Rendering des KI-Rechenzentrums in Lübbenau
Rendering des KI-Rechenzentrums in Lübbenau Copyright  Schwarz-Gruppe
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Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am
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Im brandenburgischen Lübbenau entsteht auf dem Gelände eines ehemaligen Kraftwerks ein gigantisches KI-Rechenzentrum. Für die Region Lausitz könnte das Projekt den Beginn einer neuen Ära markieren.

Mitten in der Lausitz entsteht es: eines der größten KI-Rechenzentren Europas. 11 Milliarden Euro hat das Unternehmen Schwarz Digits, das wie die Discounterketten Lidl und Kaufland zur Schwarz-Gruppe gehört, in den Umbau eines ehemaligen Kraftwerks in Lübbenau gesteckt. Rund 100.000 Grafikprozessoren (englisch: GPU) sollen hier verbaut werden, um beispielsweise schnelles Lernen von KI-Modellen zu garantieren.

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Für den Ort könnte es die langerwartete Wende in der Post-Kohle-Ära einläuten.

Im Eiltempo wird die Anlage hochgezogen. Etwa alle drei Monate soll ein neues Gebäude fertiggestellt werden. Ende 2027 sollen die ersten Serverräume an den Start gehen. Zu den Kunden gehört beispielsweise die Polizei Baden-Württemberg. Aber auch eigene Daten der Schwarz-Gruppe etwa von Bezahlvorgängen und Bestellvorgängen werden hier auf 13 Hektar gespeichert.

"Wir rechnen jede Nacht eine Milliarde KI-Entscheidungen allein in der Unternehmensgruppe", erklärte Rolf Schumann im November 2025. Er ist einer der zwei Geschäftsführer von Schwarz Digits. Bei jeder Kaufentscheidung etwa im Lidl- oder Kaufland-Markt werden sensible Daten generiert. Daten, die Schumann "nie in die Hände Dritter geben" würde, zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung. "Hier schaffen wir die unabhängige und sichere Infrastruktur, die es Unternehmen und Bürgern ermöglicht, die Kontrolle über ihre Daten zu behalten und unsere digitale Zukunft selbstbestimmt zu gestalten."

Kritik an Klimaschädlichkeit

Anderenorts, etwa in den USA, wehren sich regelmäßig Bürger gegen KI-Rechenzentren. Mitte Juli fanden an einem Tag 142 Demonstrationen in 42 Bundesstaaten statt. Die Kritik: Die Zentren seien zu energieintensiv, zu laut und ihr Wasserverbrauch zu hoch.

Am Standort Lübbenau soll vieles anders laufen, und das heißt auch: klimafreundlicher. Statt permanent Wasser für die Kühlung zu ziehen, wurde der Gebäudekomplex so entworfen, dass er nur einmal mit Wasser befüllt werden muss. Das "aus der Leitung" stammende Wasser, wie Stefan Hees, Bereichsleiter Datacenter & Computerservice von Schwarz Digits, vor Ort erklärt, bleibe in einem Kreislauf und könne nicht verdunsten. Eine Nachbefüllung sei deswegen nicht nötig.

Bau des KI-Rechenzentrums in Lübbenau, 18.08.2026
Bau des KI-Rechenzentrums in Lübbenau, 18.08.2026 Euronews

Um möglichst wenig Lärm nach außen dringen zu lassen, sei das Gebäude speziell isoliert. Zudem liegt es demnach weit entfernt von Wohnhäusern. Wie laut es am Ende wirklich wird, wird sich wohl erst nach der Fertigstellung zeigen, denn Server sind durchaus sehr laut. Im US-Bundesstaat Wisconsin verklagten jüngst Anwohner ein als innovatives Vorzeigeprojekt angepriesenes Microsoft-Rechenzentrum wegen zu viel Lärm, berichtet der Focus.

Im US-Bundesstaat Virginia hat das unabhängige Forschungsinstitut World Resources Institute bis zu 100 Dezibel an größeren Generatoren gemessen. Zum Vergleich: 100 Dezibel entsprechen der Lautstärke einer Kettensäge.

Nachhaltiges Rechenzentrum

Sobald der Betrieb voll läuft, benötigt der Komplex pro Jahr so viel Strom wie eine mittelgroße Stadt. Um die Energieversorgung nachhaltiger zu gestalten, setzt die Anlage in Lübbenau komplett auf Strom aus erneuerbaren Quellen. Die Gebäude sollen zudem mit Solaranlagen ausgestattet werden, um zudem eigene Energie zu produzieren – rund 520.000 kWh (Kilowattstunden) jährlich. Zusätzlich sollen in der kalten Jahreszeit 75.000 Haushalte mit Fernwärme aus der Abwärme des Rechenzentrums versorgt werden. Lübbenau hat allerdings nur 15.700 Einwohner. Im Sommer soll die Wärme an die Luft abgegeben werden.

Für die Schwarz-Gruppe ist es bereits das vierte Zentrum seiner Art in Deutschland. Aus geostrategischen Gründen, so berichtet der Sender rbb24, werde es in Ostdeutschland gebaut. Konkret gehe es um Ausfallszenarien, Naturkatastrophen sowie mögliche Hackerangriffe.

Bau des KI-Rechenzentrums in Lübbenau, 18.08.2026
Bau des KI-Rechenzentrums in Lübbenau, 18.08.2026 Euronews

Auch von einer "langjährigen, vertrauensvollen Partnerschaft mit der Kommune" ist auf der Website des Unternehmens die Rede. Im dortigen zweitgrößten Kaufland-Logistikzentrum Deutschlands sind circa 1.100 Personen aus der Region angestellt. Mit dem Rechenzentrum kommen vorerst etwa 60 Arbeitsplätze hinzu, darunter 30 für Sicherheit und 30 für Technik. Das Rechenzentrum ist größtenteils automatisiert.

Bund und EU investieren Milliarden in Kohleausstieg

Das Rechenzentrum soll einen Beitrag leisten, aus Lübbenau ein Vorzeigeprojekt des Strukturwandels in der Lausitz zu machen. Zahlreiche Projekte, etwa eine Spreewaldgurken-Welt, Gesundheitsversorgung und Bildungseinrichtungen, sind in dem Ort geplant. Auch die Anbindung in das etwa eine Stunde entfernte Berlin soll verbessert werden.

Finanzielle Hilfe liefern staatliche sowie EU-Förderungen. Etwa 40 Milliarden Euro investiert der Bund dank dem Strukturstärkungsgesetz in einstige Kohleregionen, um dort einen wirtschaftlichen Wandel voranzutreiben. Ablaufdatum der Förderung ist 2038.

Außerdem können Unternehmen in der Region seit 2023 Förderung aus dem "Just Transition Fund" der EU beantragen. So sollen die negativen Konsequenzen des Kohleausstiegs abgefedert werden.

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